Wir brauchen einen feministischen Kommentarsturm, Leute!

Wieder einmal das alte Muster.
Ein Mensch schreibt über Feminismus. Oder Frauen*. Oder Männer*. Oder über irgendwas, das mit Geschlecht oder Geschlechterverhältnissen zu tun hat.
Schon fallen sie ein.
Die(se) nicht immer unbekannten Persönlichkeiten. Mit dem nicht selten bekannten, beinahe als typisch zu bezeichnenden „Anmerkungen“, „Beiträgen“, „Fragen“, „Argumenten“. Die genau deshalb in Anführungszeichen stehen, weil es allzu oft eher Stellungnahmen als Anmerkungen, mehr Forderungen als Beiträge, mehr rhetorische als offene Fragen, mehr populärwissenschaftliches Geblubber als wirklich Argumente sind.
Es ist kein sachliches Anfangen und sich evtl. hinein steigern. Es ist kein Missverständnis. Es ist nicht ausdiskutierbar. Und vor allem ist es eins nicht: Zufall.

Die meisten dieser „Kommentator*innen“ wollen sich weder austauschen, noch informieren oder gar etwas diskutieren. Sie haben bereits eine feste Meinung, die sie lediglich verbreiten wollen. Diese Meinung, die mit google-Algorithmus gedacht, umso wahrer scheint, wie sie an Häufigkeit der Nennung zunimmt. Es sind Menschen, die sich hin und wieder absprechen, welchen Blog, welchen Online-Artikel, welche Person sie als nächstes überfallen. Wie viele es genau sind, weiß keine*r. Zu ähnlich und mit Copy&Paste vervielfältigt wirken die Sätze. Aber es ist ja auch egal, ob es nur eine Hand voll Leute ist.

Was mich stört und was mir bei diesem Beispiel mal wieder extrem aufgestoßen ist: sie nehmen Raum ein. Viel Raum. Wortwörtlich. Selbst wenn sie wissen, dass sie nicht freigeschaltet werden, so versuchen sie es doch immer wieder. Wenn sie doch mal einen Blog finden, auf dem sie frei geschaltet werden, so ist der gleich mal voller mehr oder minder aggressiver Worte, die ein Klima erzeugen, das konstruktive Meinungen daran hindert, hervor gebracht zu werden, manchmal gar erst zu entstehen. Wenn ich da an mich denke, was ich alles durch gute Diskussionskulturen gelernt habe… ich vermag mir nicht auszudenken, was durch derartig feindlich-ignorant gesonnene Menschen an Potential verhindert wird.

Ein Weg damit umzugehen, ist eine strikte Kommentarmoderation. Das schafft zumindest nach außen hin eine möglichst offene Atmosphäre.
Für die trotzdem auftauchenden Grenzverletzungen gibt es tolle Projekte wie z.B. hatr.org

Mir schwebt allerdings etwas anderes vor. Mir reicht es nämlich!
Erobern wir uns den virtuellen Raum zurück!
Bekämpfen wir diese negativen Kommentar-Shitstorms mit den eigenen Mitteln! Scheißen wir zurück!

Dies ist ein Wunsch, ein Versuch, ein Aufruf an alle feministischen, profeministischen und tollen Wesen da draußen:
Zeigt Solidarität!
Liked jeden Post/Beitrag/Text, der euch gefällt! Teilt ihn mit euren Netzwerken!
Aber vor allem:
Kommentiert!
Sagt, dass es euch gefällt. Sagt, was genau und warum. Fragt ehrlich nach. Bestätigt andere Kommentator*innen, wenn sie in Worte fassen, wofür euch Zeit und Nerven und Vokabular fehlen. Kommentiert an denen vorbei, die eine Entgleisung der Diskussion anstreben und schafft positive, offene Stränge, die zum Mitmachen einladen!

Ob Aktionen gemeinsam geplant oder spontane „Einzelreaktion“: zeigt mit euren Worten anderen, die vielleicht (noch) nicht in euch bekannten Netzwerken sind, dass ihr hinter ihnen steht.
Zeigt anderen, dass sie wichtige Themen ansprechen.
Zeigt ihnen, dass es viel mehr Raum für Gleichberechtigung und Feminismus, für Solidarität gibt als sie vielleicht wussten. (falls sie es wussten – so eine Bestätigung ist sicher auch nicht schlecht)

Keinen Kommentar breit den Reaktionären & Ignoranten!
Keinen Kommentar breit den Antifeminist*innen!
Keinen Kommentar breit denen, die glauben, Gleichberechtigung gäbe es bereits in ausreichendem Maße!

Erobert die Kommentarspalten zurück!

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17 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Khaos.Kind
    Sep 06, 2012 @ 21:36:35

    Um das klar zu stellen:
    (1) Dies ist ein Aufruf zu rücksichtslosem Handeln gegenüber rücksichtslosen Kommentator*innen. Nicht gegenüber denen, die bloggen!

    (2) Durch solche Aktionen werden ggf. andere Ausschlüsse produziert, z.B. von Menschen, die es wirklich einfach nicht besser wissen. Ich finde allerdings, we sich aus Unwissenheit antifeministischer und Ungleichheit/Ängsten verleugnender Phrasen bedient, muss damit rechnen, dass diese antifeministisch/ignorant verstanden werden und hat in diesem Falle schlichtweg Pech gehabt.

    Antwort

    • Odradek
      Sep 07, 2012 @ 01:37:26

      Vorschlag (eher aus irl Hochschuldidaktik Erfahrungen): Macht (nicht: „ergibt“) es vielleicht Sinn, begrifflich zwischen „Ignoranz“ und „Unwissenheit“ zu unterscheiden? Dann wäre das Problem, daß sich letztere gerne als erstere tarnt und Punkt (2) wäre reformulierbar, aus Gutengründen mehr „false positives“ in Kauf nehmen zu müssen, anstatt generell Ausschlüsse?

      [dieser Teil sehr in kladde gedacht, gerne löschen]
      Ich persönlich habe ehrlichgesagt große Angst vor „sozialpsychologischen“ Auswirkungen von sich identitär anfühlenden Vorgehensweisen, auch aus Selbstbeobachtung. Andererseits ist es kein haltbarer Zustand, diesen Nasen Feld zu überlassen. Irgendwie müßte es doch möglich sein, den Spieß umzudrehen, statt „nur“ die Defensivmaßnahmen und Netzwerke – Kollateralschäden inkl. – zu verbessern. Sich (blog)öffentlich über solche Leute lustig zu machen („Bestrafe einen, erziehe 100“ –Mao zugeschrieben) mag im Einzelfall helfen, ist aber aufgrund des Aufwands und der Masse leider keine Lösung. Eigene Shitstorms auf deren Heimblogs lostreten wohl erst recht nicht. Hatr war wohl schon die optimale Idee.

      Antwort

  2. onyx
    Sep 06, 2012 @ 22:11:41

    „Ein Weg damit umzugehen, ist eine strikte Kommentarmoderation.“

    Kann ich nur unterstreichen! Pfeift auf die, die dann empört „Zensur!“ schreien. Es ist euer Blog, es sind eure Regeln. Nicht alles, was unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit geschrieben wird, trägt auch zur konstruktiven Diskussion bei. Kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Ihr würdet auch jeden aus eurer Wohnung werfen, der nur vorbeikommt, um auf euer Sofa zu kacken, weil ihm das Muster darauf nicht passt.

    Antwort

  3. ragingjosefine
    Sep 06, 2012 @ 23:31:26

    Danke dir für die Erwähnung. Der Grund, wieso ich den Post nicht von vorneherein moderiert habe ist ganz pragmatisch der, dass ich in einem Angestelltenverhältnis beschäftigt bin, in dem ich nicht jede Viertelstunde Kommentare lesen und bestätigen/ablehnen kann. Und dies nur alle 4 Stunden zu tun, würde die Diskussion unglaublich hemmen. Also, leider ganz pragmatisch.

    Dazu kommt, dass ich den Blog speziell dafür eingerichtet habe, diesen Post zu veröffentlichen. Wie weit ich den ausbaue und wie oft ich in der Zukunft darauf etwas poste, ist noch unklar. Das heißt, ich habe mir noch keine Gedanken darüber gemacht (auch aus Zeitmangel und vielleicht auch Unerfahrenheit in Zusammenhang mit dem Posten solcher Themen), wie die Policies sein sollten und wie schlimm ich es finde, wenn da Leute rumtrollen. Ich kann das machen, weil ich in dem Bereich nichts zu verlieren habe, außer ein bisschen Zeit. Ich habe beruflich damit nichts zu tun und ich habe bisher keine besonders aktivistische Rolle eingenommen, die irgendwie Schaden nehmen könnte.

    Aber vor allem: Mir ging es in dem Beitrag um das Sichtbarmachen von Dingen, die es vorher nicht waren. Das ganze Getrolle unter dem Artikel ist ein wunderbares Paradebeispiel dafür, wie Argumente verdreht werden, derailt wird und alles so lange umgestellt wird, dass es in die Dogmen der Privilegierten passt. Das habe ich in der letzen Zeit gar nicht mehr so wahrgenommen, weil es in den meisten feministischen Blogs – zu Recht – moderiert und geblockt wird. Würde ich das auch machen, dann hätte ich eine Reproduktion meiner Filterbubble und es blieben nur die konstruktiven Beiträge übrig. Das will ich aber nicht. Das Thema des Posts, nämlich übergriffige Handlungen, kann von sehr vielen Menschen kommentiert werden, weil jede_r übergriffig sein könnte oder Opfer einer solchen Handlung sein kann – und vor allem sehr viele verstehen, worüber ich da rede. Weil es die Manifestation von Strukturen im Kleinen, weil es privat ist. Einen Diskussionsbeitrag zu einem eher theoretisch-akademischen, makrosoziologisch orientierten Ursprungsartikel zu liefern ist aufgrund von Bildungsvoraussetzungen viel schwieriger. Das heißt, die Zugangshürden zu dem Post sind, ganz genau wie bei körperlichen Übergriffen, relativ niedrig. Deswegen habe ich mich entschlossen, nur die persönlich beleidigenden Kommentare zu löschen. Ich will, dass andere Leute sehen, was für eine Kackscheiße die Leute schreiben, wenn frau im Grunde genommen nur versucht, ihnen zu helfen, indem sie ihnen Tipps gibt, wie man es besser machen könnte oder wie es nicht passieren sollte. Leute, die verbal übergriffig werden in der Kommentarsektion eines Posts, der erklärt, wie man sich nicht übergriffig verhält, das ist schon ein gutes Exempel für das, was schief läuft. qed.

    Und ja, es werfen mir Leute dann vor, den Trollen Raum zu geben, den sie nicht verdienen. All die Kommentare sind aber die REAKTION auf etwas, nicht die Aktion selber. Es ist kein luftleerer Raum, in dem das geschieht. Es wird immer in Bezug zum von mir geschriebenen Beitrag stehen. Es ist nicht so, dass ich Leuten sage, „Hier, eine weiße Wand, besprüht sie mit sexistischen Sprüchen!“ Die Trolle werden im Kontext entlarvt. Weil sie z.B. Dinge behaupten, die ich so nie geschrieben habe usw. und ich oder andere ihnen das nachweisen können.

    Ich schließe mich daher deiner Meinung an: Zurückerobern statt ausblenden. Wenn frau die Kraft dazu hat.

    Antwort

    • onyx
      Sep 07, 2012 @ 00:57:27

      @ ragingjosefine

      „Ich will, dass andere Leute sehen, was für eine Kackscheiße die Leute schreiben,“

      Dafür habe ich meine persönliche Lösung gefunden. Eine Lösung, die sichtbar macht, aber keine Diskussion stört.

      Antwort

    • Khaos.Kind
      Sep 07, 2012 @ 15:26:16

      @Josefine

      Dazu kommt, dass ich den Blog speziell dafür eingerichtet habe, diesen Post zu veröffentlichen. Wie weit ich den ausbaue und wie oft ich in der Zukunft darauf etwas poste, ist noch unklar.

      Ich war mal neugierig, was du vor diesem Post geschrieben hast und da ist mir aufgefallen, dass dies der erste in diesem Blog ist. Respekt! Beim ersten Text gleich solche Wellen zu schlagen ist bemerkenswert!
      Also mich würde es sehr freuen, wenn da noch mehr kommt. Du scheinst einen Nerv zu treffen.

      Das habe ich in der letzen Zeit gar nicht mehr so wahrgenommen, weil es in den meisten feministischen Blogs – zu Recht – moderiert und geblockt wird. Würde ich das auch machen, dann hätte ich eine Reproduktion meiner Filterbubble und es blieben nur die konstruktiven Beiträge übrig. Das will ich aber nicht.

      Wie und ob du überhaupt deine Beiträge moderierst, ist allein deine Entscheidung.
      Eine strikte Moderation verfolgt bestimmte Ziele, genau wie du mit deiner Nicht-Moderation. Die Sache ist ja, dass sowohl die eine wie die andere Variante Arbeit macht (bloggen allgemein und die Zeit muss eine*r ja auch erst mal haben) und die eine wie die andere Variante schließt bestimmte Menschen aus. Mal die aggressiven – das wirkt dann ein bisschen wie eine heile Welt, deren böser Zwilling sich auf hatr.org zeigt. Und mal werden die leiseren, konstruktiven Stimmen ausgeschlossen oder gehen unter. Alles Tun und Nicht-tun zeigt eine spezifische Wirkung.
      Ich finde es auch wichtig, immer wieder darauf hinzuweisen, dass die Reaktionen auf teilweise simple Äußerungen unerwartet extrem und ausfällig werden können. Der Kommentarstrang bei dir zeigt das gut. Vielleicht rüttelt das Menschen auf, die bisher noch nichts davon mitbekommen haben. Das ist dann super. Für viele feministische Blogger*innen und Aktivist*innen (nach Selbsteinschätzung, dafür gibt es keinen genauen Maßstab) zeigt sich das Bild, wie ziemlich überall. Hat Helga ja auch schon erwähnt.

      Und ja, es werfen mir Leute dann vor, den Trollen Raum zu geben, den sie nicht verdienen.

      Ich hoffe du zählst obigen Aufruf nicht zu den Vorwürfen. So ist er ja nicht gedacht.
      Dass im verlinkten Text + Kommentarstrang Trolle viel Raum haben, ist ja erst einmal eine Feststellung. Wenn du genau das beabsichtigst, dann fände ich es seltsam, dir vorzuwerfen, du hast dein Ziel erreicht. Ich werfe ja auch keiner Sängerin vor, dass sie von ihrer Musik leben kann. Oder einem Pfleger, dass er tut, was ihm Freude macht.
      Mich haben dein Text und die Kommentare dazu animierst, zu überlegen, ob eine Moderation immer das geeignete Mittel ist. Auf dem eigenen Blog, klar. Kann eine*r walten, wie er*sie*es möchte. Auf fremden Blogs muss ich mich mit den Gegebenheiten auseinander setzen und da finde ich, ist es wirklich mal einen Versuch wert einfach mit Masse an guten Kommentaren „dagegen zu halten“.

      Antwort

  4. Helga
    Sep 07, 2012 @ 00:33:00

    „Mir ging es in dem Beitrag um das Sichtbarmachen von Dingen, die es vorher nicht waren.“
    Die sind unter jedem taz-Artikel zu einem Thema sichtbar oder im SpOn-Forum.

    „Das Thema des Posts, nämlich übergriffige Handlungen, kann von sehr vielen Menschen kommentiert werden, weil jede_r übergriffig sein könnte oder Opfer einer solchen Handlung sein kann – und vor allem sehr viele verstehen, worüber ich da rede.“
    Jetzt steht da gefühlt 100x dass die betroffene Frau selbst schuld ist aus Grund xy. Wo ist da der Mehrwert? Was wird Leuten klar, die das genauso sehen? Dass 100 Leute ihrer Meinung sind?

    „Einen Diskussionsbeitrag zu einem eher theoretisch-akademischen, makrosoziologisch orientierten Ursprungsartikel zu liefern ist aufgrund von Bildungsvoraussetzungen viel schwieriger.“
    Das hat nichts mit dem Löschen von Kommentaren zu tun. Wirklich nichts. Ich bin Bio-Ingenieurin und kann zu all diesen Sachen nichts in akademischen Sprech sagen.

    „Ich will, dass andere Leute sehen, was für eine Kackscheiße die Leute schreiben, wenn frau im Grunde genommen nur versucht, ihnen zu helfen, indem sie ihnen Tipps gibt, wie man es besser machen könnte oder wie es nicht passieren sollte.“
    Ein ehrenhaftes Vorhaben.

    Leute, die verbal übergriffig werden in der Kommentarsektion eines Posts, der erklärt, wie man sich nicht übergriffig verhält, das ist schon ein gutes Exempel für das, was schief läuft. qed.“
    Aber ich bezweifle die Effektivität. Das muss erstmal herausgearbeitet werden, damit es nicht nur zur Selbstabfeierung der Übergriffigen dient.

    „Und ja, es werfen mir Leute dann vor, den Trollen Raum zu geben, den sie nicht verdienen. All die Kommentare sind aber die REAKTION auf etwas, nicht die Aktion selber.“
    Reaktion oder Aktion ist doch auch völlig unerheblich bei Raumnahme. Und es gibt ca 99,99% des Internets, in denen die Trolle eh schon Platz haben, warum gerade unter feministischen Diskussionen?

    „Die Trolle werden im Kontext entlarvt. Weil sie z.B. Dinge behaupten, die ich so nie geschrieben habe usw. und ich oder andere ihnen das nachweisen können.“
    Wie gesagt: Das muss am besten gleich noch einmal auseinander genommen werden. Es prüft nicht jede_r nach und ansonsten stehen die Behauptungen einfach da.

    „Zurückerobern statt ausblenden. Wenn frau die Kraft dazu hat.“
    Ich weiß nicht, wieviele Feminist_innen Du kennst und wie gut. Ich habe keine Kraft, derartige Scheißehaufen abzutragen. Also nicht mehr. Ich mache das seit einigen Jahren und es hat in meinen Augen ungefähr nichts gebracht.

    Was etwas gebracht hat: Gespräche mit Leuten, die sich wirklich für Feminismus interessieren. Das ist immer noch hart genug, jedes einzelne Mal grundlegende Konzepte neu zu erklären. Also nicht gegen schlimme Kackscheiße anreden, sondern einfach 100000x was erklären und gegen Unwissen anreden.

    Antwort

  5. Trackback: Oh Linkspam
  6. ragingjosefine
    Sep 07, 2012 @ 14:18:50

    @Helga,

    „Die sind unter jedem taz-Artikel zu einem Thema sichtbar oder im SpOn-Forum.“
    Ich redete da nicht von den Kommentaren, sondern dem Beitrag selber. Dem Feedback nach beurteile ich es so, dass Leute erleichtert waren, dass das mal artikuliert wurde.

    „Was wird Leuten klar, die das genauso sehen? Dass 100 Leute ihrer Meinung sind?“
    Das vielleicht auch. Ja, das ist leider der unangenehme Nebeneffekt. Aber vor allem sehen die Leute, die die gleiche Meinung wie ich haben, in welcher Masse die Kackscheiße vorhanden ist und dass sie aktiver werden müssen. Das ist zumindest mein naives Ziel. Sollte das nicht funktionieren, ist das sehr, sehr schade. Wie ich aber bereits darlegte, es ist in meinem Fall ein bisschen auch Experiment.

    „Das hat nichts mit dem Löschen von Kommentaren zu tun. Wirklich nichts. Ich bin Bio-Ingenieurin und kann zu all diesen Sachen nichts in akademischen Sprech sagen.“
    Du hast es da leider etwas aus dem Zusammenhang gerissen. Ich vergleiche es mit anderen Beiträgen, in denen die Zugangshürden zur Kommentierung höher sind. Das kann daran liegen, dass es etablierte feministische Blogs sind, akademische Sprache verwendet wird, von Makroebenen geredet wird, die nicht für jeden zugänglich sind, theoretische Auseinandersetzungen sind, die manche nicht erfassen können. Mein Beitrag ist bewusst eine Beschreibung von Vorfällen, in denen der Rückschluss auf zugrundeliegende Strukturen nur in einem Abschnitt vorgenommen wird. Das heißt, auch die Hürde, Derailing zu betreiben, ist relativ gering, nämlich das als Einzelfälle zu proklamieren oder mir einfach eine Drama Queen-Haftigkeit zu unterstellen. Übergriffigkeit wird ja von den Täter_innen genau so verargumentiert. Ich möchte das in Zusammenhang bringen. Ein bisschen exemplarisch aufzeigen, wie jemand, der übergriffig behandelt wird oder in meinem Fall so einen Blogpost schreibt, an den Pranger gestellt wird/marginalisiert oder als zickig/Drama Queen/Sexistin/spießig dargestellt wird. Das, was in den Kommentarspalten passiert, ist genau das, was vielen Frauen blüht, wenn sie Übergriffigkeiten öffentlich anzeigen/kundtun.
    Und letztendlich ist es natürlich auch meine Sache. Ich muss entscheiden, inwiefern ich das aushalte, wie weit ich mich beschimpfen lassen kann, ohne Schaden zu nehmen. Im Moment ärgere ich mich zwar darüber, aber kann das ganz gut abstrahieren. Es tut mir nicht weh, und deswegen kann ich das auch machen.

    „Aber ich bezweifle die Effektivität. Das muss erstmal herausgearbeitet werden, damit es nicht nur zur Selbstabfeierung der Übergriffigen dient.“
    Ja, und dazu brauche ich Hilfe. Ich habe bei mittlerweile über 130 Kommentaren keine endlosen Zeitressourcen, die mir erlauben, alles, was ich für schwierig/scheiße halte, zu kommentieren.

    „Ich weiß nicht, wieviele Feminist_innen Du kennst und wie gut. Ich habe keine Kraft, derartige Scheißehaufen abzutragen. Also nicht mehr.“
    Ja, ich weiß. Ich habe auch nie behauptet, dass dies für alle gelten kann. Aus genau diesem Grund habe ich es relativiert mit ‚Wenn frau die Kraft dazu hat.‘, weil ich genau weiß, dass diese diese endlosen Diskussionen gute Leute verbrennen. Ich für mich kann sagen, dass ich das im Moment ganz gut ertragen kann. Das kann sich auch schnell ändern. Aber ich würde mir es nicht anmaßen, Leute aufzurufen, die das aus guten Gründen nicht mehr können.

    Antwort

  7. Helga
    Sep 07, 2012 @ 17:17:09

    @ragingjosefine: Mir erschließt sich Dein Punkt mit der Sprache immer noch nicht. Es gibt sehr akademische Beiträge in feministischen Blogs, es gibt aber auch sehr viele Beiträge in einfacher gehaltener Sprache. Es gibt Beiträge, die sehr auf Konzepte abzielen, es gibt Beiträge, die mit Beispielen arbeiten. Nichts davon führt zwangsläufig zu vielen trolligen und übergriffigen Kommentaren oder hält trollige Leute vom Kommentieren ab.

    Dass viele Feminist_innen erleichtert sind, dass Übergriffe einmal angesprochen werden, ist klar. Quasi jede Frau und auch einige Männer haben da Geschichten erlebt, für einige ist es dann der Punkt, selbst einmal zu sprechen, andere freuen sich nur, dass das Thema angesprochen wird. Das habe ich schon mehrfach erlebt (auch wenn sich leider nur wenig geändert hat in dieser Zeit).

    Dass es dabei aber immer wieder zum Backlash kommt, ist nichts neues. 2009 bei der re:publica ist es passiert. Piratenweib ist es passiert (um nur zwei Beispiele zu nennen). Das alleine aber ändert (leider) nichts. Von Seiten der re:publica gab es kein offizielles Statement, die Piratenpartei diskutiert immer noch, wie sie mit Sexismus umgehen soll. Jetzt gibt es ein weiteres Beispiel für den Backlash, aber weiter sind wir noch lange nicht.

    Dabei ist gerade dieses Thema „übergriffige Feministen“ eines, das bisher noch nicht aufgegriffen wurde. Eines, bei dem wir dringend konstruktive Diskussionen brauchen, damit feministische Zusammenhänge nicht an Übergriffen zerbrechen, damit Täter_innen nicht neue Opfer finden.

    Daher finde ich das problematisch zu sagen „Ziel war Aufmerksamkeit, Ziel erreicht“. Dieses Ziel zu erreichen ist einfach, die Frage ist was danach kommt. In diesem Fall binden Trolle viel Kraft und Zeit von Feminist_innen und die wichtige Frage nach Übergriffen wird dabei aus den Augen verloren. Was haben wir da gewonnen?

    Schließlich frage ich mich gerade, wie Du Dir das Kommentieren unter Deinem Beitrag denkst. Du möchtest den Mist gerne auseinander nehmen, aber Dir fehlt am Ende die Zeit und Du brauchst Hilfe. Wo soll die auf einmal herkommen? Das kommt mir, mit Verlaub gesagt, naiv vor.

    Antwort

  8. Joachim Schulz
    Sep 07, 2012 @ 19:33:05

    Nochmal zum Beitrag selbst: Nachdem du, Khaos.kind, vorgeschlagen hast, eine Art Kommentarsturm ins Leben zu rufen, habe ich kurz darüber nachgedacht und es dann verworfen. Im Gunde aus den Gründen, die Helga nennt: Es kostet sehr viel Zeit und Nerven, verursacht schlechte Gefühle und bringt nichts.

    Die Hater profitieren in jedem Fall. Wenn wir ruhig bleiben, bieten wir ihnen eine Plattform und sie provozieren weiter, wenn wir zurückflamen haben sie ihr Ziel erreicht und haben ein Beispiel, wo sie zeigen können, wie Aggressiv „der Feminismus“ ist.

    Aber mir gefällt die Idee, öfter mal positiv zu kommentieren. Vielleicht ist es tatsächlich das beste, die ganzen Maskulinisten zu ignorieren und einfach mal Danke zu sagen für einen guten Artikel und nachzufragen, ob ich ihn richtig verstanden habe.

    Mir scheint, dass positive Kommentare rar sind. Wenn mir ein Artikel gefällt, empfehle ich ihn auf Twitter weiter oder verlinke von meinem Blog. Dass ich einen positiven Kommentar schreibe oder bekomme ist eher selten. Also vielleicht stormt man besser an den Hatern vorbei und gibt denen Aufmerksamkeit, die sie verdient haben. Den Blogger_innen.

    Antwort

  9. Piratenweib
    Sep 07, 2012 @ 21:45:29

    Ich glaube, alle beschriebenen Methoden damit umzugehen, haben ihre Berechtigung. Es kommt immer auf eine an, wie sie selbst es verarbeiten kann oder damit umgehen möchte. Ich finde aber deine Idee, die Kommentarspalten zurück zu eroben, wirklich sehr reizvoll. Letztlich aber nur für gefestigte Persönlichkeiten durch zu stehen. Und die Zeitfrage ist natürlich auch ein wesentlicher Aspekt – ich meine immer, die Trolle verbringen 24 Stunden im Netz, wir dagegen haben ein Leben. 🙂
    Aber ich unterstütze alle Aktionen!

    Antwort

  10. Gunslinger
    Sep 07, 2012 @ 22:39:11

    Ich finde diesen deinen Artikel toll! Respekt! Da steckt wohl viel Herzblut drin. Du schreibst sehr kraftvoll. Und … dein Anliegen kommt super rüber. Ich schließe mich deiner Meinung an. Kampf denen, die das Internet mit ihrem Scheiß zuballern. Das ist Unnötig, Unnütz, Ätzend … und letzendlich auch langweilig.

    Sorry zum Schluss … aber ich gehöre (leider?) auch zu denen, die der Meinung sind, dass es genug Feminismus gibt. Genug Gleichberechtigung? … weiß nicht 🙂

    Antwort

  11. A.S.
    Sep 08, 2012 @ 02:50:47

    Wie Helga hier so klar formuliert: Trolle und Hater, und sogar grundsätzlich wohlmeinende aber leseresistente Menschen binden die Kraft und die Zeit, die uns dann fehlt, um uns mit Inhalten (gleich welcher Art) auseinanderzusetzen. Eine Gegenöffentlichkeit zu Helgas gefühlten 99,99% des Internets, die den Trollen schon gehören, schaffen wir, so schwer mir diese Erkenntnis fällt und solange ich dafür gebraucht habe, nur durch kompromisslose Moderation.

    Aber mehr positive, konstruktive Kommentarkultur, notfalls eben an den Trollen vorbei – das finde ich eine hervorragende Anregung!

    Antwort

  12. Trackback: Jetzt wird zurückkommentiert… feministischer Kommentarsturm statt Shitstorm « Gedankensalat…
  13. Kerstin
    Sep 09, 2012 @ 19:35:17

    Find‘ ich gut, Deine Idee. (Sollte die Wunschfee vor mir auftauchen, tät ich darum bitten, dass ein solcher Sturm auch in der kommentierbaren eTagespresse aufzieht, da die zeternden Plappageienschar die Berichterstattung in den Medien – zum. im Bereich häusliche Gewalt – bereits deutlich beeinflusst hat).

    So wie ich Deinen Vorschlag verstehe, geht es weniger darum, auf das Masku-Geplapper zu reagieren sondern vielmehr um ein re-claimen dieser Räume inkl. der Schaffung eines nährenden Klimas u.a. durch positive Verstärkung, an der die feindselige Verbaljauche abperlt?

    Evtl. wäre es sinnvoll, dies zum. anfangs zu organisieren/strukturieren, bspw. durch einen Twitter-Account an den sich Bloggerinnen, deren Fass gerade überlauft sich wenden können, zwecks – eso-Sprech unvermeidbar – energetischer Reinigung und Neuaufladung ihres Blogspaces; was zu einer DM an alle Follower dieses Accounts führt? Es wäre schade, wenn die positive Resonanz die Deine Idee auslöst nach kurzer Zeit diffundiert.

    Another thing: würde es sich auf das SE-Ranking von hatr.org – und damit auf deren Werbeeinnahmen – positiv auswirken, wenn mehr (Text-)Links auf den Komposthaufen verweisen? In dem Fall wäre es evtl. einerseits ein offenlegen des Ausmaßes an Feindseligkeit und Destruktivität mit dem feministische Bloggerinnen tagtäglich zu tun haben.

    In any case: tolle Idee. Like like like.

    Antwort

  14. A. B.
    Nov 26, 2012 @ 10:09:03

    Schöner Artikel!
    Natürlich muss man Artikulieren, dass so kein Dialog möglich ist, dass man versteht, dass sie gar keinen wollen, wo Logik und und/oder Umgangsformen verletzt werden.
    Diese Menschen wollen „nur“ ihr Weltbild nicht wackeln sehen. Das in Frage zu stellen, was für sie das Fundament ihrer Lebensbewältigungsstrategien ist, erscheint ihnen als massive Bedrohung. Daraus spricht doch Angst.
    Man muss irgendwie auch eine neue Krücke anbieten, sonst lassen sie diesen Stock nie los, sie werden sich immer provoziert fühlen und sich gegen jeden Gedanken wehren. Kümmert sich da auch schon jemand drum? :o)

    Antwort

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