Der Begriff des Privilegs

Ich glaube kein Begriff ist so diffus wie der des Privilegs.
Über ein Blog bin ich vor kurzem darauf gestoßen und wollte gern meine eigene Definition davon hier posten. Und so suchte ich mir Inspiration. Wer sagt(e) was darüber, was sagt Wikipedia als jederzeit abrufbare Enzyklopädie. Und so kam ich vom Hundertsten ins Tausendste. Von Blogs zu anderen Blogs, zu Tante Google und wieder zurück. Keine Erläuterung war mir konkret genug und so begann ich zu überlegen, was ich genau darunter verstehe.

Im Großen und Ganzen verstehe ich unter Privileg ein Vorrecht. In früheren, historischen Gesellschaften umfasste es ein explizites Vorrecht einer bestimmten Person oder Gruppe. Im Zuge der Moderne und der Ausdifferenzierung gesellschaftlicher Bereiche wurden diese expliziten Privilegien immer implizierter, die Gruppen auf die sie sich beziehen immer unschärfer. Dabei ergeben sich Privilegien sowohl aus rechtsstaatlichen Regelungen wie Gesetzen und ebenso aus gesellschaftlichen Normen, die von jeweils unterschiedlichen AkteurInnen und deren Weltbildern gestaltet werden. Mehr

Equal Pay Day in Deutschland 2011

Heute ist/war in Deutschland der sogenannte Equal Pay Day, ein Tag, der die ungleiche Entlohnung thematisiert und problematisiert, indem er variabel ist. Erst am heutigen Tage hätten Frauen* in Deutschland das durchschnittliche Jahreseinkommen eines Mannes* 2010 erwirtschaftet, denn sie verdienen im Schnitt 23% weniger.
Schon krass oder?
Aber keine Sorgen meine deutschen Freunde und Freundinnen, in Österreich „feiern“ wir diesen Tag erst Mitte April.

Natürlich sind diese 23% etwas plakativ angesetzt. Der Tag ist nämlich nur auf die geschlechtsspezifischen Unterschiede bezogen. Als angehende Wissenschafterin weiß ich, dass dieser Fokus nicht die Realität umfassend wiedergibt und ich hoffe, die Personen, die das Problem angehen sollen, wissen das auch. Denn die ungleiche Entlohnung trifft ja nicht nur die Geschlechter, sondern differenziert sich auch nach klassenspezifischen oder kulturspezifischen² Gründen aus.
Wer sich für Zahlen und Statistiken interessiert und wissen möchte, was es mit den ~23% Lohnunterschied auf sich hat, findet bei der Mädchenmannschaft einen guten Artikel mit vielen Verweisen auf Veröffentlichungen. Bitte auch die Kommentare lesen. Und natürlich das Dossier zum Equal Pay Day. Mehr

Wohin gehst du?

Ein paar erste Gedanken zur Demonstration.

Ein „Tschüss“, ein „Bis bald“ und die Wege trennen sich.
Gesichter, eben noch strahlend, eine Idee, einen Kampf teilend, machen sich auf dem Weg nach… ja wohin?
Zielstrebig, die Hände in die Taschen meiner roten Jacke versunken, steige ich die Treppen zur U-Bahn-Station hinab. Der Schal in Strickoptik spielt ein wenig mit dem warmen Luftstrom, der mir entgegenweht.
Ich frage mich, wohin die Menschen gehen, die ich nicht kenne und mit denen ich doch ein paar Stunden verbracht habe.

Wohin geht das kleine Mädchen mit dem „Mädchen können alles“-Plakat in ihrer kleinen, von der Kälte rot angelaufenen Hand? Kommt es in ein behütetes Heim, die Mutter oder den Vater an der Hand und erzählt ununterbrochen von den vielen Menschen und Eindrücken, die es auf der Demonstration sah? Bekommt es ein gutes Abendessen oder legt die kleine Familie eine Pause bei McDonalds ein? Ist sein Heim groß genug zum spielen und lernen oder muss es sich das Zimmer mit kleinen Geschwisterchen teilen, vollgestopft mit Puppen, Autos und Kuscheltieren? Weiß es, dass in einem anderen Zuhause ein Kind hungrig ins Bett geht? Mehr

Beruf: Geschlecht

Zwei Fragen begleitet mich seit Beginn des Bachelorstudiums: Und was bist du dann? Was kannst du damit machen?

Zumeist folgt darauf ein kurzes Schweigen. Ich überlege.

„Früher“ war ein/e TischlerIn eben TischlerIn und ein/e FriseurIn eben FriseurIn. Doch die Berufswelt hat sich in den letzten Jahrzehnten immer mehr ausdifferenziert und pluralisiert. Ein Lernweg eröffnet viele berufliche Möglichkeiten. Manche vorgegeben, manche selbst geschaffen.
Diese Uneindeutigkeit bedarf scheinbar einer Rechtfertigung. Zumindest einer Erklärung.

Nur, wie erklären?
Im ersten Semester des Bachelorstudiums durften wir diesen tollen Satz auswendig lernen:
Soziale Arbeit erforscht Soziale Probleme, trägt zu ihrer Prävention und Lösung bei.
Klang kurz und nett. Blöderweise war hinterher niemanden schlauer als vorher. Der tolle kurze Satz machte eine Ausführung des Begriffs „Soziales Problem“ notwendig, was das ist, was eins ausmacht etc. (= der Inhalt der anderen sechs Semester Studium). Und letztendlich lief es dann doch darauf hinaus einfach zu sagen, in welchen Bereichen ich später arbeiten könnte. Meist erhellte sich daraufhin das Gesicht meines Gegenübers und es sprach „Ach, du wirst so was wie Schulsozialpädagogin/Die Supernanny?“ Ja. Nee. Jein…

In den Gender Studies ist das leider nicht einfacher. Nicht mal einen simplen Satz darf ich auswendig lernen. Irgendwann im Laufe des Studiums wird sich schon herausstellen, was genau ich da eigentlich studiere und was ich später damit anfangen kann. Oder wie ich mich nenne. Seit letztem Sommer bin ich „Staatlich anerkannte Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin“. Voraussichtlich im Sommer 2012 bin ich dann… „Gender Studierte“? Das klingt ja furchtbar!
Mhm… Bin ich „Expertin für Geschechterfragen“? Trifft es auch nicht ganz.
Soll ich mich „Fachfrau für die sozialwissenschaftliche Analyse gesellschaftlicher Phänomene in Bezug zur Wirkung der Denkkategorie Geschlecht“ nennen? Das entspräche so in etwa dem, was ich mir an Fähig- und Fertigkeiten anzueignen gedenke. Aber das passt doch auf keine Visitenkarte! Mehr

Wundersame weibliche Brust

Das Khaos.kind hat letzte Woche wieder mal ferngesehen. Kult um den Busen. Auf arte. (leider nicht mehr online verfügbar)
Die Sendung hat bei mir die Frage aufgeworfen, welchen Zugang die Geschlechter zur weiblichen* Brust haben und ob sie sich darin unterscheiden:

Für viele Frauen* ist die Brust ein bestimmender Faktor für den eigenen Selbstwert. Das beginnt in der Pubertät mit den Fragen, ob sie wächst und wann und wie groß wird sie einmal sein. Egal, ob die Brust erst spät anfängt zu wachsen oder relativ klein bleibt oder wenn sie früh wächst und groß wird – beides kann für eine Heranwachsende schwierig sein. Zudem die Brust nicht gleich so „schön“ wächst, wie sie in den Medien zumeist dargestellt wird. Mehr

Neue Traditionen und das Vorsatzdilemma

Ein (P)review.

 

Während draußen die ersten Menschen ihr Geld in bunten Farben in den Wind schossen und die Luft mit dem typischen Duft von Silvester erfüllten, saß ich und schrieb einen Brief. An mich.

Eine wunderbare Frau hat mich darauf gebracht. In der Zeit, in der die Welt zurück blickt und ein TV-Sender nach dem anderen in der Melancholie und Sehnsucht des Gestern schwelgt, sehe ich nach vorne. Was wünsche ich meinem zukünftigen Ich, welche Pläne habe ich für das kommende Jahr? Ob sie sich bewahrheiten werden?

Same same but different. Mehr

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