Die letzte EMMA: Warum es jetzt echt reicht

Dieser Text erschien auch bei takeover.beta

Ein Leser*innenbrief an die EMMA, der nie abgeschickt wird, weil ich will, dass ihn alle lesen können und nicht nur die, die bestimmen, ob er abgedruckt wird

[Vormerkung: Teilweise sind die Texte der EMMA auf die ich mich beziehe, verlinkt. Die Wortwahl dort ist in keinster Weise sensibel, verharmlost/verleugnet u.a. Rassismus-Erfahrungen und negiert alles außerhalb der Zweigeschlechtlichkeit. Weitere Kritikpunkte in meinem Text. Achtet auf euch, wenn ihr die Links anklickt.]

 

Werte EMMA-Redaktion,
Werte Frau Schwarzer,

Was bitte haben sie sich dabei gedacht?

Mit Entsetzen habe ich das Editorial und den bzw. die Artikel „Krieg gegen Frauen“/“Krieg unter Frauen“ in der aktuellen Ausgabe der EMMA Januar/Februar 2013 gelesen.

Der Artikel, dessen zwei Teile sich auf den Berliner Sl*twalk 2012 und die Rassismus-Vorfälle bei der 5-Jahres-Feier der Blogplattform Mädchenmannschaft beziehen, steht seit längerem online bis zu dem Absatz in dem es heißt, dass „akribisch recherchiert“ wurde. Was ich dann allerdings las, lässt mich ernsthaft daran zweifeln, ob wir dasselbe Verständnis von Recherche haben.

Wo soll ich anfangen?

  • Dort, wo geschichtsvergessen die Diskussion über weiße Privilegien als „aus den USA importierte Neuheit“ bezeichnet wird, die rein akademisch geführt werde?
  • Dort, wo Selbstbezeichnungen (People of Colour) „übersetzt“ werden? Und rassistische Begriffe ausgeschrieben werden?
  • Dort, wo der „gute“ Antirassismus auf der Straße und der schlechte an der (Berliner!) Universität positioniert wird?
  • Dort, wo behauptet wird, es ginge gar nicht um Rassismus? Wenn sie Betroffenen absprechen sich verletzt fühlen zu dürfen?
  • Dort, wo sie schreiben „da versucht eine Handvoll Frauen Feministinnen den Mund zu verbieten, im Namen einer übergeordneten Sache“ und quasi den Kritiker*innen Feminismus absprechen?
  • Dort, wo Antirassismus und Feminismus als Haupt- und Nebenwiderspruch dargestellt werden? Als ginge das eine ohne das andere?
  • Dort, wo Antirassismus mit stalinistischen/maoistischen und K-Gruppen(!) verglichen wird?
  • Dort, wo aus Antirassismus auf einmal Pro-Islamismus wird?
  • Dort, wo aus einem Projekt mit vielseitigen, verschiedenen Menschen ein „sektiererischer links/feministisch-akademischer Zirkel(!) mit zwei(!) Wortführerinnen gemacht wird?
  • Dort, wo es heißt, Menschen die das Projekt verlassen haben, ihnen sei „der Exodus“ gemacht worden? Und natürlich alle aus demselben Grund gegangen sind/wurden?
  • Dort, wo antirassistischer Kritik (nicht nur von Mitstreiter*innen der Mädchenmannschaft) unterstellt wird, sie wollen eine Burkapflicht einführen?
  • Dort wo Diskussionen um Rassismus im Vorfeld und während der Organisation des Sl*twalk komplett ausgelassen werden? Wo Kritik als „Intrige“ gilt.
  • Dort wo Antirassismus darauf verkürzt wird, dass weiße sich nicht dazu äußern dürfen? Dort, wo Kritik als Mund-verbieten verstanden wird?
  • Dort wo es heißt, der Ton der Kritik würde einschüchtern?

(Anmerkung: hier wird übrigens kein generisches Femininum verwendet, es steht wirklich nur etwas von Frauen drin, die laut Editorial über ihre zwei Brüste und eine Vagina definiert werden: Trans* und Intersexuellenfeindlichkeit also auch noch)

Die Liste der Punkte, die in mir im wahrsten Sinne des Wortes Übelkeit auslösen, ist lang, ungeordnet und dann war das auch erst ein Ausschnitt. So viel davon ist schlicht falsch und der Rest geschmückt mit unbegreiflichen Unterstellungen.

Werte EMMAs und alle, die diese(n) Artikel gut finden:
Ich bin schockiert, verletzt, enttäuscht und ich bin unglaublich wütend.

Hier wird gegen Feminist*innen* gehetzt, (pro)feministische Männer* unsichtbar gemacht, Trans- und Intersexuellen kategorisch ausgeschlossen. Menschen, die von Rassismus betroffen sind, kommen nicht einmal zu Wort. Weder von Seite derer, die den Sl*twalk 2012 in Berlin mit organisiert haben, noch von Seiten derer, die Kritik an der Art des „Anti-Burka-Protestes“ geübt haben. Und schon gar nicht in der „Darlegung“ der Problematik der 5-Jahres-Feier der Mädchenmannschaft. Die höchsten der Erwähnungen sind noch „ich habe nicht-weiße Freundinnen“, „ich wohne in einer Multi(nationalen/kulturellen)-Wohngemeinschaft“, „ich reise viel“ und der Verweis auf weibliche* Opfer in anderen Teilen dieser Welt.
Hier werden Fehlinformationen verbreitet und absurde Unterstellungen angestellt.

Nicht-weiße Menschen zu kennen/mögen, ist kein Beleg dafür, aktiv-antirassistisch zu sein. Nur weil ein Mensch weibliche* andere kennt, ist dieser Mensch ja auch nicht unbedingt aktiv im Kampf gegen Sexismus.
UND
Gut gemeint ist allzu oft das Gegenteil von gut gemacht.

Den Organisatorinnen* des Sl*twalks und der deutschen Untergruppe von Femen wurde einiges an Ignoranz und Rassismus unterstellt. Ob die Aktion auf die sich in den Artikeln bezogen wird,  jetzt Blackfacing war oder nicht, ist bei der Kritik nicht ausschlaggebend. Die ist nämlich viel breiter, wie u.a. beim braunen Mob nachzulesen ist. Und Infos über die konkreten Vorfälle und die Zusammenhänge mit der 5-Jahres-Feier der Mädchenmannschaft gibt es auch ziemlich viele. Zum Beispiel von accalmie

Wie kann ein Artikel, der derartig schlecht recherchiert ist und dazu noch rassistische und antifeministische Muster bedient, durch ihre Redaktionssitzungen kommen? Was muss falsch laufen in dieser Welt, dass in einer feministischen Zeitschrift andere Feminist*innen als Meinungsterrorist*innen betitelt werden? Kennen die Menschen, die bei der EMMA schreiben nicht die Widerstände, die Übergriffigkeiten und Unterstellungen, die ihnen im Kampf für eine gleichberechtigte Gesellschaft begegnen? Darüber wird doch bei ihnen ständig geschrieben, nicht nur mit dem Bezug zu anderen Erdteilen, auch hier, mitten im ach-so-emanzipierten-Mitteleuropa. Wie also kann es sein, dass mit den Mitteln antifeministischer Gruppen gegen andere Feminist*innen vorgegangen wird? Wie?

Wie kann es sein, dass all die Berichte und Aufarbeitungen in der feministischen Blogosphäre zu der Thematik nicht gesehen werden? Wie kann es sein, dass nicht auf antirassistische Organisationen, die zu dem Thema geschrieben haben, verwiesen wird? Wie kann es sein, dass all die Organisationen unterschlagen werden, die sich gleichzeitig antirassistisch und antisexistisch engagieren? Wie?

Selten las ich einen derart hetzerischen, unreflektierten und verleumderischen Artikel. Noch nie las ich so etwas in einer feministischen Zeitschrift. Als langjährige Leserin* ist mir zwar bewusst, dass der Stil der EMMA ziemlich eigen ist aber nie hätte ich erwartet, dieses unterste Niveau dort vorzufinden. Mir wurde im wahrsten Sinne des Wortes schlecht und jeder Satz machte es schlimmer. Das ist unterste Schublade und hat in feministischen Schriftwerken nichts zu suchen!
Und ja, von einer feministischen Zeitschrift erwarte ich mir mehr als z.B. vom Spiegel oder der Welt. Ich erwarte, dass wirklich recherchiert wird. Dass der Fokus auf Fakten gelegt wird, dass nicht irgendwem irgendwas unterstellt wird. Dass vielleicht einmal erklärt wird, was seit jeher das Schwierige an der Verbindung antirassistischer und antisexistische Bemühungen in deutschsprachigen feministischen Bewegungen ist. Dass eigene/redaktionelle Haltungen dargestellt werden ohne andere auf persönlicher Ebene anzugreifen. Ich erwarte mir mehr als “wenn du nicht für mich bist, bist du gegen mich”
Und verdammt noch mal erwarte ich mir, dass antifeministische Sprachmuster wie Terrorismusvorwürfe und Vergleiche mit Totalitarismus/Stalinismus  und „euer Ton gefällt mir nicht“ nichts darin zu suchen haben! Erst Recht nicht, dass sie anderen Feminist*innen unterstellt werden. Egal, ob diese etwas anders sehen oder machen!

Hätte ich ein EMMA-Abonnement, ich würde es auf der Stelle kündigen. Als Mensch, die sich mehr oder minder regelmäßig die EMMA gekauft hat, sofern es der Geldbeutel hergab, bleibt mir nur, die 7,50€ zu sparen und in tolle antirassistische, antisexistische Projekte zu investieren.

In meinen Augen haben sie den Status als ernst zu nehmende feministische Zeitschrift endgültig verspielt.
Einen Feminismus, der Antirassismus terroristisch nennt, der sich antifeministische Mittel bedient, kann ich in keinster Weise befürworten.

Khaos.Kind

[Edit: Ich hab gemerkt, dass es das Editoral der EMMA bereits online gibt und es oben verlinkt]

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16 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. distelfliege
    Jan 19, 2013 @ 00:02:48

    Hey, thx für den Artikel. Ich war auch wirklich beim Lesen versucht, mich zu fragen, ob das eine Mischung aus FOCUS und BILD ist, statt der Emma. Sowas von gar nicht das geringste recherchiert, nicht mal über die verwendeten Begriffe ein, zwei Sätze in einem Lexikon nachgelesen…
    Und dieser hämisch-verächtliche Tonfall die ganze Zeit. Das fand ich auch total unterirdisch.

    Antwort

  2. exbabell
    Jan 19, 2013 @ 14:03:18

    So sehr ich Alice und Emma geschätzt habe und es in Teilen noch tue, gebe ich dir grundsätzlich recht, eklatante journalistische Schwächen sind mir auch schon aufgefallen, ganz konkret beim Thema Vorratsdatenspeicherung. Letzteres veranlasste mich mein Abo zu kündigen.
    Es ist wirklich schade.
    Was du nun hier schreibst kann ich zwar nicht nachprüfen, es deckt sich aber mit meinen Erfahrungen (siehe oben). Bei mir bewirkte das, dass ich leider jeden Artikel in Frage der Emma stellen muss, obwohl der eine oder andere das womöglich nicht verdient hat.
    Abgesehen davon bemerke ich derzeit allerdings auch wie neuerdings von manchen Seiten, auch weiblichen, auf Feminismus eingeprügelt wird, oft auch sehr pauschalisierend und mit abenteuerlichen Unterstellungen.
    Ich bin mal gespannt, wo uns das alles noch hinführt.

    Antwort

  3. ullikoch
    Jan 19, 2013 @ 15:44:12

    Danke für den Artikel! Das spiegelt genau das wider, was ich mir schon seit längerem über die EMMA denke – auch wenn ich sie, eben wegen bedingtem Schlechtwerden, nur selten und online lese. Die EMMA und vor allem Alice Schwarzer waren wichtig für den deutschsprachigen Feminismus, aber jetzt ist vor allem Schwarzers Position (Stichwort: Islam) einfach nur mehr zum Kopfschütteln…

    Antwort

  4. no tape recorder (@notaperecorder)
    Jan 19, 2013 @ 16:21:46

    Ganz großes Problem imho: Es führt wahrscheinlich wirklich nirgendwo hin, wenn Feminist_innen anfangen, aufeinander herumzuhacken. Die Frage wäre hier allerdings wirklich ausnahmsweise, wer angefangen hat. Immerhin hat Alice Schwarzer eine nicht unerhebliche – zumindest teilweise mit zweifelhaften Methoden (Blöd) erworbene – mediale Präsenz, diejenigen, die sie zu diskreditieren versucht, haben wesentlich weniger Macht.

    Ich hatte ein Abo und habe es nach der ersten Ausgabe dieses Jahres gekündigt. Schlechte Schreibe ist eins, die Emma war halt handwerklich – wie du schon sagst – schon immer gewöhnungsbedürftig, aber diese komplette Ignoranz der Schwierigkeiten, welche die weiße Mittelklasseveranstaltung hat, die Feminismus genannt wird, ist schlicht unerträglich. Alice Schwarzer befindet sich schon seit geraumer Zeit auf einer Art Kreuzzug: Sie versteht es nicht einmal. Sie hat keine eigene (andere) Meinung, sie ist schlicht blind und taub.

    Antwort

    • Khaos.Kind
      Jan 19, 2013 @ 18:28:17

      @no tape recorder
      Braucht es wirklich die Frage danach, wer angefangen hat? Ich finde nicht, denn mich interessiert nicht der Anfang, sondern wie es zu beenden ist.

      Das Problem innerfeministischer Auseinandersetzung ist wie eigentlich überall die Streitkultur. Kann sich aus einer marginalisierten, verletzten Position heraus auf eine Weise geäußert werden, die die eigene Verletztheit benennt ohne in antifeministische Kerben zu schlagen? Ist es vielleicht ein Zeichen von Solidarität, gar nichts schlechtes über andere Feminist*innen zu schreiben oder macht das die eigene Position nur wieder unsichtbar? Ist es eine Frage des ob oder des wie von Kritik?
      Das ist es, was zumindest mich beschäftigt. Ich möchte mit diesem Post auch nicht unreflektiert gegen EMMA/Schwarzer wettern. Verteufeln bringt ja auch nichts. Ich will nicht, dass da wer untergeht, ich will, dass sie sensibler für ihre Verstrickungen in rassistische Strukturen werden und das lassen.

      Dich würde ich bitten, dass du dich nicht negativ auf fehlende Sinne beziehst. Nicht sehen oder hören zu können, hat mit der Problematik nichts zu tun – auch nicht als Sprachbild. Ist das Wort, dass du eigentlich meinst “ignorant”?

      Antwort

  5. Maike
    Jan 19, 2013 @ 17:02:05

    Ich gebe Emma in allen Punkten recht. Dieser Blodpost setzt sich nicht mit der Kritik auseinander, sondern bringt nur die sattsam bekannten Abwehrargumente.

    Antwort

    • Khaos.Kind
      Jan 19, 2013 @ 18:34:45

      @Maike
      Würde in dem Artikel auch nur irgendeine ausformulierte Kritik stehen, könnte ich mich auch darauf beziehen.
      Schade dass es die bekannten Abwehrargumente gegen Unterstellungen, haarsträubende Ignoranz und Umkehr von Rassismuskritik noch braucht. Ich wäre auch viel glücklicher, würde es das nicht mehr brauchen und ich könnte mich mit neuen Themen beschäftigen.

      Antwort

  6. melli
    Jan 20, 2013 @ 16:41:38

    ” Dort, wo geschichtsvergessen die Diskussion über weiße Privilegien als „aus den USA importierte Neuheit“ bezeichnet wird, die rein akademisch geführt werde”

    Ist es denn nicht so? Den anderen Punkten stimme ich zu aber bei diesem?

    Kam doch aus den USA genauso wie die PC oder irre ich mich da?

    Antwort

    • Khaos.Kind
      Jan 21, 2013 @ 21:30:49

      @melli
      Diese eine Form antirassistischer Theorien mag aus den USA kommen. Die Debatte um den Ein-/Ausschluss nicht-weißer Feminist*innen gab es allerdings auch in Deutschland seit langem. Ob es sich um postkoloniale Ansätze (hab leider nur den englischen Wikipedia-Artikel dazu) handelt oder multikulturelle, die sind alle nicht mehr neu und nicht unbedingt aus den USA. Oder um die schwarze Frauenbewegung in Deutschland, die Audre Lourde und May Ayim zu ihren bekanntesten Vertreterinnen* zählen oder der Verein ADREFRA, der auch bereits Mitte der 80er gegründet wurde. Ein sehr schöner Beitrag dazu findet sich auf Medienelite.de der zumindest bei mir einiges an Gedanken angestoßen hat.

      In meinen Augen ist das Geschichtsvergessenheit, wenn sich der EMMA-Artikel an Critical Whiteness abarbeitet und einfach unterschlägt, dass die Bereiche aus denen Kritik kommt, bereits im deutschsprachigen Raum eine Grundlage haben. Dass ein neues Konzept nicht einfach blind übernommen wird, sondern es vielleicht einfach das ist, das derzeit am Bekanntesten ist.

      Antwort

  7. Trackback: Die Selbstdemontage des Feminismus am Beispiel von ein bisschen Schuhwichse « robins urban life stories
  8. magda
    Jan 21, 2013 @ 12:08:14

    vielen dank für diesen artikel!

    Antwort

  9. Ianeira
    Jan 22, 2013 @ 13:03:49

    Danke für diesen Beitrag. Von Alice Schwarzer halte ich schon seit einer Weile nicht mehr so viel, was primär an ihrer Meinung u.a. zum Islam liegt und sekundär daran, dass man sie oft an den Kopf geworfen bekommt(Redewendung), wenn man sich irgendwo zum Feminismus bekennt.
    Insofern hat sich meine Meinung nur bestätigt, obwohl ich nicht müde werde auf Besserung zu hoffen.
    Erschreckt hat mich, neben dem von dir beschiebenen Inhalt, der Kommentar von Maike. Ich kann bei dir keine Abwehrargumente erkennen. Nur Argumente, und zwar gute! Wie sollen wir den diskutieren und kritisieren, wenn nicht in Form von Argumenten?
    Unterstellungen, Verallgemeinerungen und Übertreibungen sind nicht das Mittel der Wahl!

    Antwort

  10. zitterart
    Jan 26, 2013 @ 20:20:47

    Ich DANKE dir von Herzen für diesen offenen Brief nach diesem zutiefst widerlichen Editorial!

    Antwort

  11. Lina
    Jan 27, 2013 @ 03:49:13

    Was mir schon vor 3-4 Jahren in Kommentaren zum Thema bei der Mädchenmannschaft auffiel, war dass eine Art Konsens bestand, dass Schwarzer so viel Falsches gesagt und gemacht habe, dass sie als Diskussionspartnerin nicht mehr ernst genommen werden könne, kurz, keine wollte noch je etwas mit dieser Frau zu tun haben. Dafür angeführt wurde ihre Zusammenarbeit bei Bild, ihre Propaganda gegen den Islamismus, der rassistisch sei, und auch immer, wie oben wieder gesagt wurde, dass irgendwelchen Ignoranten, die nichts von Feminismus verstehen, einer dann als erstes mit Alice Schwarzer kämen. (Bei diesem letzten Punkt verstehe ich bis heute nicht, wieso dafür Schwarzer der Strick gedreht wird).

    Wenn ich mich richtig erinnere gab es auch dort schon eine Vorgeschichte, Schwarzer mochte zuvor das Buch Alpha-Mädchen nicht, wenn ich mich richtig erinnere. Und sie brachte im Grunde auch ein paar ganz vernünftige Argumente, wieso dieses Buch jetzt noch nicht das Ende vom Feminismus sei, und sie daher lieber noch nicht abdanken wolle… darf sie doch sagen.

    Ich schrieb dann mal irgendwann einen Kommentar dazu, dass ich auch einiges, was Schwarzer macht kritik- und diskussionswürdig finde, dass ich aber mindestens so unglücklich sei darüber, dass sie zum grossen Feindbild stilisiert werde. Ich stiess damit auf wenig Verständnis.
    Jetzt erklärt Alice wiederum die “Berlinerinnen” zu den grossen Feindinnen… dies finde ich natürlich genauso dumm und traurig, wie vor ein paar Jahren diese anderen Kommentare.

    Was soll ich zu dieser ganzen Geschichte sagen? Ich wünschte mir, dass innerhalb des Feminismus diejenigen jeweils Oberwasser behalten, die versuchen Gräben zu überbrücken und für gegenseitige Solidarität einstehen. Natürlich, ist es auch oft richtig eigene Wege zu gehen. Aber ich wünschte mir, beide Seiten täten das ein bisschen würdevoller, weniger rechthaberisch und mit einem Schuss Selbstironie vielleicht?

    Antwort

  12. Juju
    Jan 29, 2013 @ 15:11:17

    Danke für den Artikel, du sprichst mir ziemlich genau aus der Seele.
    Ich habe die Emma noch nie gekauft oder abonniert, aber Alice Schwarzer, ihre Bücher und die Emma war dennoch fast das einzige, was ich in meinen jungen Jahren an “Feminismus” unter die Augen bekommen hab – als afrodeutsche!!!! Fast schon wieder zum Brüllen, wa, wie die Strukturen sind. Aber ich wurde ja zum Glück ein paar Jährchen älter und da überrascht mich ein Editorial wie dieses rasssistische, transphobe bzw. trans-ignorante Machwerk nicht.
    Ich musste eher lachen, bei dem Teil, wo Schwarzer so “berührt ist” davon, das “Frauen alle Brüste und Vagina hätten”. Wie bescheuert ist das denn bitte, davon ist sie berührt? Von diesem biologistischen Scheiß. Also es ist echt lächerlich.
    Danke für deine Mühe, das so gut auf den Punkt zu bringen.

    Antwort

  13. Trackback: What Fresh Hell Is This? « stop! talking.

Du hast ein Hirn, du hast eine Stimme, du hast eine Meinung. Also habe niemals Angst, deinen Standpunkt klar zu machen. Trotzdem bitte ich darum, dass du dich vor deinem Kommentar mit den hier geltenden Regeln (unter "Grundsätzliches") vertraut machst. Zum Kommentieren ist mindestens eine gültige E-Mail-Adresse erforderlich.

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