Der Begriff des Privilegs

Ich glaube kein Begriff ist so diffus wie der des Privilegs.
Über ein Blog bin ich vor kurzem darauf gestoßen und wollte gern meine eigene Definition davon hier posten. Und so suchte ich mir Inspiration. Wer sagt(e) was darüber, was sagt Wikipedia als jederzeit abrufbare Enzyklopädie. Und so kam ich vom Hundertsten ins Tausendste. Von Blogs zu anderen Blogs, zu Tante Google und wieder zurück. Keine Erläuterung war mir konkret genug und so begann ich zu überlegen, was ich genau darunter verstehe.

Im Großen und Ganzen verstehe ich unter Privileg ein Vorrecht. In früheren, historischen Gesellschaften umfasste es ein explizites Vorrecht einer bestimmten Person oder Gruppe. Im Zuge der Moderne und der Ausdifferenzierung gesellschaftlicher Bereiche wurden diese expliziten Privilegien immer implizierter, die Gruppen auf die sie sich beziehen immer unschärfer. Dabei ergeben sich Privilegien sowohl aus rechtsstaatlichen Regelungen wie Gesetzen und ebenso aus gesellschaftlichen Normen, die von jeweils unterschiedlichen AkteurInnen und deren Weltbildern gestaltet werden.
Unter Privileg kann also ein explizites oder implizites Vorrecht einer Person oder Gruppe verstanden werden, in Abgrenzung zu Personen oder Gruppen mit weniger Rechten. Der Bedeutungsinhalt hängt in meinen Augen eng mit dem Begriff des Handlungsspielraumes zusammen, der mal mehr oder weniger groß sein kann.

Dabei umfasst ein Privileg zwei Arten von Handlungen.
Einerseits umfasst ein Privileg das Recht etwas zu tun.
In manchen Fällen kann das sehr explizit sein. EinE RichterIn kann eine angeklagte Person verurteilen, die Exekutive dies ausführen – im Gegenzug zur Selbstjustiz. In Deutschland und Österreich liegt das Gewaltmonopol beim Staat und der Waffenbesitz von privaten Gruppen (z.B. Schützenvereinen) oder Personen ist strengen Regeln unterworfen. Als Staatsbürgerin habe ich das (Vor)Recht, meinen Wohnort frei zu wählen – im Gegensatz zu AsylbewerberInnen, die in Deutschland einer Residenzpflicht unterliegen, einen bestimmten räumlichen Umkreis also nicht verlassen dürfen ohne sich strafbar zu machen.
Andererseits, und das wird gern vergessen, umfasst ein Privileg das Recht, etwas zu lassen. So habe ich in einer Demokratie das Recht zu wählen oder es nicht zu tun – anders als in einer Diktatur. Patrick hat es einmal schön ausgedrückt, als er meinte, als Mann hatte er in seiner Firma das Recht, nicht den Normen zu entsprechen ohne an Ansehen zu verlieren – im Gegensatz zu einer Kollegin, die ihr Wissen um bestimmte Themen hervorheben musste um zum gleichen Maß an Anerkennung zu kommen.
Ich würde behaupten, das Privileg etwas lassen zu dürfen, basiert zum Großteil auf einer impliziten Ebene, die es gerade so schwierig macht sie überhaupt zu erkennen. Denn denjenigen, die das Privileg haben, wissen oft nicht davon. Für sie ist ihr Maß an Handlungsspielraum „normal“.

Wir sind alle in Bezug zu verschiedenen Personen oder Gruppen privilegiert oder benachteiligt. Wie genau sich ein Privileg ausgestaltet, ergibt sich heutzutage also aus dem Zusammenspiel verschiedener Faktoren.
Auf manche dieser Einflussfaktoren haben wir wenig Einfluss darauf. Das Geburtsland mit seinem Rechts- und Sozialsystem, die Hautfarbe, das Geschlecht (i.S.v. ich fühle mich als…), die ökonomischen Verhältnisse in denen wir aufwachsen etc.
Auf andere haben wir mehr Einfluss, gerade als Erwachsene: In welchem Land (mit welchem Rechts- und Sozialsystem) wir leben wollen, den Bildungsstand, die ökonomischen Verhältnisse, Art der Partnerschaft und ob. Nur hängt das Ausmaß der Einflussmöglichkeit wieder an den Faktoren, die wir nicht beeinflussen können.

Nehmen wir mich als weiße, deutsche Studentin, die eine chronische Krankheit hat und in einer monogamen, heterosexuellen Beziehung lebt.
Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen, also in einer (parlamentarischen) Demokratie. Diese ermöglicht mir als Staatsbürgerin an ihr zu partizipieren, wie bereits erwähnt, ein Privileg, dass Nicht-StaatsbürgerInnen nur sehr eingeschränkt zur Verfügung steht. Die Hautfarbe lässt mich als Angehörige einer Mehrheit ein freieres Leben führen, als wenn ich zwar Staatsbürgerin wäre aber eben „nicht danach aussehe“. Das Sozialsystem ermöglicht meinen beiden Elternteilen voll berufstätig zu sein (DDR-Erbe). Das Sozialsystem ermöglicht mir, seit der Diagnose meines Diabetes auch weiterhin ein gutes Leben führen zu können, mit Medikamenten und ärztlicher Betreuung und allem drum und dran – ohne deswegen zu verarmen. Ein Privileg, dass Menschen in Ländern mit weniger Sozialstaatlichkeit nicht haben. Der Sozialstaat ermöglicht mir, meinen Wunschberuf zu erlernen, denn mir fehlen die ökonomischen Mittel mein Studium allein zu bestreiten. Gäbe es kein BaföG oder ähnliches, ich könnte nicht studieren oder höchstens unter der Bedingung einen hohen Schuldenberg anzuhäufen. Die Bildung, die mir zuteil wurde und was ich mir selbst angeeignet habe, hilft mir, einen umfassenderen Blick auf die Geschehnisse der Welt zu werfen und sie besser zu verstehen. Dies privilegiert mich in bestimmten Situationen gegenüber Menschen, die aus welchen Gründen auch immer nur ein geringes Maß an schulischer Bildung aufweisen. Die gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen ich lebe, lassen mir die Wahl für was ich meine ökonomischen Mittel verwende, ob ich mir ökologische Lebensmittel kaufe oder wie viel Geld ich für Bücher, Konzerte, Ausgehen oder Kleidung ausgebe. Das privilegiert mich gegenüber Menschen, deren ökonomischer Rahmen enger gesteckt ist, die essen müssen, was es halt zu kaufen gibt, falls es etwas gibt. Allein die Fähigkeit zu hören, zu laufen, zu sprechen privilegiert mich gegenüber Personen, die eben weniger/nichts hören, die schlecht oder nicht laufen können, die sich wenig oder gar nicht verbal ausdrücken können.
Meine Handlungsspielräume sind größer. Denn ich habe oft eine Wahl.

Privilegien und die Genderfrage
Welche Bedeutung hat der Begriff des Privilegs für Geschlechterrelevante Themen?
Nun, die Frage ist, was soll damit ausgedrückt werden?
Oft wird der Begriff des Privilegs verwendet um Ungleiche Handlungsspielräume für Frauen, Männer, Homosexuelle, Transsexuelle, Transgender oder andere Gruppen zu thematisieren. In der Regel mit der Intention auf Benachteiligungen aufmerksam zu machen.
Dabei wird je nach Thematik auf explizite Normen wie das Letztendscheidungsrecht bezüglich Berufstätigkeit des Haushaltsvorstandes in den 70er Jahren oder die Abtreibungsregelungen Bezug genommen oder auf implizite Normen wie die unterschiedliche Bewertung einer freien Auslebung der Sexualität oder die Wertigkeit von Produktions-/Reproduktionsarbeit. Oft geht eins mit dem anderen Hand in Hand.
Auch wenn Privilegien mehr als Geschlechteraspekte umfassen, so spielt in vielen eben doch ein Gender-Bias eine Rolle.
Das heißt nicht, dass z.B. Frauen in jedem Fall weniger Privilegien und Handlungsspielraum besitzen als Männer. Auch mir kann niemand sagen, dass eine Ministerin weniger Privilegien als ein Obdachloser hat.
Aber das gilt es eben heraus zu finden, unter welchen Bedingungen die Handlungsspielräume unter der geschlechtlichen Perspektive unterschiedlich ausfallen. Haben Mädchen und Jungen den gleichen Spielraum ihre Interessen zu entfalten? Haben Studentinnen die gleiche Möglichkeit Karriere zu machen, wie Studenten des gleichen Fachs. Haben Mütter die gleiche Möglichkeit für ihren Lebensunterhalt zu arbeiten wie Väter? Haben Homosexuelle die gleichen Möglichkeiten sich PartnerInnen zu suchen wie Heterosexuelle? Haben körperlich oder geistig beeinträchtigte Menschen die gleichen Möglichkeiten ihren Alltag frei zu gestalten wie solche, die nicht beeinträchtigt sind?
Die Beantwortung dieser oder ähnlicher Fragen ist unabhängig davon, ob die Möglichkeiten auch genutzt werden. Die Beantwortung dieser oder ähnlicher Fragen ist unabhängig davon, ob eine privilegiertere Position auch glücklicher macht.
Die Beantwortung dieser Fragen ist eben genau das: Das Ausloten von Handlungsspielräumen, das Ausloten im- und expliziter Normen und in meinem Verständnis somit das Ausloten von Privilegien.

43 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Patrick Pricken
    Apr 07, 2011 @ 06:41:43

    Sehr gut gesagt. Gerade, weil Privilegien oft benutzt werden, um auf ungleiche Behandlung oder Chancen hinzuweisen, wird der Begriff tatsächlich etwas schwammig.

    Wie in dem Beispiel kürzlich mit Bioware: weiße Computerspieler_innen müssen sich nicht sorgen, ob der erstellbare Charakter auch ihre Hautfarbe umfasst, und heterosexuelle Spieler_innen haben in der Regel auch eine solche romantische Option, ohne von homosexuellen Paarungen „gestört“ zu werden – und wenn, gibt es da oft nur die lesbische Variante. Da sind die weißen, heterosexuellen gamer eben daran gewohnt, berücksichtigt zu werden. Sie werden nun als privilegiert beschrieben, weil sie sich diese Sorgen nicht machen müssen – aber mit legalen Rechten, etwas zu tun oder nicht zu tun, hat das wenig zu tun.

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  2. lucia
    Apr 07, 2011 @ 07:30:08

    Hm, in deinem Artikel sind m.E. zu viele Bugs um die mal eben so locker benennen zu können. Mal sehen, wann ich dafür Zeit habe.😉

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    • Khaos.Kind
      Apr 07, 2011 @ 08:59:23

      @Lucia
      Da bin ich ja gespannt und hoffe, du findest bald Zeit dafür. Bisher waren wir ja meist einer Meinung.
      Gut fürs Ego aber auch ein bisschen langweilig, ne? Freu mich drauf🙂

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  3. Christian - Alles Evolution
    Apr 07, 2011 @ 10:09:14

    Privilegien finde ich als Thema sehr interessant.

    Dabei insbesondere die Zuweisungen innerhalb der Geschlechter. Da wird ja auch vertreten, dass lediglich Männer, nicht aber Frauen Privilegien haben.

    Da ist mir dein Artikel noch etwas unklar. Denkst du, dass Frauen auch aufgrund ihres Geschlechts gewisse Privilegien haben können oder haben sie diese zB nur als Ministerin-Frau, nicht aber als Frau an sich?

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    • Khaos.Kind
      Apr 07, 2011 @ 12:31:18

      @Christian

      Da wird ja auch vertreten, dass lediglich Männer, nicht aber Frauen Privilegien haben.

      Da wo?

      Denkst du, dass Frauen auch aufgrund ihres Geschlechts gewisse Privilegien haben können oder haben sie diese zB nur als Ministerin-Frau, nicht aber als Frau an sich?

      Ich lehne den Begriff der „Frau an sich“ ab. Das mal vorneweg.
      Aber ja, Frauen und solche, die ich eher als weiblich definieren haben gewisse Vorrechte und Handlungsspielräume, die Männern und solchen, die sich als eher männlich verstehen, nicht offen stehen. Die Wahl zwischen Rock, Hose oder Kleid z.B. Oder dass sie als Hauptbezugspersonen von Kindern gelten. Oder dass sie (in Deutschland mit einigen Einschränkungen) darüber entscheiden können, ob sie ein Kind austragen – auch gegen den Willen der Umstehenden oder beteiligten PartnerInnen.
      Opalkatze hat da einen wichtigen Aspekt mit angesprochen:
      Außerdem ist Privilegierung immer auch eine Frage der Gewichtung und damit der persönlichen Betrachtungsweise. So kann ich zum Beispiel jemanden durchaus als privilegiert betrachten, seine Möglichkeiten aber dennoch nicht für erstrebenswert halten. Andererseits kann ich Dinge als Privileg empfinden, die für andere als solches gar nicht in Betracht kommen.

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  4. Christian - Alles Evolution
    Apr 07, 2011 @ 13:42:49

    „Da wo?“

    Zum Beispiel auf dieser Seite:
    http://finallyfeminism101.wordpress.com/2008/02/09/faq-female-privilege/

    No, what is commonly called “female privilege” is better described as benevolent sexism. Systems like the draft and chivalry often seem advantageous to women at first glance, but when examined more closely they in fact reinforce sexist institutions that keep both women and men from true equality. Also, it should be noted that, while men have what’s called male privilege that doesn’t mean that there must logically be a “female privilege” counterpart. This is because, although many strides towards equality have been made over the years, women as a class have not yet leveled the playing field, much less been put in a position of power and authority equivalent to that which grants institutional power to men as a class.

    ich hatte da auch mal was zu geschrieben.
    http://allesevolution.wordpress.com/2010/09/06/mannliche-privilegien-weibliche-privilegien-und-wohlwollender-sexismus/

    Und auch Mitkommentator Patrick meint, dass Frauen zwar Privilegien haben können, aber sie gegenwärtig nicht haben
    http://www.formspring.me/Berandor/q/1201583211

    „Ich lehne den Begriff der „Frau an sich“ ab. Das mal vorneweg“

    Warum? Doch hoffentlich nicht analog Monique Wittig?

    Was hältst du denn von dieser Liste weiblicher Privilegien:
    http://www.wihe.com/printBlog.jsp?id=400

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    • Khaos.Kind
      Apr 07, 2011 @ 17:14:05

      @Christian
      Ok. Es gibt Menschen, die meinen, dass Frauen keine Privilegien haben oder haben können.
      Dass ich das etwas anders sehe, hab ich hoffentlich ausreichend in meinem Eintrag oben deutlich gemacht.

      „Ich lehne den Begriff der „Frau an sich“ ab. Das mal vorneweg“
      Warum? Doch hoffentlich nicht analog Monique Wittig?

      Noch nie von ihr gehört aber klingt nach einem guten Ansatz. Frau ist nicht gleich Frau, darum gibt es DIE Frau nicht. Und nicht „die Frau an sich“.

      Was hältst du denn von dieser Liste weiblicher Privilegien:

      Na ich weiß nicht. Den ersten Punkt, dass nur Frauen gebären können, kann ich ja verstehen. Punkt 9, dass Frauen zuerst von einem sinkenden Schiff dürfen, auch größtenteils. Ansonsten ist die Liste sehr auf Angehörige der mittleren und oberen Einkommensmilieus der westlichen Welt zugeschnitten. Hängt sich also sehr an der „Kultur“ auf, weniger am Geschlecht.
      Das andere Problem ist, dass vielerorts Privileg als Vorteil verstanden wird. Ein Privileg muss aber keinen Vorteil bringen und eine Unterpriilegierung keinen Nachteil. Wie oben erwähnt, denke ich den Begriff eher als Vorrecht und Handlungsmöglichkeit und dann fällt aus der Liste vieles weg. „Männer“ können genauso nach dem Weg fragen, ihnen werden Türen aufgehalten (z.B. in sehr vornehmen Hotels mit TürsteherIn/Portier), sie können irgendwo an der Bar sitzen und sich von anderen ansprechen lassen, ehrliche Beziehungen aufbauen etc.pp.
      Dahingehend mein doch recht weites Verständnis von Privilegien wieder ganz eng.

      Antworten

  5. Patrick Pricken
    Apr 07, 2011 @ 20:59:31

    Na ja, aber ehrlicherweise habe ich geschrieben, dass Frauen bevorzugt sein mögen, ich aber privilegiert als Bezeichnung ablehne, weil mein Begriff des Privilegs ein „gesamtgesellschaftliches Fazit“ ist, keine Fall-zu-Fall-Entscheidung.

    Antworten

    • Khaos.Kind
      Apr 07, 2011 @ 21:53:29

      @Patrick
      Kannst du das mit dem „gesamtgesellschaftlichen Fazit“ etwas ausführen oder mir den Link zu deinem Blog hier reinstellen (falls ich es überlesen habe, du schrobst ja einiges zu Privilegien ;))?
      Und wie kommst du auf „gesamtgesellschaftlich“? Und auf welche Gesellschaft beziehst du dich damit? Würdest du denn sagen, dass deine Definition auf alle Gesellschaften (die dir bekannt sind) zutreffen würde? Oder ist das gar nicht dein Anspruch?

      Kleine Bitte:
      Das nächste Mal bitte kenntlich machen, auf wen du Bezug nimmst. Mich verwirrt das sonst und wer weiß, wer dann als betroffener Hund endet.

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      • Patrick Pricken
        Apr 07, 2011 @ 22:03:03

        Khaos.Kind: Ich bezog mich auf die Verlinkung meinerseits durch Christian. Ich benutze den Begriff „privilegiert“ in der Regel als Botschaft unter dem Strich, und ja das ist dann auf eine nationale Gesellschaft bezogen. Es gibt beispielsweise Situationen, in denen hast du Vorteile, wenn du so aussiehst, als hättest du einen Migrationshintergrund. Aber Menschen mit vermeintlichem solchen sind unterm Strich benachteiligt – also sind sie nicht privilegiert. Weil die paar Pluspunkte die vielen Miesen nicht wettmachen.

  6. lucia
    Apr 09, 2011 @ 10:07:08

    @Khaos.Kind:

    Die existierende Machthierarchie in unserer männlich dominierten Gesellschaft schafft u.a. auch zur Erhaltung derselbigen Privilegien. Privilegiert werden wir also nicht nur dann, wenn wir die zu erbringende Leistung erfüllen, sondern auch durch Rasse, sozialer Schicht sowie Geschlecht.
    Dass die Privilegien keine sind, sondern tatsächlich nur Abhängigkeiten und außerdem auch noch dazu benutzt werden, um rassistische, soziale sowie geschlechtliche Diskriminierungen zu verschleiern, versuche ich im Folgendem sichtbar zu machen.

    Ich gliedere es mit 1. 2. usw., damit sich darauf leichter bezogen werden kann.

    1. In deinen Beispielen kommt nur einmal Gewaltmonopol beim Waffengesetz vor. Für mich ist das aber in allem immanent. Rechtsprechung ist bspw. auch nichts weiter als affirmierte staatliche Gewalt. Folglich sind deren Rechtfertigungen auch das Gleiche.

    Wenn Macht privilegiert, dann setzt die sich nicht nur in alle Richtungen fort sondern offenbart auch die Abhängigkeit der Privilegierten von derselbigen. Durch Abhängigkeit erlangte Privilegien oder Vorrechte sind aber keine, weil die zu jeder Zeit willkürlich entzogen werden können. Im Grunde genommen gibt es also weder Privilegien noch Vorrechte sondern nur damit verschleierte Abhängigkeiten, die außerdem noch den fetten Haken haben, dass wir besser Ausgebeutet werden können, als bspw. jemand, der nicht studiert hat.

    2. Dass ein Sozialsystem kein Garant für eine optimale medizinische Versorgung ist, beweist die deutsche Gesundheitsreform. Die den Ärzten vorschreibt, nur das billigste Medikament zu verschreiben, und dabei ist es völlig egal, ob es bspw. verträglich ist. Auch hier ist die Zugehörigkeit keineswegs ein Privileg sondern nur reine Abhängigkeit von der Willkür des jeweiligen Gesundheitsministers oder Ministerin.

    3. Bildung:
    BaföG ist auch kein Privileg sondern nur Mittel zum Zweck und der ist die bessere Ausbeutung der Sklaven, das in D meistens wieder zurückgezahlt werden muss. Kein Wunder, denn der Kapitalismus investiert nur bei zu erwartender Profitsteigerung und den kann auch ein Uni-Abschluss nicht garantieren.

    4. Privilegien und Genderfrage:
    Weil Männer das kapitalistische patriarchale Gesellschaftskonstrukt erfunden haben, ist ihr Geschlecht schon mal von Anfang an sowieso privilegierter als das Weibliche. Das ist reine Willkür, die u.a. auch durch die besseren Abschlüsse der zu erbringenden Leistung auf Schulen, Unis von (uns) Frauen zweifelsfrei sichtbar wird. Und natürlich auch durch die schlechtere Bezahlung bei gleicher Leistung. Und dabei spielt es ja keine Rolle ob es „nur“ 8 oder 20% weniger sind. Dass wir Frauen von der Gleichstellung noch Lichtjahre entfernt sind, brauch ich dir ja wohl nicht detailliert erläutern. Bei dieser zweifellos existierenden einseitigen Schieflage kann ich zumindest nicht von weiblichen Privilegien reden.

    Fazit:
    Ich brauche keine gönnerhaft verpassten Privilegien, die keine sind. Und fühle mich auch nicht als Opfer der männlichen Hegemonie, aber die geht mir gewaltig auf den Senkel. Der Feminismus bzw. besser wir Frauen haben im Vergleich mit der jahrtausendlangen Existenz des Patriarchats in unglaublich kurzer Zeit demselbigen ganz schön zu gesetzt. Darauf können auch wir heutigen Frauen stolz sein, keine Frage. Aber da Mächtige auf ihre Macht nicht freiwillig verzichten, müssen wir für das endgültigen KO der männlichen Dominanz noch einiges tun. Und zwar auch das, was uns selbst betreffen wird und das ist m.E. damit aufzuhören, mit dem System zu partizipieren. Schließlich ist es egal ob eine Frau oder ein Mann bspw. einen Rüstungskonzern leitet, die produzierten Waffen bleiben ja dieselben.

    PS. Dir, mein geschätztes Khaos.Kind,🙂 empfehle ich unabhängig von meinem Gelaber – Claudia von Werlhof – Sie ist Professorin für Frauenforschung und lehrt am Institut für Politikwissenschaften der Universität Innsbruck. Infos: Wiki und Frauenstreik

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  7. A.
    Apr 10, 2011 @ 12:24:32

    Oh jeeeeh… Frau von Werlhof kann doch keine_r mehr ernst nehmen seit ihren wirren Phantasien zum Erdbeben in Haiti.

    Antworten

    • Khaos.Kind
      Apr 10, 2011 @ 12:35:16

      @A.
      Magst du das noch ausführen, worauf du anspielst oder muss ich raten?
      Für weitere Kommentare empfehle ich dir meinen Beitrag zu Nervenheilanstalt II und da insbesondere Punkt 6 „Begründen“.

      Dass es noch Menschen gibt, die Frau von Werlhof ernst nehmen, siehst du ja. Du musst ja nicht dazu gehören.

      Antworten

  8. A.
    Apr 10, 2011 @ 14:35:02

    Achso, ja klar. Das ging so viel durch die Blogs, da dachte ich fast jede_r hätte das mitkriegen müssen. Eine Darstellung gibt es hier: http://www.scienceblogs.de/kritisch-gedacht/2010/02/haitit-haarp-tesla-claudia-von-werlhof.php

    Antworten

    • Patrick Pricken
      Apr 10, 2011 @ 14:51:52

      Na, das ist aber ein gewaltiges ad hominem. Ich finde diese Ansichten aus dem Beitrag auch sehr furchtbar, und darum würde ich die Aussagen dieser Frau auf jeden Fall auf Wissenschaftlichkeit prüfen wollen, bevor ich die akzeptiere – aber es ist ja alltäglich, dass gute Denker in einem Bereich in einem anderen betriebsblind sind. Frau von Werlhof ist also möglicherweise immer noch eine tolle Geschlechterforscherin.

      Lucias Beitrag, den ich jetzt auch mal als von Frau von Werlhof beeinflusst interpretiere, ist mir persönlich allerdings auch zu radikal – wo BaFöG nur zur „Ausbeutung der Sklaven“ dient, gibt es in meinen Augen wenig Diskussionsspielraum. Und eine derart radikale Sicht kann schon dazu führen, dass man nur sehr einseitig auf ein Thema schaut, und *das* dann gekoppelt mit der HAARP-Sache… macht mich skeptisch. Dazu passt auch die Verknüpfung von Friedensforschung (oder Pazifismus) und feministischer Systemverweigerung. Da werden im System arbeitende Feminist_innen schnell zu „schlechten“ solchen. (Was hier nicht von Lucia behauptet wird! Wie gesagt, macht mich nur skeptisch.)

      Antworten

  9. lucia
    Apr 10, 2011 @ 15:20:44

    @A und Patrick Pricken:

    Erstens ist das Thema HAARP nur ein kleiner Teil des Interviews „Kapitalismus, ein Zerstörungsprojekt“ im dieStandard und zweitens ist meine Meinung von Claudia von Werlhof nicht so stark beeinflusst, dass ich nicht mehr selbst denken kann.

    Und ob der Mathematiker und Wirtschaftswissenschaftler Ulrich Berger kompetent genug ist, um das Interview richtig zu interpretieren, wage ich zu bezweifeln. Zumal er sich NUR darauf bezieht.
    das Interview im dieStandard

    Antworten

    • Patrick Pricken
      Apr 10, 2011 @ 19:12:51

      lucia: ich wollte nicht suggerieren, dass du nicht selbst denken kannst, sondern nur ausführen, wie ich ohne direkte Kenntnisse der Positionen versuche, den Standpunkt von Frau von Werlhof zu erahnen.

      Die Berufsbezeichnung einer Person umfasst übrigens weder alle Bereiche, in denen sie sich auskennt, noch bedeutet sie zwangsläufig, dass sie sich in den Bereichen dieses Berufs auskennt. Ulrich Berger gehört zu den östereichischen Skeptikern und beschäftigt sich deshalb mit Verschwörungstheorien. Du wagst zu bezweifeln, dass er die nötige Kompetenz besitzt, sich mit HAARP auseinanderzusetzen – hast du dafür auch Anhaltspunkte? Das ist eine typische Verschwörungsgeschichte, die sind schon angeblich für so viel Unheil verantwortlich gewesen. Beweise? Null. Außer Ressentiments gegen Machthaber generell und die USA im Speziellen.

      Und die Naturwissenschaften so wie in dem Interview abzukanzeln zeugt für mich von Weltferne. Seit dem 17. und 18. Jahrhundert hat sich für den Durchschnittsmenschen der Lebensstandard und die Lebensqualität gewaltig verbessert. Wir leben nicht in der besten aller Welten, und schon gar nicht in der gerechtesten aller Welten, aber in einer besseren und gerechteren Welt als damals. Gerade die Naturwissenschaft hat doch Wissen sogar demokratisiert.

      Auch, dass der Neoliberalismus als die Fortführung der Liberalität aus dieser Zeit bezeichnet wird, ist eine grobe Verkürzung. Die klassische Liberalität ist nicht neoliberal, vielmehr kann man sehr schön historisch Leute wie Adam Smith und John Stuart Mill gegenüberstellen – aber natürlich nicht, wenn das alles schon Auswüchse des 7000 Jahre alten Patriarchats sind und damit abzulehnen.

      Und wenn du schon solche Kompetenzen anführst: was ist denn deine Kompetenz, um Ulrich Berger anzuzweifeln? Das Spiel kann man lustig weiterspielen und führt zu nix.

      Antworten

  10. Khaos.Kind
    Apr 10, 2011 @ 16:28:34

    Dann mische ich auch mal wieder mit.

    @Lucia
    Vorneweg. Dass du noch zu eigenem Denken fähig bist, davon gehe ich mal aus und verbiete mir derartige Äußerungen auch von anderen. Hier soll es schließlich um Inhalte gehen.

    Die existierende Machthierarchie in unserer männlich dominierten Gesellschaft schafft u.a. auch zur Erhaltung derselbigen Privilegien.

    Diese These würde ich so nicht unterschreiben. Schafft denn „die Machthierarchie“ Privilegien oder gehen sie dieser nicht sogar voraus? Denn allein die Tatsache, dass es eine Hierarchie gibt, deutet auf unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten hin (in meiner Definition). Ich kenne jetzt nicht wirklich Hierarchiefreie Gesellschaften aber ich würde davon ausgehen, dass es auch dort unterschiedliche Privilegien gibt, die sich z.B. aus körperlicher Beschaffenheit (jung, gesund oder alt/beeinträchtigt) ergeben können. Mein Ziel war, eine anfängliche Definition zu finden, von der aus sich dann weiter denken lässt eben auch in Bezug auf die Rolle von Machtverhältnissen. Das die da enorm mit reinspielen, ist glaube ich klar.

    zu 1)

    1. In deinen Beispielen kommt nur einmal Gewaltmonopol beim Waffengesetz vor.

    War ja auch nur ein Beispiel. Würde ich alle Gewaltmonopole oder andere Monopole aufzählen, würde ich ja nie fertig.
    Die Rechtsprechung ist auch ein Akt eines Monopols, das hierzulande der Staat für sich beansprucht. In anderen Gesellschaften wird das von HohepriesterInnen oder der Gruppe entschieden. Diese Art ist aber auf kleinere Gesellschaften beschränkt.

    zu 2)

    2. Dass ein Sozialsystem kein Garant für eine optimale medizinische Versorgung ist, beweist die deutsche Gesundheitsreform.

    Es gibt verschiedene Formen von Sozialsystemen. Die USA haben ein anderes als Italien oder als Frankreich oder als Schweden oder als Deutschland. Aber sie haben welche, manche sind eben marginalisierter als andere und sie sind anders strukturiert.
    Dass das Vorhandensein eines Sozialsystems kein Garant für gar nichts ist, ist klar. Aber es ist besser als gar keins zu haben. Ohne den derzeitigen Stand des deutschen (und mittlerweile österreichischen) Gesundheitssystems wäre ich, sofern überhaupt geboren, dann doch mindestens seit 15 Jahren tot. Keine lustige Vorstellung.

    3. Bildung:
    BaföG ist auch kein Privileg sondern nur Mittel zum Zweck und der ist die bessere Ausbeutung der Sklaven, das in D meistens wieder zurückgezahlt werden muss.

    Das BaföG muss in der Regel zur Hälfte zurückbezahlt werden, soweit ich weiß frühestens 5 Jahre nach Beendigung eines Studiums und entsprechendem Einkommen.
    Es sagt niemand, dass die bestehenden Regelungen perfekt sind aber warum ist es in deinen Augen keine Erweiterung des Handlungsspielraums (=Privileg), wenn auch nicht-wohlhabende junge Menschen studieren können und das relativ frei.

    4. Privilegien und Genderfrage:
    Weil Männer das kapitalistische patriarchale Gesellschaftskonstrukt erfunden haben, ist ihr Geschlecht schon mal von Anfang an sowieso privilegierter als das Weibliche.

    Wann und von wem das patriarchale System „erfunden“ wurde, ist glaub noch relativ offen. Und ich bin ja bisher der Ansicht, dass sich der Kapitalismus bisher so weit durchsetzen konnte, weil dieses System zumindest allen mehr Privilegien verspricht. Im Gegensatz zu früheren Jahrhunderten, in denen Adlige immer adlig waren und mehr oder weniger alles durften und die Unberührbaren haben ihr ganzes Leben lang die Arschkarte. Die Idee finde ich also gar nicht mal schlecht.
    In welche Richtung sich das alles entwickelt und das es hauptsächlich auf Kosten derjenigen geht, die nicht dem Ideal (jung, fit, männlich, inländisch, gebildet, überhaupt menschlich etc.) entsprechen, überwiegend auch Frauen benachteiligt – das sehe ich alles sehr kritisch.

    Ich glaube, du solltest mal ausführen, was für dich als Privileg gilt, denn irgendwie reden wir ein bisschen aneinander vorbei. Wenn du jetzt sagst, du willst keine gönnerhaften Privilegien – was machst du mit denen, die du eben nicht beeinflussen kannst? Wie Herkunft, wie Geschlecht, wie Hautfarbe. Aus denen kannst du nicht einfach „aussteigen“ oder dich ihnen verweigern.

    @A.
    Danke für den Link. Vor nem Jahr war ich noch nicht in der Blogwelt (und schon gar nicht der österreichischen) unterwegs und da ist das wohl echt an mir vorbei gegangen.
    Der Beitrag im Scienceblog argumentiert aber auch nicht gerade fundiert. Ausschnitte aus dem Interview nehmen und Vermutungen darüber anstellen woher die gute Frau ihre Meinung hat… naja.

    zu Werlhof allgemein)
    Ich würde mich da Patrick anschließen, wenn er meint:

    aber es ist ja alltäglich, dass gute Denker in einem Bereich in einem anderen betriebsblind sind.

    Und das mit einem netten Link ergänzen.🙂
    Aussagen sollten imho eben einzeln und situationsbezogen gesehen werden. Eine Dozentin von mir hat auch in der EU Enquette zum Gender Budgeting mitgearbeitet und schlägt heut die Hände überm Kopf zusammen, was sie damals so mitformuliert und -getragen hat.

    @Patrick

    Da werden im System arbeitende Feminist_innen schnell zu „schlechten“ solchen.

    Ja, das gibts auch. Hier bisher nicht (abgesehen von Trollen, die im Papierkorb landen). Zum Glück🙂

    Wer sich übrigens für andere feministische Wirtschaftsansätze interessiert, Gabriele Winker, die am feministischen Institut in Hamburg arbeitet, forscht an einem interessanten Ansatz. Ich arbeite dieses Semester was zur möglichen oder unmöglichen Umsetzung des Ganzen im sogenannten neoliberalen Kontext aus.🙂

    Antworten

  11. lucia
    Apr 10, 2011 @ 18:15:29

    Ich glaube, du solltest mal ausführen, was für dich als Privileg gilt, denn irgendwie reden wir ein bisschen aneinander vorbei. Wenn du jetzt sagst, du willst keine gönnerhaften Privilegien – was machst du mit denen, die du eben nicht beeinflussen kannst? Wie Herkunft, wie Geschlecht, wie Hautfarbe. Aus denen kannst du nicht einfach „aussteigen“ oder dich ihnen verweigern.

    @Khaos.Kind:

    Das kommt bei mir so an, als ob die Wertung Privileg keine willkürliche Erfindung des herrschenden Systems ist, sondern eine Art Naturgesetz. Aus Letzterem kann wohl niemand aussteigen.😉

    Aber aus Systemen mit ihren willkürlichen Privileg-Erfindungen schon, zumal es die nur zur Erhaltung des Systems gibt. Es ist also m.E. somit eine Frage des Denkens, sowie den daraus resultierenden Wertungen ob ich die Existenz von Privilegien akzeptiere oder eben nicht. Und ich akzeptiere es eben nicht, weil das patriarchale Konstrukt u.a. darauf fußt, dass der Zweck jedes Mittel heiligt.

    Dass das Bullshit ist hat Kant schon vor über 200 Jahren mit seinem KI verdeutlicht: „Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden andern jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst.“

    Außerdem ist mein Denken anarchistisch geprägt, denn bspw. ist Freiheit m.E. nur möglich ohne jegliche Herrschaft über andere.

    Tant pis.
    Ich hätte mir meinen aufgeblähten Kommentar sparen können und das hier gleich schreiben sollen, denn ich wollte dich mit – „in deinem Artikel sind Bugs“ – nur darauf aufmerksam machen, dass Privilegien nur Mittel zum Zweck sind.
    Und das ist, wie schon gesagt, für mich inakzeptabel.

    Antworten

    • Khaos.Kind
      Apr 10, 2011 @ 18:58:22

      @Lucia

      Das kommt bei mir so an, als ob die Wertung Privileg keine willkürliche Erfindung des herrschenden Systems ist, sondern eine Art Naturgesetz.

      In meinem grundlegendem Definitionsversuch ist das auch durchaus so gedacht. Ich werde deinen Hinweis auf die Machtkomponente aber für einen der nächsten Blogartikel im Kopf behalten, der sich um Einflüsse und Wirkung von Privilegien drehen soll.

      Außerdem ist mein Denken anarchistisch geprägt, denn bspw. ist Freiheit m.E. nur möglich ohne jegliche Herrschaft über andere.

      Ach die guten AnarchistInnen. War ich auch mal eine, ist nett da. Das heißt, im Prinzip strebst du eine vegane/frutarische Lebensweise in einer SelbsterhalterInnenkommune in den Bergen oder am Meer an?
      Kennst du vielleicht dieses Buch? Habs noch nicht gelesen, soll aber gut sein.

      Antworten

      • lucia
        Apr 10, 2011 @ 19:29:11

        @Khaos.Kind:

        Tja, es ist aber kein Naturgesetz – da kannste machen, was du willst. 😉

        Öhm, ich habe in meinem Leben noch nie Fleisch gegessen, und wenn mein Leben nicht durch Gemüse- und Früchteknappheit bedroht wird, werde ich es auch nie essen. Paris ist meine Wahlheimat, ich bin in Malaga geboren und mein Haus dort, liegt am Meer.🙂

        Und nein, ich kenne das Buch nicht.
        Die Rezensionen haben mich aber neugierig gemacht.😉

  12. nurmalso
    Apr 10, 2011 @ 18:22:39

    Noch nie von ihr gehört aber klingt nach einem guten Ansatz. Frau ist nicht gleich Frau, darum gibt es DIE Frau nicht. Und nicht „die Frau an sich“.

    Dieses Totschlagargument ist bei solchen Themen immer gern genommen. Wer nicht über Gruppenkategorien diskutieren, sollte kein Thema stellen, das diese Kategorien vorgibt.

    Btw: Ja, Ulrich Berger ist kompetent, sich über Werlhof zu äußern.

    Antworten

    • Khaos.Kind
      Apr 10, 2011 @ 18:46:06

      Ich hab mich schon gefragt, wann die KommentatorInnen mit einfallslosen Nicknames hier auftauchen. Willkommen🙂 Seid lieb, haltet euch an die Regeln und dann geschieht euch nichts.

      @nurmalso

      Dieses Totschlagargument ist bei solchen Themen immer gern genommen.

      Dir ist hoffentlich klar, dass ich von einem Ansatz spreche. Ein Ansatz ist kein Argument, sondern wird mit Argumenten gefüllt oder eben nicht. Grundsätzlich. Wenn du diesen Ansatz blöd/doof/falsch/unvollständig oder ähnliches hälst, dann wäre es an DIR, das argumentativ zu ergründen. Alles andere ist heiße Luft.

      Btw: Ja, Ulrich Berger ist kompetent, sich über Werlhof zu äußern.

      Kompetent mich über eine andere Person zu äußern bin ich auch. Und Patrick. Und Lucia. Und A. Wir können lesen und schreiben, hui. An Bergers Kompetenz hat niemand gezweifelt. Nur an der Stichhaltigkeit der Argumentation.

      Antworten

      • Patrick Pricken
        Apr 10, 2011 @ 19:15:05

        Khaos.kind: das stimmt so leider nicht:

        „Und ob der Mathematiker und Wirtschaftswissenschaftler Ulrich Berger kompetent genug ist, um das Interview richtig zu interpretieren, wage ich zu bezweifeln.“

        Da wird die Kompetenz schon in Frage gestellt. Womit ich aber keinesfalls dem drive-by-nurmalso das Wort reden wollte.

      • Khaos.Kind
        Apr 10, 2011 @ 19:31:32

        Ei ja. Hast Recht.
        Ok, Lucia zweifelt an der Kompetenz des Herrn. Ich nicht.😉

        Danke für den Hinweis.

  13. A.
    Apr 10, 2011 @ 19:28:45

    @ Lucia: Vielleicht findest Du die Meinung eines Astronomen überzeugender? http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2010/03/haarp-und-die-politikwissenschaftlerin-nachtrag-zu-den-verschworungstheorien-an-der-uni-innsbruch.php
    Oder auch die eines Geophysikers: http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/mente-et-malleo/hammer/2010-03-09/halbwissen-sch-tzt-vor-schwurbelei-nicht
    Frau von Werlhofer hat ihre kruden Thesen ja nicht nur in dem einen Interview geäußert. Hier geht es z.B. weiter: http://fipaz.at/PBME4.pdf
    Sie beruft sich z.B. auf Rosalie Bertell (übrigens eine Mathematikerin), die z.B. an Chemtrails glaubt. Wenn die Stellungnahme eines Fachmenschen interessiert: http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2010/08/die-planetare-bewegung-fur-mutter-erde.php
    Ich stimme zu, dass ihr Gesamtwerk nicht nur an dieser Sache gemessen werden sollte. Dass sie aber derart in die Eso-Szene abgleitet, ist einfach nur peinlich. Es wirft halt einen langen Schatten zurück. Zudem machen solche Vorfälle es seriöser feministischer Forschung schwer, ernst genommen zu werden.

    @ Patrick: ad hominem gegenüber wem? Natürlich halte ich eine Wissenschaftlerin, die an Verschwörungstheorien glaubt, für unseriös (sehr, sehr freundlich ausgedrückt). Lucia persönlich wollte ich nicht angreifen. Wenn das so rüberkommt, bitte ich um Entschuldigung.

    @ Khaos.Kind: Genau, situationsbezogen ist genau der Punkt. Dass Aristoteles vor mehr als 2300 Jahren sehr wahrscheinlich kein Antirassist war, ist ja total einleuchtend. Frau von Werlhofer kann es aber besser wissen, sie will es offenbar aber nicht. Mit der Kritik, die ihr gegenüber geäußert wurde, hat sie sich nichtmal ernsthaft auseinandergesetzt. Von einer Professorin erwarte ich wesentlich mehr.

    Jetzt will ich Dir aber Dein Thema nicht weiter derailen. Das wollte ich nämlich gar nicht.

    Antworten

    • Patrick Pricken
      Apr 10, 2011 @ 19:47:22

      Stimme zu, dass der Umgang mit Kritik bei Wissenschaftler_innen eine Rolle spielt.

      Aber es ist in sofern ein ad hominem, weil du mehr oder weniger sagst: „Frau von Werlhof irrt sich bei Erdbeben, also kann man sie in keinem Thema mehr ernst nehmen.“ Ähnlich übrigens die Art, wie du ihre Quelle mit dem Verweis auf Chemtrails entwertest.

      Dieses blöde englische Sprichwort sagt ja, dass auch eine stehen gebliebene Uhr zweimal am Tag richtig geht. Man muss die Uhrzeit vielleicht sehr kritisch beäugen, aber sie ist nicht automatisch falsch.

      Das wollte ich damit sagen. Oder andersherum: finde mir mal jemanden, der sich nicht irgendwo irrt.

      Wie gesagt, für Wissenschaftler_innen würde ich hoffen, dass sie im Angesicht anderer Beweise ihre Meinung ändern. Aber Wissenschaftler_innen sind nicht perfekt, und sie sind auch nicht die Inkarnation der wiss. Methode. Siehe auch K.Ks Link.

      Antworten

      • A.
        Apr 10, 2011 @ 20:35:22

        Hmm, Du meinst „Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn“? Nicht mein Wissenschaftsverständnis. Klar machen Wissenschaftler Fehler. Seriöse Wissenschaftler stellen ihre Ergebnisse aber immer wieder auf den Prüfstand und verbessern sie gegebenenfalls.
        Der Hinweis auf die Chemtrail ist nur ein Beispiel. Bertell glaubt noch ganz andere Sachen.

    • lucia
      Apr 10, 2011 @ 19:53:47

      @A

      Danke für deine Hinweise – aber mich würde nur interessieren, was Frau von Werlhofer selbst zu den Kritiken gesagt hat. Aber so weit ich weiß, hat sie sich dazu nicht geäußert.

      Viele männliche Wissenschaftler sind doch als notorische Besserwisser bekannt und schlagen folglich jedem eins aufs Maul, weil es ihnen nur um Ruhm und Teuronen geht.

      Antworten

      • Patrick Pricken
        Apr 10, 2011 @ 20:10:25

        Lucia: an diesem Kommentar kann ich sehr schön zeigen, warum ich skeptisch bin. Die Kritiken interessieren dich nicht wirklich, sondern nur, was Frau von Werlhof dazu gesagt hat, wenn überhaupt. Und die vielen Links kommentierst du dann so, dass viele männliche Wissenschaftler als notorische Besserwisser bekannt seien.

        Nur männliche? Und ist das Geschlecht dabei so ausschlaggebend, dass man zulässig erweitern kann: das sind männliche Wissenschaftler, also wahrscheinlich notorische Besserwisser? Oder sind die genannten etwa als notorische Besserwisser bekannt? Wobei ich dich so verstehe, dass die nur glauben oder behaupten, es besser zu wissen.

      • Khaos.Kind
        Apr 10, 2011 @ 20:15:18

        Darf ich an dieser Stelle auf Patricks Anmerkungen hinweisen? Ich finde, er hat das gut ausgedrückt:

        Das wollte ich damit sagen. Oder andersherum: finde mir mal jemanden, der sich nicht irgendwo irrt.
        Wie gesagt, für Wissenschaftler_innen würde ich hoffen, dass sie im Angesicht anderer Beweise ihre Meinung ändern. Aber Wissenschaftler_innen sind nicht perfekt, und sie sind auch nicht die Inkarnation der wiss. Methode.

        Es gibt genug männliche und weibliche (ja die auch) WissenschafterInnen, die notorische BesserwisserInnen sind und denen es nur um Ruhm oder Geld geht. Das heißt nicht, dass alle so sind. Und eine Aussage heißt nicht, dass jemand nicht auf einem anderen Gebiet auch Recht haben kann.

        Und jetzt bitte ich ALLE, die Diskussion um die Anerkennung oder Nichtachtung bestimmter Personen abzubrechen bzw. so stehen zu lassen.
        Einmal, weil ich nicht glaube, dass sich hier noch groß was tut und dann hat es auch irgendwie wenig mit dem Thema „Privilegien“ zu tun.

      • lucia
        Apr 10, 2011 @ 20:18:52

        C’est la vie😉

      • A.
        Apr 10, 2011 @ 20:30:19

        Der erste Link in meinem Kommentar setzt sich intensiv mit einer Antwort Frau von Werlhofers auf ihre Kritiker auseinander.

  14. Sebastian
    Apr 11, 2011 @ 09:31:14

    Die Frage ist doch:

    Was ist ein Privileg genau. Ist es ein Privilieg, dass Frauen zu Mutterschutz nach der Geburt verdonnert werden, egal ob sie es will oder nicht?

    Das sieht die karrierebetonte Mutter vielleicht anders? Für sie ist es eher eine Berufsbremse. Für mich ein Schutz.

    Ist die Wehrpflicht nur für Männer Diskrimminierung? Oder ein Privlieg. Für mich eher das 2. Selbst als Mann.

    Im Gegensatz zu Ungedienten oder Frauen kann ich mit Waffen und Fahrzeugen aller Art umgehen, kann mich wehren, alleine im Wald überleben usw. Vielleicht braucht man das noch. Für mich eher eine wertvolel Erfahrung. Für Andere wieder ein sinnloser Zwang.

    Ich glaube es kommt immer drauf an aus welchem Blickwinkel man es sieht.

    Machmal kann ein Vorteil auch ein Nachteil sein und umgekehrt. Das wird man hinterher sehen.

    Antworten

    • Khaos.Kind
      Apr 11, 2011 @ 13:58:53

      @Sebastian
      Um deine Fragen zu beantworten ist es eben wichtig zu formulieren, was unter einem Privileg verstanden wird.
      Für dich scheint das viel mit Vor-/Nachteilen und individuellen Bewertungen zu tun zu haben. Wie würdest du denn meinen Definitionsversuch da mit einbeziehen?

      Denn ich hab mal überlegt… ich glaube weder Mutterschutz noch Wehrdienst fallen unter meinen Begriff. Denn beide bezeichnen keine Handlungsmöglichkeiten, sondern eben Pflichten, denen mensch sich nicht entziehen kann.
      Unter Privilegien würden diesbezüglich wohl Karenzzeiten für Männer fallen, denn diese können sich relativ frei dafür oder dagegen entscheiden. Und genauso dann der Wehrdienst für Frauen. Keiner der geschlechtlichen Gruppen erwächst ein Nachteil, welche Wahl sie auch treffen. So würde ich das sehen. Aber wie gesagt, dazu folgt demnächst einmal ein ausführlicherer Beitrag.

      Antworten

  15. Sebastian
    Apr 11, 2011 @ 09:37:44

    @ A

    Wie definierst du Chemtrails?

    Dieses sog. Geo-Engeniering wird doch schon länger angewandt. Alter Hut.

    Ich sag nur Fußball WM ín Deutschland und die chinesische Olympiade, wo aus wirtschaftlichen Gründen gutes Wetter „herbeigezaubert“ wurde.

    Antworten

  16. Sebastian
    Apr 11, 2011 @ 09:47:28

    @ A

    Zum Thema Erdbeben: Es hat gute Gründe das es ein Gesetz gibt, dass Soldaten nicht im Gleichschritt über eine Brücke laufen dürfen.

    Kannst du dir vorstellen wieso?

    Willkommen im 21. Jahrhundert.

    Antworten

    • Khaos.Kind
      Apr 11, 2011 @ 14:02:27

      An dieser Stelle nochmal meine Anmerkung:
      Bitte am Thema orientieren. Geo-Engineering und Erdbeben sind auch spannende Themen aber hier gehts vorrangig um Privilegien. Soll e vorrangig gehen (meine Gedanken dazu habe ich HIER ganz gut auf den Punkt gebracht.

      Danke🙂

      Antworten

  17. Maren
    Apr 12, 2011 @ 11:49:17

    *Im Gegensatz zu Ungedienten oder Frauen kann ich mit Waffen und Fahrzeugen aller Art umgehen, kann mich wehren, alleine im Wald überleben usw. Vielleicht braucht man das noch. Für mich eher eine wertvolel Erfahrung.*

    Das kann mein Schwager auch. Und meine Nichte bald auch. Nennt sich Pfadfinder😉 Oder Führerschein Klasse… Oder Selbstverteidigungskurs. Oder oder oder. Dazu braucht man kein Militär.
    Und manchmal, hab ich das Gefühl, als sollen diese ganzen Features nur darüber hinwegtäuschen, dass es ein Zwangsdienst ist, bei dem du dafür ausgebildet wirst, Menschen zu töten. Mehr ist es nicht. Es ist kein Privileg.

    Antworten

    • Sebastian
      Apr 21, 2011 @ 08:01:01

      @ Maren

      Naja, ich bezweifel das man im Schützenverein Panzerfaust schiessen kann😉

      Im Übrigen: Für mich war der Wehrdienst eine sehr wertvolle Erfahrung.

      “ Und manchmal, hab ich das Gefühl, als sollen diese ganzen Features nur darüber hinwegtäuschen, dass es ein Zwangsdienst ist, bei dem du dafür ausgebildet wirst, Menschen zu töten“

      Ich würde mal eher sagen mein Land zu verteidigen. Das wäre dann sowas wie Notwehr. Kann es was schönes geben als sein Land mit der Waffe in der Hand zu verteidigen?

      Antworten

      • Khaos.Kind
        Apr 27, 2011 @ 23:04:17

        @Sebastian

        Ich würde mal eher sagen mein Land zu verteidigen. Das wäre dann sowas wie Notwehr.

        Notwehr wäre Verteidigung im eigenen Land. Sobald du deutschen Grund und Boden verlässt, hat es nichts mit Notwehr zu tun. Nicht im übertragenen Sinne. Nie. Dann ist es ein scheiß Krieg. Du zeigst doch auch nicht alle möglichen Menschen wegen Körperverletzung an, nur weil sie dich irgendwannvielleichteventuell mal anfahren könnten.

        Kann es was schönes geben als sein Land mit der Waffe in der Hand zu verteidigen?

        Ich stelle mir alles andere viel schöner vor, als ein Land zu verteidigen, das nicht meins ist (ich habs mir nicht ausgesucht), dessen Regierung ich nicht gewählt habe (sondern was anderes, das wohl zuwenig Stimmen bekam), auf dessen Auwahlkriterien ich keinen oder nur sehr geringen Einfluss habe und dessen Vorstellung von Demokratie und Moral ich nicht unterschreiben würde.
        Am Besten ist übrigens: Das „eigene Land“ gar nicht verteidigen zu müssen oder zumindest waffenlos verteidigen zu können.

        Der Wehrdienst mag für dich eine wertvolle Erfahrung gewesen sein. Ist gut, darf es auch. Mach ich dir nicht madig. Aber patriotisches Geblubber stößt mir immer auf. Dafür und für die „ich habe aus ideologischen Gründen Haarausfall“-Menschen aus meinem Umfeld kannst du halt nix.

  18. Trackback: Derangierte Einsichten - Privilegiert
  19. Trackback: Alles nicht so einfach. Oder: Gender matters « Die chaotische Welt der Geschlechter

Du hast ein Hirn, du hast eine Stimme, du hast eine Meinung. Also habe niemals Angst, deinen Standpunkt klar zu machen. Trotzdem bitte ich darum, dass du dich vor deinem Kommentar mit den hier geltenden Regeln (unter "Grundsätzliches") vertraut machst. Zum Kommentieren ist mindestens eine gültige E-Mail-Adresse erforderlich.

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