Ein (nicht ganz) unfeministischer Urlaub

Ich kann eben doch nicht aus meiner Haut. Denn es ist überall, das Thema, das ich mir zum Beruf gemacht habe.

Es hätte so schön werden können.
Bewusst nahm ich mir keine Studienunterlagen mit, keine feministischen oder andere Geschlechterthemen betreffenden Bücher, sah nur selten nach meinen Mails, las keine Blogs, war nicht auf facebook, verfolgte nichts auf Twitter. Ich besuchte Freunde und Freundinnen, denen Feminismus und Gender gelinde gesagt egal ist, die ihr Leben so gut und so selbstbestimmt wie möglich leben.

Es hätte eine kurze Auszeit sein können.
Einmal nicht diskutieren, einmal nicht erklären müssen, was ich tue und warum – oder warum ich das so wichtig finde. Einmal einfach nur der Mensch sein, der ich war, als ich all diese wunderbaren Menschen kennen lernte, noch vor meiner Erkenntnis, dass ich Feministin bin und dass Feminismus und die Geschlechterverhältnisse nicht nur irgendein Rand- sondern DAS Thema sind, dem ich die nächsten Lebensjahre (und wahrscheinlich mehr) widmen möchte. Einfach nur Mensch, Freundin, Ratgeberin, Teilhabende sein.

Doch scheint mir, einmal die Scheuklappen abgenommen, ist das Thema Gleichberechtigung oder Ungleichberechtigung der Geschlechter überall. Da sind Elternmagazine, deren einziges Thema, dass auch Männer/Väter umfasst, ein Interview mit Rolf Zuckowski ist – über sein neues Album, nicht seine Kinder. Ein Elternmagazin dessen Adressatinnen nur Frauen und Mütter sind in Bild und Wort. Ein Elternmagazin, dass diese Bezeichnung in meinen Augen nicht verdient hat.
Da sind Krabbelgruppen, zu denen sich nur Mütter treffen.
Da sind Studentinnen, die sich in fünf Jahren mit Kindern sehen und Studenten, die „mal schauen, was kommt“.
Da sind Außenstehende, die zu mir sagen „ein Kind würde dir gut stehen“ und zu einem Freund neben mir nicht.
Da sind wildfremde Typen, die auf ihren Junggesellenabschieden Küsse von fremden Frauen (im Idealfall mit gestellt bitterbösem Blick des nebenstehenden Partners) sammeln.
Da gibt es Erzeuger, die nicht begreifen wollen, dass ihnen auch der begleitete Umgang mit ihrem Kind verweigert wird, solange ein Strafverfahren wegen Kindeswohlgefährdung gegen sie läuft.
Da gibt es Demonstrationen gegen die Piusbruderschaft und AbtreibungsgegnerInnen.
Da gibt es Menschen, die nicht gendersensibel sprechen, „weil es wichtigere, größere Probleme auf der Welt gibt“ – die das aber eigentlich gar nicht ausdiskutieren wollen.
Da gibt es Menschen, auf der Suche nach ihrem Glück; solche die um ihr Glück kämpfen; solche die um die Möglichkeit kämpfen, ihr Glück suchen zu können.
Und es gibt schöne Momente. Viele.

Eine Auszeit vom Feminismus hatte wohl nur mein Mundwerk. Das hat nicht viel gesagt letzte Woche. Es hatte keine Lust. Aber der Kopf konnte nicht sagen, dass er keine Lust hat. Der hat festgestellt, dass ein feministischer Urlaub, ein Urlaub vom Feminismus – vom Debattieren, vom Rechtfertigen, vom immer-wieder-dasselbe-erklären – dass das eigentlich erst möglich wird an einem Ort und unter Menschen, die meine Einstellung teilen, die genauso feministisch und gendersensibel denken und versuchen zu leben wie ich, solche, die die gleichen Kämpfe führen wie ich und ähnliche Ziele haben wie ich. Also eigentlich genau diese Menschen und diese Umgebung, von der ich Urlaub machen wollte.

Darum ist es gut, wieder in Wien zu sein!
Darum ist es gut, wieder online zu sein!
Willkommen daheim!

13 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. lucia
    Apr 28, 2011 @ 08:20:12

    Huhu – wellcome back🙂

    Die Suche nach Inspirationen war wohl mehr eine Bestätigung für die Richtigkeit deiner Gedanken sowie deines Handelns. Muss auch mal sein. 😉

    Als ich es las, fiel mir „unser“ Motto ein: Ich weiß zwar nicht alles, aber zu viel, um den Mund zu halten🙂

    Antworten

  2. onyx
    Apr 28, 2011 @ 10:19:21

    Schön dass du wieder da bist🙂

    Antworten

  3. Piratenweib
    Apr 28, 2011 @ 14:43:02

    Welcome back🙂

    Antworten

  4. Khaos.Kind
    Apr 28, 2011 @ 20:57:09

    Danke Lucia, Onyx und Piratenweib🙂

    Antworten

  5. shuizid
    Apr 29, 2011 @ 11:04:12

    Irgendwie klingt die Vorstellung lustig, dass du versuchst von einem Thema, das in nahezu der gesamten Gesellschaft gegenwärtig ist, innerhalb dieser Gesellschaft Urlaub zu machen ^^
    Willkommen zurück und versuchs nächstes mal doch mit Camping in einer menschenleeren Gegend😉

    Antworten

    • Khaos.Kind
      Apr 29, 2011 @ 11:09:29

      @Shui-chan
      Wäre eine Idee.
      Oder ich mache nur noch in feministischen/sensibilisierten Gegenden und bei Gleichgesinnten Urlaub. Gibts dafür schon AnbieterInnen? Wenn nicht, das wäre doch eine Marktlücke!

      Antworten

      • shuizid
        Mai 02, 2011 @ 14:14:06

        @Khaos
        Hast Du nicht selbst festgestellt, dass Du Urlaub nur in der Umgebung machen kannst, von der Du eigentlich Urlaub haben wolltest? ;p
        Ansonsten dürfte es wohl keine entsprechender Anbieter geben: das würde ja voraussetzen, dass man entsprechende Gegenden kennt. Abgesehen davon dürfte sich ebenso die Nachfrage schwierig gestalten… Aber du kannst natürlich jederzeit im Internet inserieren und Leuten anbieten, in einer sensibilisierten Gegend (also bei Dir😉 ) Urlaub zu machen ^^

  6. Christian - Alles Evolution
    Mai 02, 2011 @ 20:07:45

    „Da gibt es Erzeuger, die nicht begreifen wollen, dass ihnen auch der begleitete Umgang mit ihrem Kind verweigert wird, solange ein Strafverfahren wegen Kindeswohlgefährdung gegen sie läuft.“

    Ein Strafverfahren ist ja auch noch kein Schuldspruch. Und was genau soll den Kindern den im begleiteten Umgang passieren? Würde ich als Vater auch nicht einsehen, gerade wenn ich die Vorwürfe für falsch halte.

    Antworten

    • Khaos.Kind
      Mai 02, 2011 @ 21:04:56

      @Christian

      Ein Strafverfahren ist ja auch noch kein Schuldspruch. Und was genau soll den Kindern den im begleiteten Umgang passieren?

      Es sagt niemand, dass ein Strafverfahren ein Schuldspruch ist. Aber solang die Möglichkeit einer Schuld nicht ausgeschlossen ist/werden kann, ist es durchaus im Sinne der Kinder, vorerst auch keinen begleiteten Umgang zuzulassen aus Schutz vor einer Re-Traumatisierung.
      Der Kinderschutzbund hat dieses Prinzip und das hat der Erzeuger zu akzeptieren. Abgesehen davon, dass er in diesem Fall selbst schuld an seiner Situation ist. Strafverfahrensverlauf rauszögern UND dann noch beschweren, dass deswegen der Umgang mit seinem Kind verweigert wird, ist echt selbst in die Nesseln gesetzt.

      Würde ich als Vater auch nicht einsehen, gerade wenn ich die Vorwürfe für falsch halte.

      Scherzkeks. Würde der Erzeuger die Vorwürfe für berechtigt und richtig halten – meinst du er würde überhaupt Kontakt zum Kind wollen?
      Nur hat „ich seh das nicht so“ eben auch nicht besonders viel Aussagekraft wenn es um Straftaten geht. Nur weil du es für nicht moralisch verwerflich hälst, irgendwelche Leute abzumurksen, ist es eben doch eine Straftat. Und andersrum kann eine außenstehende Person noch so oft sagen, dass du es getan hast – wenn sich da nichts belegen lässt, kann man dir nichts verbieten.

      Antworten

  7. Anna
    Mai 04, 2011 @ 08:45:37

    Aber es ist doch gerade wichtig mal von dem rosa Wölkchen runterzukommen. Es denken eben nicht alle Menschen so wie Du und Deine Mitstreiter_innen. Nicht alle Menschen machen sich Gedanken um Genderthemen und grade da ist es doch spannend zu argumentieren und zu sensibilisieren. Insofern war Dein Urlaub vielleicht kein Urlaub, sondern ein Trainingscamp😉

    Antworten

    • Khaos.Kind
      Mai 04, 2011 @ 09:03:59

      @Anna
      Aber ich wollte mich doch entspannen😉
      Trainieren und mit unsensiblen/ignoranten/mir-doch-egal Menschen reden kann ich jeden Tag. Und muss ich größtenteils ja auch, weil die Menschen die sich um solche Themen Gedanken machen nicht sooo viele sind. Und wenn, dann kenn ich sie aus dem Studium und dann haben die Gespräche auch wieder eine andere Ebene. Oft dreht es sich dann um eine problem- und erkenntniszentrierte Sichtweise i.S.v. was ist und woran erkenne ich das – und weniger um eine Zukunfts- und Lösungsorientiertheit (WissenschaftlerInnen unter sich halt). Daher sind diese Gespräch mit sensibilisierten Personen unglaublich interessant und spannen aber auch nicht wirklich besonders motivierend.

      Ich wünsche mir einen Ort, in dem gendersensible Sprache und aufeinander-Rücksicht-nehmendes-Verhalten und einander wertschätzen normal sind. Wo ich mich auch einfach über Filme und das Wetter und Bücher unterhalten kann. Wo ich nicht erst groß diskutieren muss, warum ich mein Leben so leben will wie ich es tue, sondern darüber diskutieren kann, wie ich das hinbekomme meinen Leben so zu leben, wie ich es möchte.
      Ein Ort, an dem weder Feminismus ein Schimpfwort ist, an dem ich nicht komisch angesehen werde, wenn ich mal rosa trage oder heirate oder Kinder will.
      Orte die in diese Richtung gehen und die ich kenne, kann ich an einer Hand abzählen. Einer davon ist meine Wohnung😉

      Die Realität nicht aus den Augen zu verlieren, halte ich für überaus wichtig. Aber vor lauter Realität geht oft das „wohin will ich und verdammt noch mal, woher bekomme ich die Kraft da auch hinzugehen?“ ein wenig unter.

      Antworten

  8. qwert
    Jun 26, 2011 @ 21:56:02

    eigentlich kann ich deine erfahrung sehr gut nachvollziehen. wenn ich mich mit alten freunden oder familie treffe wird mir auch bewusst dass auf einmal die scheuklappen weg sind und mir diese frau-mann-schwarz-weiß-welt bitter aufstößt.
    aber – und dies ist ein großes aber – genderunsensible sprache und der nicht-wille darüber zu diskutieren kommen mir auch bekannt vor. weil es nämlich wirklich wichtigere probleme auf der welt gibt. und weil das vielleicht das i-tüpfelchen in einer gleichberechtigten welt wäre, aber doch nichts wirklich verändert. überhaupt kommt mir gendersensible sprache einfach nur wie ein aberwitziges luxusproblem vor. und ja, weiter will ich darüber nicht reden.
    qwert

    Antworten

    • Khaos.Kind
      Jun 26, 2011 @ 22:02:48

      @qwert
      Dir ist aber schon klar, dass du darüber bereits redest. Und sogar sehr viel darüber redest, in Anbetracht dessen, das das nicht das Hauptthema des Posts ist. Sogar mit Begründung und Ausführung.
      Wenn du nicht drüber reden willst – dann tu’s einfach nicht😉
      Ich will darüber reden. Intensiv. Ausführlich. Das Für und Wider, das Pro und Contra, das Wieso und Warum und überhaupt. Irgendwann mal in einem eigenen Post. Oder zwei oder drei oder 100. Denn es gibt viel darüber zu sagen und zu diskutieren. Darfst dich dann gern daran beteiligen.

      Antworten

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