I bin aus Österreich!


(Dieses Video zeigt ein Lied der steirischen Band STS, dessen Titel auch der Titel des Blogeintrags und dessen Inhalt die mir liebste Sicht auf Österreich ist)

Frauen* die lesen, sind gefährlich.
Frauen* die schreiben, erst Recht!

Welche Rolle Frauen* im Netz spielen, ist seit einigen Monaten immer wieder Thema vieler Medien. Obwohl die Mehrheit der deutsprachigen Blogs von Frauen* betrieben werden, sind gerade die Blog-Charts hauptsächlich männlich* besetzt. Wenn Blogger_innen wahrgenommen werden, dann als solche, die sich vorwiegend privaten Themen, Mode oder dem Kochen widmen. Politische und gesellschaftskritische Themen werden online wie offline mit „Männlichkeit“ verbunden. Und aus irgendeinem mir unbekannten Grund werden feministische Blogs und Themen dabei nicht als politisch/gesellschaftlich relevanter Bereich gesehen.

Was mir allerdings auch auffällt, ist, dass sich gerade in den deutschsprachigen feministischen Blogs hauptsächlich deutsche Blogger_innen finden. Einige mögen jetzt meinen, dass Nation oder Nationalität hier keine Rolle spielen sollte. Dass auch deutsche Staatsangehörige über andere Länder oder in anderen Sprachen schreiben können. Oder nicht-deutsche Staatsangehörige in deutscher Sprache bzw. über deutsche Verhältnisse schreiben können. Die Grenzen sind hier nicht klar zu trennen und oft auch nicht erkennbar. Das weiß ich. Aber ich weiß auch, dass die Nichtverhandlung einer Thematik kein Zeichen für ihre Überwindung ist. Genauso wenig wie (es folgt ein Beispiel aus der deutschen Landespolitik) z.B. die Berliner Pirat_innen sich einfach post-gender nennen können, kann die Nationalität von Blogger_innen einfach ignoriert werden. Wobei – es geht mir nicht um Nationalität!
Es geht um Inhalt, der sich auf das Geschehen eines Staates bezieht. Die österreichische Politik ist eine andere als die deutsche oder die schweizer Politik. Ist anders als die schwedische oder ägyptische oder US-amerikanische Politik. Die jeweiligen Gesellschaften kämpfen mit ihren individuellen historischen Bezügen, aktuellen Bewegungen und staatenspezifischen Systemen. Davon können sich bloggende Menschen nicht lösen. Menschen berichten, was ihnen passiert. Was sie betrifft. Menschen lesen, was sie betrifft und interessiert. Es wird keine_r sagen, dass eine Plattform wie feministing oder das Ms.Magazine oder die Mädchenmannschaft für alle reicht. Jede_r ist doch anders. Und das ist gut so!

Und doch habe ich das Gefühl, dass viele deutschsprachige feministische Blogs mehr oder weniger für den gesamtdeutschen Raum geltend gedacht werden. Den Betreiber_innen unterstelle ich da keine Absicht. Sie können schließlich auch nur von dem schreiben, dass sie kennen und wenn dies v.a. die deutsche Politik und Gesellschaft ist – dann ist das eben so. Das ist auf die jeweilige Lebenssituation bezogenes Berichten. Und selbstverständlich gibt es gerade im feministischen Bereich Themen, die die meisten Menschen unabhängig vom konkreten Umfeld tangieren. Sei es Körperpolitik, die Abtreibungsthematik, Familienplanung oder gesellschaftliche Teilhabe. Und natürlich gibt es feministische Theorien, deren Vertreter_innen zwar hauptsächlich in den westlichen Industriestaaten verortet sind, die sich aber mit den Geschlechterverhältnissen weltweit befassen.
Manches kann jedoch nicht alle ansprechen, nicht allen entsprechen.

Ich nenne mich Wahlösterreicherin, denn ich bin nach Wien gezogen und habe vor, auf nicht absehbare Zeit in diesem kleinen Land mit seinen Stärken, seinen Schwächen und seinen Eigenheiten zu leben. Mich darin einzubringen.
Umso mehr erfreut es mich, dass die feministische Landschaft hier vergleichsweise bunt und aktiv ist. In Österreich kennt mensch Alice Schwarzer aber hier ist sie nicht medial stellvertretend für den Feminismus. Sondern eben eine von vielen. Diese Vielfalt wird in Österreich kultiviert. Ich weiß konkret von feministischen Gruppen in Vorarlberg, Frauen*kollektiven in Tirol, ich hörte von einer sehr aktiven Queer/Feministischen Szene in Graz und bekomme unglaublich viel aus Wien mit. Als Studierende natürlich hauptsächlich aus universitären/universitätsnahen Kreisen aber ich weiß, es gibt noch mehr. Österreichs frauenrechtlerische / queere / feministische / gleichberechtigungsengagierte Landschaft ist groß und bunt. Sie ist da. Wo ich sie nicht finde, ist im Netz.

Meine Kommilitonin Ulli hat für die *Frauenforscherin WiSe 2011/12 einen Beitrag über feministische Blogs in Österreich geschrieben, in der sie diese Thematik anspricht. Sie erwähnt die Juniausgabe der an.schläge, in der feministische Medien thematisiert wurden. Und auch die EMMA dossierte in ihrer 300. Ausgabe über Frauen, die die digitale Welt erobern. Aber eben nur auf deutsche Blogs und Initiativen bezogen. Und so suchte auch Ulli, fragte sich durch – und fand nicht viel. Was sie an österreichischen feministischen Blogs gefunden hat, sind wie es aussieht die denkwerkstatt, Ullis eigener Blog und (als Wahlösterreicherin) mein eigener.
Es gibt noch mehr. Ich muss sie nur finden.

Darum hier eine Ankündigung:
In Zukunft wird dieser Blog österreichlastiger. Soll heißen, dass ich vermehrt über meine Sichtweise österreichischer Gesellschafts- und Politikereignisse/-entwicklungen bloggen werde. Und den jeweiligen Bezug zu Geschlechterverhältnissen.

Und hier ein Aufruf:
Wenn du aus Österreich bist, in Österreich lebst, über Österreich bloggst – insbesondere queer/feministisch/frauen- und/oder geschlechterpolitisch – dann melde dich! Lass uns ein Bild kritischer BloggerInnen aus/in/über Österreich zeichnen, dass mehr kann als diese rechtsnationalen Angst-SpinnerInnen! Und wenn du noch nicht bloggst – fang an! Es lohnt sich!

10 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. irgendeine Userin
    Okt 12, 2011 @ 06:53:04

    Okay. Ich bin aus Deutschland. Und ich wollte mir grad das Video anschauen.
    Rate mal, was dann passiert ist?
    „Leider ist dieses Video, das Musik von UMG enthält, in Deutschland nicht verfügbar. Die GEMA hat die Verlagsrechte hieran nicht eingeräumt.“
    Gleiche Erfahrungen prägen.
    Wenn ich auch sagen muss, Alice Schwarzer wäre für mich und so manche Feministin hier im Land (vielleicht sogar für viel mehr, als ich es hier schreibend nahelege), nur eine von vielen Feministinnen. Sie wird stark von den Medien zur Ikone hochgepusht.

    Werd mal schauen, dass ich deinen Blog in meinen Blogroll aufnehme.🙂

    Antworten

    • Khaos.Kind
      Okt 12, 2011 @ 09:04:07

      Huhu Userin,

      Boah, die GEMA ist doch echt fürn Arsch!
      Gibt ja zum Glück Mittel und Wege, diese Sperren zu umgehen😉 Oder du suchst ein anderes Video zu dem Lied von STS. Es ist wirklich wert, das mal zu hören (und für Dialektunkundige besser die Lyrics nebenbei lesen *g*)

      Und ich weiß, dass Schwarzer auch in Deutschland von einer Menge Menschen nur als „eine von vielen Feminist_innen“ gesehen wird. Blöderweise sitzen Menschen mit dieser Sichtweise noch zuwenig in entscheidenden Medienpositionen. Denn wenn es um irgendwas mit Feminismus geht, wird dann doch wieder Schwarzer eingeladen. Meistens. Langsam bricht es zum Glück auf.

      Und danke fürs Verlinken🙂 Werde das andersrum auch gleich mal machen.

      Antworten

  2. brigittethe
    Okt 12, 2011 @ 17:26:24

    Mir ist noch jemand eingefallen: http://www.andreame.at/

    Antworten

  3. haiwen
    Okt 12, 2011 @ 18:36:40

    Der Gurkenkaiser wohnt auch in Österreich, bloggt aber eher selten und auch mehr über deutsche Politik: http://thegurkenkaiser.blogsport.eu/

    Antworten

  4. Khaos.Kind
    Okt 12, 2011 @ 18:52:26

    Es füllt sich langsam🙂

    Habe bei Girls Can Blog noch zwei gefunden, wobei ich mir bei der ersten nicht sicher bin, ob sie aus Österreich bloggt aber die über sie berichtende Presse ist mal ziemlich Ö-haltig:
    Frau Jona&son
    und Consens

    Ich überlege gerade, mich von der Mädchenmannschaft mit ihren www-girls und Girls Can Blog inspirieren zu lassen und immer wieder mal Blogger_innen/Blogprojekte mit feministischem/(frauen)politischem/queeren Schwerpunkt vorzustellen. Interesse anyone? Was würdet ihr denn gern von Blogger_innen wissen wollen?

    Antworten

  5. lucia
    Okt 16, 2011 @ 18:22:53

    Interessantes Vorhaben.
    Das mit den Ländern spezifischen Blogs finde ich aber normal, denn Grenzübergreifendes dürfte kaum viel Interesse erwecken. Wenn ich nicht 12 Jahre lang in D gelebt hätte, würde ich wohl auch hauptsächlich über Frankreich bloggen. Allerdings nicht auf Deutsch, und alles zu übersetzen bringt es nicht, weil sich dafür kaum jemand außerhalb des französischen Sprachraums interessieren würde. Und nicht zuletzt gibt’s im Web ja sowieso nur sprachliche Grenzen. Bspw. habe ich auf meinen Blogs bei blogspot.com auch Besucher aus Nord- und Südamerika, Asien, Australien, quasi die ganze Welt. Obwohl ich meistens nur auf Deutsch schreibe.

    LG;
    Lucia

    Antworten

  6. feministmum
    Okt 16, 2011 @ 18:49:32

    Hallo,
    I bin a aus Österreich und finde es super, dass du dich auf die suche nach österreichischen blogs mit feministischem hintergrund machst. Ich lese auch hauptsächlich in deutschland (bis auf denkwerkstatt, bei dir und ulli koch) und blogge selbst seit kurzem zu feminismus und mutterschaft…http://feministmum.wordpress.com. Wenn mir sonst was begegnet, lasse ich es dich wissen…
    lg Antonia

    Antworten

  7. Trackback: Mädchenmannschaft » Blog Archive » Prenzelberg-Frauenhass, pseudo-wissenschaftlicher Quatsch und antisexistische Bierdeckel – Die Blogschau
  8. Tuli
    Okt 17, 2011 @ 15:21:38

    ich oute mich mal… Ich wurde in Österreich geboren, lebe seit kurzem jedoch in Deutschland.
    Auf meinem Blog http://yaab.noblogs.org kommen immer wieder mal queere und feministische Einträge vor, sind jedoch nicht das einzige worüber ich schreibe.

    Antworten

  9. Tweente
    Okt 17, 2011 @ 22:32:18

    http://fernseherkaputt.blogspot.com ist laut Twitter aus Wien (http://twitter.com/#!/fernseherkaputt) und bloggt immer wieder zu feministischen Themen. Aktuell z.B. http://fernseherkaputt.blogspot.com/2011/10/manisch-feenhaft-damonisch-allein-unter.html

    Auf http://no-racism.net – ebenfalls in Wien lokalisiert – gibt es Schwerpunkt-Bereiche zu Feminismus und Antisexismus:
    http://no-racism.net/rubrik/52/
    http://no-racism.net/rubrik/78/

    Interessant ist auch die kritische Medienbeobachtung von http://www.kobuk.at/ – allerdings mit wenig Bezug zu feministischen Themen.

    Antworten

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