F³ – /slash Filmfestival 2011

Es war phantastisch, gruselig, weird, umwerfend, untot und einfach genial! Und ich war dabei! Aber von Vorne:
Das /slash Filmfestival ist ein Horror-Fantasy-Filmfestival im wunderschönen Wien und im ebenso wunderbaren Filmcasino. Letztes Jahr, kurz nach meinem Umzug nach Wien fand es das erste Mal statt. Ich war da und habe Blut geleckt (oder wurde von nem Zombie gebissen oder nem Virus befallen)!

Und auch dieses Jahr wurden wieder große Geschütze aufgefahren. Natürlich ganz große Filme aber eben auch ein Konzert von Stereo Total, Regisseurbesuche, ein Abend mit Crispin Hellion Glover, Tabubrüche, Performance und Party. Ein bisschen Porno, ein bisschen Zombie – so sieht ein gelungenes Filmfest aus!
Da ich blöderweise noch nicht reich bin, blieb es auch dieses Jahr bei einer begrenzten Auswahl an Veranstaltungen. Und es bleibt bei Kurzkommentaren zu den jeweiligen Filmen/Veranstaltungen, sonst wird das hier zu lang. Längere Kommentare zu den jeweiligen Filmen folgen demnächst auf Moviepilot. Die Verlinkungen der Filme enthalten eine Kurzbeschreibung aus dem Programm des /slash Filmfestivals und Trailer.

Der Cineast an meiner Seite und ich, wir ließen es dieses Jahr ruhig angehen und starteten nicht am offiziellen Eröffnungstag sondern einen später– mit dem Trash-Softporno-Musical „Underwater Love – A Pink Musical“. Schon bei der Beschreibung wusste ich, dass ich mir das einfach ansehen muss! Der Soundtrack stammt übrigens vom Berliner Elektroduo Stereo Total und so sprach Brezel Göring gleich ein paar einleitende Worte zum Film: >>Pink Movies zeichnen sich hauptsächlich dadurch aus, dass sie 5 Tagen abgedreht werden und alle 10 Min eine Sexszene drin vorkommt.<< Da bleibt nicht viel Zeit um die Gesangsstücke neu zu synchronisieren. Darum begleiten Stereo Total den Film nicht nur musikalisch, sondern singen gleich alle Parts – und die SchauspielerInnen bewegen mehr oder weniger ambitioniert ihre Lippen zur unverkennbaren Stimme von Françoise Cactus.
Viel kann ich zum Film nicht sagen. Er ist so, wie er sich liest: trashig und witzig. Vor allem der Hauptdarstellerin ist ihre Freude am Film und am Tanzen anzumerken. Und so Beast-Cocks machen auch einiges her.
Im Anschluss gabs Stereo Total live – der Kinosaal wurde kurzerhand zur Tanzfläche umfunktioniert. So durfte es weitergehen!

Nach einer langen feuchtfröhlichen Geburtstagsfeier am Samstag war die sonntägliche Katervorstellung von „Super“ genau richtig. Ein Film, der mit Top-Besetzung (Ellen Page *schmacht*, Michael Rooker, Liv Tyler, Kevin Bacon), bitterbösem Humor und einer straighten Story über Real-Superhelden, Selbstjustiz und Gerechtigkeit einfach Spaß macht – und genau das richtig, was sich „Kick Ass“ nicht getraut hat.

Der nächste Programmpunkt: „The Woman“. Ich habe seit einem halben Jahr auf diesen Film gewartet und mir echt viel davon versprochen. Und konnte es gegen Ende echt nicht glauben. Ich dachte, die Kritiken, die dem Film in den Himmel loben, wollen mich verarschen. Von wegen radikalfeministisch, intellektueller Ebene und Anspruch.
Ich gebe zu, der Film hat wunderbare Bilder. Aber im Großen und Ganzen halt ich ihn für pseudofeministisch. Die Anfangsfrage, ob die Frau oder das Patriarchat sich durchsetzen, wird ziemlich billig aufgelöst und hinterlässt nur den Geschmack daran, dass die Message auf einen zutiefst misogynen Film draufgesetzt wurde um ihn Kinotauglich zu machen. In meinen Augen war der Film die größte Enttäuschung des ganzen Festivals!

Dieses Ärgernis konnte leider auch der sich anschließende „The Ward“ vom Fürsten der Finsternis John Carpenter nicht mehr ausbügeln. Ein durchaus guter klassischer Film und – abgesehen von den Jump Scares, die nach einer Weile nicht mehr ganz so gruselig sind – eine Freude fürs Auge der Horrorfans. Und das Ende hätte ich so ehrlich gesagt nicht erwartet. Zu meiner Freude.

Dienstag wartete eine der besten und tollsten Aktionen der gesamten Woche: Der Viennese Zombie-Mob! Verkleidet, maskiert, mit Latex, Make-up, farblosem Lipgloss und wasweißichwieviel Kunstblut ausgestattet begann die Verwandlung vieler Freiwilliger in eine untote Meute, die sich dann auf den Weg machte die Stadt zu überfallen – einmal vom Museumsquartier über die Mariahilferstraße bis zum Filmcasino. Wir sahen ja nicht nur wie Zombies aus, wir liefen auch so. Gegen Laternen und Mülleimer, hinterließen blutige Spuren an Schaufenstern, überfielen McDoof, H&M oder auch mal ein paar PassantInnen. Sehr sehr sehr geil!
Fun Fact: Wurde gefragt, ob das ne Tierrechtsdemo ist.

Passend zu „DeadHeads“ trafen die Zombies dann auch im Filmcasino ein. Eigentlich eine spannende Idee: Ein junger Mensch wacht als Zombie auf – und ist noch bei Bewusstsein. Also ist nicht dieses auf den Hirnstamm reduzierte Wesen. Und sucht seine frühere große Liebe. Trifft auf einen ähm ja… etwas verrückten Helfer und ein paar Spinner und – natürlich – seinen Mörder. Leider artet der Film zu sehr darin aus, witzig sein zu wollen. Hätte mir mehr erwartet als immer wieder derselbe Runnig Gag und das viel zu abrupte Ende.

Mit „Red State“ wurde es dann am Mittwoch noch mal ganz groß. Nicht nur, das die Besetzung mit Melissa Leo und John Goodman aufwartet, auch die Story ist ein überaus gelungener Rundumschlag gegen religiöse FanatikerInnen – aber auch der Patriot Act der USA kommt auf seine Kosten. Und das Ende. DAS ENDE!!! Ich habe gelacht, Tränen gelacht, ich war einfach nur begeistert!

Der vorletzte Tag des Festivals wurde anspruchsvoll. Ein Abend mit Crispin Hellion Glover. Gespräche, Big Slide Show Part I und „It is fine! EVERYTHING IS FINE.“. Der Name wird den wenigsten etwas sagen aber die meisten werden ihn aus Filmen wie “Zurück in die Zukunft I” oder “Drei Engel für Charlie” oder „Alice im Wunderland (2010)“ kennen.
Beeindruckende Persönlichkeit dieser Glover! Von der Slide Show habe ich höchstens 1/5 verstanden. Und auch bei dem Film war ich sehr froh, dass im Anschluss eine Frage- und Antwortrunde folgte. Ich mag Glovers Einstellung hin und wieder in großen Mainstream-Projekten mitzuarbeiten um genug Geld für seine kleinen Independent-Filme zu haben. Ich liebte die Art, wie er auf kurze einfache Fragen eine habstündige Rundumschlag-Antwort bastelt, die wirklich viele andere kleine einfache Fragen mit beantwortet. Ich mochte die Fantasie von Stephen C. Stewart, der einen Film wollte, in dem Menschen mit Behinderung nicht nur darüber definiert werden, sondern auch mal Bösewichte sind. Nicht aus schlechten Erfahrungen heraus, sondern weil sie einfach böse Gedanken haben. Und dass mir das DANN erst auffällt, welch Tabu-Bruch das zu sein scheint.

Der letzte Tag brach früher als gedacht an. Der Cineast hat beim Kartenkauf nicht auf die Uhrzeit geachtet und so saßen wir statt um 20.30 Uhr bereits um 18 Uhr in der Premiere von „Don’t Be Afraid of the Dark“. Ach, ich liebe alte Häuser. Mit verwinkelten labyrinthartigen Gärten. Mit Räumen, die bis oben hin mit Büchern gefüllt sind. Mit verzierten französischen Betten. Mit buntglasbesetzten Fenstern. Und die SchauspielerInnen, sogar Katie Holmes (die ich immer nur aus Dawson’s Creek im Kopf habe und der ich nie viel zugestehen will) machte ihre Sache gut. Blöd nur, dass die Story so 08/15 war, das „Böse“ viel zu schnell gezeigt und die Musik mehr als schlecht eingesetzt wurde. Hätte ein solider Film werden können. Hat er sich leider selbst nicht gegönnt.
Fun Fact II: Der erste Jump Scare hat mir die Cola light fast aus der Hand gehauen und so gab ich sie den restlichen Film über immer dem Cineasten neben mir. Klingt lustig aber die Tatsache, dass ich immer rechtzeitig wusste wann ein erschreckender Moment kommt, sagt einiges über die ärgerliche Plattheit des Films aus.

Nach einer sehr erheiternden „Wie, schon vorbei?“-Chainsaw-Massacre-Performance begann der letzte heiß ersehnte Film des Festivals: Monster Brawl!
Ich meine: Monster! Hexen! Vampire! Zombies! Wrestling!
Erwartet: Celebrity Deathmatch mit Monstern.
Bekommen: Monster, die sich eher die Ohren abkauen als cool zu kämpfen.
Am Witzigsten waren da noch die Menschen neben mir, die sogar was von Wrestling verstanden und irgendwelche Griffe zur Leinwand gebrüllt haben, die doch jetzt bitte folgen sollen. Äh… ja. Auch das ist /slash – Kino für alle!
Erkenntnis: Mit Wrestling werde ich nicht warm, nicht mal wenn es mit Monstern ist.

Festival Fazit:
Wie immer ein paar Enttäuschungen dabei aber im Großen und Ganzen wieder eine wunderbare Woche verbracht. Das /slash hat mir letztes Jahr gezeigt, wie Kino sein kann. Menschen, die den Saal erst nach den Credits verlassen. Menschen, die sich vor einem Film Gedanken machen und auch hinterher darüber diskutieren. Menschen, die Kino als das genießen, was es vielleicht mal war und meines Erachtens nach viel zu selten ist: Gesellschaftskritik, Entspannung, Mehrdeutig, Kunst. Kino ist eine Form der Auseinandersetzung. Kann es sein. Sollte es sein.
Das /slash Filmfestival ist ein Ort, der mich inspiriert. An dem Kino noch Kultur ist. An dem (und ja, das muss ich jetzt erwähnen) ich Geschlechterstereotype sich aufweichen sehe, sehe dass es geht und nicht nur theoretisch davon lese. Sehe Filmliebhaberinnen und Filmliebhaber aller Sorten. Ich traf immer wieder viele nette spannende Menschen, sah super Filme gesehen und aß leckeres Zeug (Chucky- oder Jason- oder Freddy-Panini *sabber*) Und seit diesem Jahr habe ich eine neue Leidenschaft: Zombie-Mob!

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3 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. anniefee
    Okt 09, 2011 @ 08:21:03

    Klasse ! Gern gelesen. Als Nicht-Österreicherin hatte ich nämlich nichts im Vorfeld darüber gehört °-° (nach einer Tierrechtsdemo zu fragen, ist ja so abwegig von den Passanten auch nicht 😉 ]

    Antwort

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