Frauen*SommerUniversität 2012 in Wien – Eine Nachschau

Es ist jetzt bald einen Monat her, das eins der größten Projekte – DAS größte Projekt – bei dem ich bisher mitwirkte, nun schon vorbei ist. Wird Zeit, es zu verbloggen.
Um es kurz zu sagen:
Es war gut.
Es war richtig gut.

Vor gut neun Monaten trafen sich fünf Frauen* das erste Mal um zu überlegen, ob und wie wir eine feministische Bildungsveranstaltung – die Frauen*Universität – in Wien auf die Beine stellen können. Die Dauer der Vorbereitung war nicht beabsichtigt, aber irgendwie war dieses Projekt wirklich so etwas wie unser „Baby“. Viele, viele Treffen, Organisationszeug und einiges an Nerven später standen wir am Campus der Universität Wien, in dem Raum, der sich „alte Kapelle“ nennt und eröffneten einen feministischen Herbst.

Frauenzeichen auf dem Altar, links und rechts von Engeln angebetet

Frauen*SommerUniversität, (c) Bettina Frenzel


Vom 19. – 22. September gab es vier Tage lang Vorträge, Workshops, Lesungen, Theater/Performance, einen Film, Frühstück/Buffet und natürlich Party. Vieles wurde angesprochen, angedacht, weiter gedacht. Feminismen leben war das Motto und ich denke, wir haben es geschafft diese Vielfalt an Feminismen und feministischen Ansätzen deutlich zu machen.

Für mich war es eine neue Erfahrung, etwas Derartiges auf die Beine zu stellen. All die Anträge und Anfragen. Die Finanzen aufstellen, Räume finden, Themen auswählen, Vortragenden/Leitenden eine Unterkunft besorgen, die Bewerbung der Veranstaltung, das Essen, die Menschen zu strukturieren und organisieren. Wir haben versucht aufzuzeigen, dass es möglich ist feministisch, hierarchie- und barrierearm, vegetarisch/vegan, Kinderfreundlich, only Frauen*LesbenInterTransPersonen zusammen zu bringen.
Natürlich geht es noch besser. Uns war vorher nicht bewusst, welchen Aufwand es macht, Dolmetscherinnen* für verschiedene Sprachen und Gebärdensprache zu engagieren, weswegen das letztendlich auch nicht geklappt hat. Der Wunsch war da aber wir einfach zu knapp dran.
Bis auf einiges Grummeln im Workshop zu „weißem“ Feminismus in Wien sind uns keine kleineren oder größeren Vorfälle während der Tage bekannt (geworden). Rassismus und Antirassismus und eine kolonialisierte Einstellung in den Köpfen vieler Menschen (und somit auch feministischen Frauen*) sind immer schwierige Themen und ich befürchte, da haben wir alle noch einiges zu denken und zu lernen. Wirklich gut geklappt hat unsere Kinderbetreuung. Ab jedem Alter (des Kindes) und von bezahlten Fachkräften angeboten. Mir ist erst ein paar Tage vorher durch Gespräche wieder mal klar geworden, dass dies keine Selbstverständlichkeit ist. Auch nicht bei feministischen Veranstaltungen.

Die Frauen*SommerUniversität sprach wie erwartet (mag auch mit am Titel gelegen haben) vor allem bildungsnahe Menschen an. Immer wieder tauchte bei den bisherigen Frauen*Universitäten der Wunsch nach mehr Vielfalt und Durchmischung auf. Und scheitert mehr oder minder. Wir hatten dieses Jahr die Idee, eben über Dolmetscherinnen* und Übersetzung der Inhalte mehr Menschen zu erreichen, die nicht oder nicht gut deutsch sprechen. Wie oben erwähnt, fiel das weg und so waren nach meinen Schätzungen auch dieses Jahr die Besucherinnen* hauptsächlich 20 und 35 Jahre alt, eher „weiß“, fast alle mit deutscher Muttersprache.
Und ja, ich denke, das ist mit einer der Gründe, warum die Veranstaltung so gut gelang. Weil sie recht homogen und innerhalb dieser Homogenität trotzdem vielfältig war. Aber es sollte uns klar sein (und ist es nach den ersten Reflexionsgesprächen auch), dass eine Menge an Sichtweisen, Vielfalt und eben auch Konfliktpotential fehlte. Vielleicht ist es auch nicht nur nicht einfach, sondern kaum möglich Menschen die mit Universität und der Geschichte solcher Frauen*Universitäten (als Alternative/Erweiterung zum stark strukturierten, reglementierten Universitätsbetrieb) kaum vertraut sind, zu einer solchen Veranstaltung zu bekommen. Ich weiß es nicht.

Doch will ich es nicht klein reden. Viele tolle Frauen* waren da, sogar ein paar interessierte Männer* (die wir zwar alle wieder weg schickten aber sie haben sehr verständnisvoll reagiert und dann hat es mir fast schon wieder ein wenig Leid getan). Geschätzte 200 Menschen haben diese vier Tage mit Feminismus verbracht. Das ist doch mal ein Ding!
Keine* musste frieren oder hungern oder dursten. Auch mit dem Bierfest, das ab Donnerstag direkt vor der „alten Kapelle“ den Hof 1 des Campus belagerte, haben wir uns gut arrangiert.

Und ich? Ich kam neben dem Orga-Zeug auch dazu, ein paar der Veranstaltungen zu besuchen. Diese werden inhaltlich aber extra verbloggt.
Mein Glück und euer Vorteil ist, dass viele der Veranstaltungen auf Video festgehalten wurden und auf der Seite der Frauen*SommerUniversität 2012 verlinkt sind. Außerdem findet ihr dort Bilder und Berichte und einige der in den Veranstaltungen entstandenen Inhalte.

Was habe ich neu gelernt und nehme mir mit:
– die Teamarbeit war außergewöhnlich phantastisch, ich kann es nicht oft genug sagen
– ich habe viele spannende tolle Menschen kennen gelernt
– ich habe im Radio gesprochen
– Ja, ich kanns!

Was jetzt noch ansteht ist die organisatorische und inhaltliche Nachbereitung, Abrechnungen etc., wir überlegen an einer Veröffentlichung und natürlich werden wir unsere Erfahrungen und Kontakte und Netzwerke mit den Organisatorinnen* der nächsten Frauen*Universität teilen. Die ist nämlich auch schon wieder in der Planungsphase. Der Ort steht: Burgenland. Zeit: voraussichtlich im April

Wir sehen uns dort! Ich kann es kaum erwarten!

 

Zum Weiterlesen bitte hier entlang, denn ich bin nicht die Einzige, die darüber gebloggt hat:
Die Denkwerkstatt war die erste, die mit Eindrücken aufwartete.
Und Ulli Koch fasst zusammen: Es braucht weiterhin Frauen*Räume.
Mir fehlt es etwas an Sprachkenntnissen aber es gibt auch einen russischsprachigen Bericht über die Frauen*SommerUniversität

4 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. imion
    Okt 18, 2012 @ 12:39:13

    Und, wie wurde das Finanziert? Wie viel gab die öffentliche Hand dazu?

    Antworten

    • Khaos.Kind
      Okt 18, 2012 @ 13:50:44

      @Imion
      Finanziert wurde es u.a. durch die öffentliche Hand, die östereichische HochschülerInnenschaft, unterstützende Unternehmen, private Spenden. Welche genau, ist auf der Facebook-Seite und dem Blog zu lesen.

      In welchem Ausmaß ist jedoch irrelevant. Denn es sollte allerdings klar sein, dass das ganze Projekt unterfinanziert war (ja, der Sparkurs der Regierung) und hauptsächlich durch ehrenamtliches, unentgeltliches oder höchstens symbolisch entlohntes Arbeiten vieler Frauen zustande kam.

      Antworten

  2. imion
    Okt 18, 2012 @ 16:57:53

    Ist eigentlich nicht uninteressant. Gerade Feministinnen neigen dazu, das böse Patriachat anzugehen, wenn es mal Geld nur für Männer gab, gibt es ja nicht mehr, weil Feministinnen das bekämpft haben. Und nun erleben wir, wie Steuergelder von Männern dazu genutzt werden, um diese von Veranstaltungen fern zu halten. Ja, das ist Gleichberechtigung wie der Feminismus ihn sich vorstellt. Ganz grosses Handgeklapper.

    Warum eigentlich die Scheu vor Männern? Warum eigentlich dürfen keine Männer an euren veranstaltungen teilnehmen?

    Antworten

    • Khaos.Kind
      Okt 18, 2012 @ 18:03:32

      @imion
      Ich denke es haben inzwischen alle hier Mitlesenden verstanden, dass du was gegen Feminismus/Feminist*innen hast und um deiner Abneigung Ausdruck zu verleihen, gern mal polemischen Blödsinn erzählst. Das brauchst du nicht in jedem Kommentar wieder erläutern. Wir wissen das und du kannst dich auf einer sachlichen Basis einbringen. Solltest du das nicht können oder wollen, dann werde ich dich in Zukunft nicht mehr freischalten. Redundante Kommentare, unabhängig vom Thema, muss ich mir und meinen Mitlesenden nicht antun.

      Steuergelder zeichnen sich dadurch aus, dass sie handlungs- und nicht personen- oder zweckgebunden sind. Welche*r arbeitet, zahlt Lohnsteuer, welche*r einkauft, zahlt entsprechend Mehrwertsteuer, welche*r ein Grundstück kauft, zahlt einen Beitrag dafür. Niemand zahlt Steuern, weil er/sie/es einem bestimmten Geschlecht angehört. Was ein Staat mit den Geldern macht, steht ihm in einem festgesetzten Rahmen frei.

      Die Frauen*SommerUniversität als Veranstaltung nur für Frauen*LesbenInterTransQueerPersonen auszuschreiben war eine Entscheidung, die mit Scheu vor Männern* rein gar nichts zu tun hat. Es hat sich auf vorherigen Frauen*Universitäten gezeigt, dass Teilnehmerinnen* die Auseinandersetzung miteinander und als Betroffene struktureller Benachteiligung sehr schätzen, diesen Raum für inhaltliche Arbeit und Vernetzung nutzen. Diesen Raum wollten wir ihnen bieten. Wenn sich Menschen finden, die eine feministische Veranstaltung open for all genders organisieren, dann bitte, gerne. Zum Beispiel gibt es seit kurzem einen feministischen Lesekreis in Wien, der für alle gender offen ist. Es muss aber nicht jede feministische Veranstaltung für alle gleichermaßen offen sein. Punkt.

      Antworten

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