Das bisschen Haushalt…

… macht sich nicht von allein.

Ja, auch ich habe mir gestern auf arte den Themenabend „Ehe… es kracht!“ bzw. die Dokumentation „Das bisschen Haushalt“ angesehen. Die bessere Hälfte saß im Bett neben mir und hat sich wohl gefragt, wann wir denn was richtiges schauen.

Und mal ehrlich, viel anders ging es mir auch nicht. Ich fand die Dokumentation etwas überzogen mit den Männern, die zwar ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie nicht im Haushalt helfen aber das nicht Motivation genug wäre, selbst anzupacken. Und Frauen, die zwar Hilfe wollen aber sich schwer tun den Partner als gleichberechtigtes Mitglied zu sehen, dem nicht alles gesagt werden muss, was wie getan wird. Paare, die sich den Haushalt in Bereiche teilen: er Küche, sie Wäsche und gebügelt wird abwechselnd. Und unterlegt wurde das Ganze dann mit Zahlen, dass in vielen Trennungen die Haushaltsaufteilung ein Thema ist oder dass nur 10% eine Haushaltshilfe haben (ja, genau das hab ich mir gemerkt). Fazit war wohl, dass sich im Haushalt mit der Gleichberechtigung noch immer nicht viel getan hat, viele Männer und Frauen noch immer meinen, dass Hausarbeit Frauensache ist oder Frauen ihre Männer zu Hausarbeit nötigen überreden anhalten (gibts dafür nicht ein neutrales Wort?) müssten.

Mir ist nicht klar, wo genau jetzt das Problem sein soll. 

Für meine bessere Hälfte und mich war klar, wenn wir zusammen ziehen, wird Hausarbeit geteilt. Möglichst gerecht, denn wirklich gern machen wir es beide nicht. Also saßen wir kurz nach dem Umzug zusammen und haben gebrainstormt. Welchen Anspruch an Sauberkeit haben wir (bügeln braucht kein Mensch) und wie lange dauert jede Arbeit pro Woche (manches fällt täglich, anderes nur einmal pro Woche oder seltender an).

Bei uns sieht das in etwa so aus:

Küche: 7h/2KW

Müll: 2h/2KW

Bad/WC: 2h/2KW

Wäsche: 2h/2KW

Böden: 4h/2KW

Blumen: 1h/2KW

Die jeweiligen Aufgabenbereiche haben wir noch einmal für uns ausdifferenziert. Eine Person hat zwei Wochen lang Küchen- und Mülldienst, die andere den Rest und dann wird gewechselt.

Dazu die grundlegende Absprache, dass Müll möglichst gleich weggeräumt wird, die Spülmaschine räumt auch jedeR gleich ein, einkaufen gehen wir beide gleich ungern, darum (auch des Tragens wegen) machen wir das eben gemeinsam. Da wir beide gern kochen, machen wir das auch gemeinsam. Was wir essen, suchen wir abwechselnd aus, jedeR je zwei Gerichte.

Manchmal frage ich mich, was am WG-Leben orientierte Putzpläne für Probleme sind. Gemacht werden muss es halt schon und so ist eine für alle nachvollziehbare Gleichwertigkeit gegeben.

Wir sind hoffentlich sicherlich nicht die ersten, denen so was einfällt. Wo bleiben die Dokumentationen über Menschen, die eine gleichberechtigte Aufteilung hinbekommen? Wo bleibt die Vorbildwirkung, das Austesten neuer Möglichkeiten? Wo die Orientierung an Lösungsansätzen statt einem problemzentrierten Blick?

Nun, oben mal unser Ansatz. Funktioniert bisher ganz gut.

Update März 2011:

Aus praktischen Gründen haben meine bessere Hälfte und ich jeweils ein paar fixe Aufgaben.

Ich bring den Müll weg und versorge die Pflanzen, er putzt vorerst dauerhaft WC und Bad.  Das wird so bleiben, solange ich rauche und sowieso mehrmals täglich raus gehe (und dann gleich den Müll mitnehmen kann).

11 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Christian - Alles Evolution
    Dez 28, 2010 @ 11:51:37

    Ich denke, dass eine Aufteilung immer selbstverständlicher wird. Früher beispielsweise konnte die Männer gar nicht kochen, heute ist das wesentlich verbreiteter. Allerdings finde ich es auch okay, wenn man sich Haushalt und andere Arbeiten anderweitig nach Gebieten aufteilt, beispielsweise der eine putzt, der andere macht den garten und kümmert sich um Reparaturen und das Auto etc.

    Ich denke ein Problem wird es meist erst, wenn Kinder da sind. Da ist dann meist eine „gleichberechtigte“ Aufteilung wesentlich schwieriger.

    Antworten

    • Khaos.Kind
      Dez 28, 2010 @ 14:48:14

      Willkommen zurück aus den Weihnachtsferien🙂

      Das mit dem „Männer konnten früher nicht kochen“ würde ich so nicht unterschreiben. Es war früher nicht schwieriger ein Kochbuch in die Hand zu nehmen und ein Rezept nachzukochen als heute.
      Ansonsten, natürlich gibt es auch andere Möglichkeiten einen Haushalt gerecht aufzuteilen. Wobei dein Vorschlag nicht zu unserer Vorstellung passen würde, da Putzarbeiten wesentlich häufiger anfallen als Reparaturen oder Gartenarbeit. Das mit dem Auto erledigt sich übrigens langsam. Die heutigen Automobile sind derart mit Technik versehen, dass es idiotisch wäre es selbst in Angriff zu nehmen (Ausnahme: eineR von beiden ist AutomechanikerIn). Und waschen lassen kann mensch es in der Waschanlage.
      Beziehungen beruhen auf Kommunikation und Absprache. Klar, individuelle Präferenzen sollten da berücksichtigt werden. Wenn eineR lieber bügelt als der/die andere, warum sollten es dann beide tun? Wenn eineR lieber einkauft als der/die andere, warum sollten beide losgehen?
      Wie das später mit Kindern ist, kann ich noch nicht sagen. Wir haben da eine Idee. Mal sehen, ob sich das hält.

      Antworten

  2. Christian - Alles Evolution
    Dez 29, 2010 @ 10:27:52

    Danke🙂

    Ist natürlich eine Betrachtung über den Schnitt, aber viele der Männer, die heute so etwa 60 sind können meiner Meinung nach tatsächlich nicht kochen. Es war nicht schwieriger, aber sie haben es halt nie gemacht. Genauso wie Frauen nicht durch eine Autowaschanlage gefahren sind obwohl das ja auch nicht schwierig ist. Natürlich hätten sie es lernen können, aber es wurde einfach von mehr Leuten als heute nicht versucht.

    Antworten

    • Khaos.Kind
      Dez 30, 2010 @ 14:52:10

      Du scheinst in einer anderen Welt als ich zu leben. In vielen Gegenden ist z.B. Grillen in Männerhand. Auch bei über 60-jährigen.

      Dass manche ältere Frauen noch nie ein Auto durch die Waschanlage gefahren haben liegt eher daran, dass sie keine Möglichkeit hatten den Führerschein zu machen als an fehlendem Willen. Autofahren ist bei uns hauptsächlich eine Geldfrage.
      In anderen Ländern wie den USA, in denen Autos mehr (als hierzulande) als Statussymbole gesehen werden, und der Führerschein recht einfach zu erlangen ist, mag das wieder ganz anders aussehen.

      Antworten

  3. Christian - Alles Evolution
    Dez 30, 2010 @ 17:32:28

    Beim Grillen stimme ich dir zu. Das gilt als männlich. Meine Beobachtung galt eher für das normale Kochen.
    Frauen, die heute 60 sind, haben doch ganz überwiegend einen Führerschein. Ich kenne wenige bei denen das nicht der Fall ist.

    Antworten

    • Khaos.Kind
      Dez 30, 2010 @ 17:56:16

      Für mich fällt jegliche Zubereitung von Speisen unter „normales“ Kochen. Außer vielleicht die Experimente in der molekularen Küche.
      Was verstehst du denn darunter?

      Wer ein Auto hat und es nicht selbst putzt, war sicherlich schon einmal in einer Waschanlage. Oder wie machen das die älteren Frauen, die du kennst? Engagieren die ihren Partner, das Auto in die Waschanlage zu fahren? Wieso sollten sie das Auto fahren, tanken etc. und dann nicht in eine Waschanlage finden?

      Antworten

  4. Christian - Alles Evolution
    Jan 03, 2011 @ 11:41:48

    @Khaos.Kind

    Bevor wir uns um Worte streiten:
    ich sehe Kochen als Ausnahme an, da dies in der Tat von Männern praktiziert wird. Das dies so ist, darüber sind wir uns ja einig oder? Und das ansonsten Frauen eher kochen auch oder?

    Natürlich hat das gesellschaftliche und praktische Hintergründe. Und natürlich können Männer kochen lernen und Frauen auch grillen.

    Des weiteren kenne ich Frauen, die nicht durch die Waschanlage fahren wollen. Von Männern habe ich diese Angst noch nicht gehört (vielleicht auch nur, weil sie sie nicht äußern). Vielleicht finden Frauen die Waschanlage unangenehmer, weil eng und eingesperrend und ungewohnt.
    Natürlich gibt es genug Frauen, die ihre Autos durch eine Waschanlage fahren können – es ist ja auch wahrlich nicht schwierig. Dennoch ist dort ein gewisser Geschlechterunterschied vorhanden.

    Antworten

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