Begriffsklärung

Der Geschlechterbegriff

…der hier verwendet wird, ist bewusst deutsch gehalten.
Die Verlegung vom deutschen Geschlechtsbegriff auf die englischen Begriffe des „sex“ (als biologisches Geschlecht) und „gender“ (als soziales bzw. kulturelles“ Geschlecht) geht auf die Forschungen des „Doing Gender“-Konzepts v.a. von Candace West und Don H. Zimmerman zurück. Nur, dass in deren Aufteilung ein weiterer wichtiger Punkt genannt wird, der meist unter den Tisch fällt: die sex category.
Kurzer Exkurs
Wenn „sex“ das biologische Geschlecht darstellt, dann steht „sex category“ für all die Erwartungen und Rollenvorstellungen, die von der Welt, in die ein neuer Mensch hineingeboren wird, an dieses „sex“ gekoppelt sind. Und „gender“ ist dann quasi das Geschlecht, in dem ein Mensch lebt, die mit den biologischen Anlagen aber nicht zwingend überein stimmen muss.
Während West/Zimmerman noch davon ausgingen, dass „gender“ sozial konstruiert und hergestellt wird (im späteren Un/Doing Gender-Konzept dann auch dekonstruiert werden kann), wurde „sex“ als kaum veränderliche natürliche Größe gesehen. Die aufkommende Queer Theory und allen voran Judith Butler stellten die Annahme eines natürlichen Geschlechts zunehmend in Frage.

Es gab eine Zeit, in der die Verwendung von „sex“ und „gender“ den gewünschten Effekt erzielte. Und es gibt Bereiche, in denen die Verwendung noch immer angebracht ist.
Ich verwende in diesem Blog bewusst wieder das deutsche Wort, weil es in meinen Augen alle Formen und Varianten einschließt. Besonderheiten bzw. wenn eine bestimmte Form/Variante gemeint ist, werde ich es entsprechend kennzeichnen.

„Mein“ Feminismus

Ich bezeichne mich selbst als Feministin. Weil das, was ich vertrete in etwa den Ideen entspricht, die das Label „Feminismus“ tragen. Ich tue das, auch wenn ich nicht mit allen Ausformungen dieser sozialen Bewegung gleichermaßen konform gehe. Ich tue das, obwohl und gerade weil ich weiß, wie negativ der Begriff im öffentlichen Raum belegt ist.
Unter Feminismus verstehe ich eine Emanzipationsströmung, die die Vorstellung und Gesellschaftsstruktur überwinden will, dass Frauen*/Weiblichkeit minderwertig/anders im Vergleich zu Männern*/Männlichkeit sind. Dieses als Dichotomie zweier Geschlechter betitelte Phänomen bezieht sich aber nicht zwingend auf männliche und weibliche Menschen. Die Struktur hinter diesem Phänomen wird als Patriarchat bezeichnet. Das heißt, es gibt auf der individuellen Ebene genauso männliche Feministen wie weibliche Patriarchinnen. Die „Grenze“ verläuft nicht zwischen Individuen. Oder nicht nur.
Mein Anliegen ist eine Gesellschaft ohne diese Polarität geschlechtlicher Stereotype. Nicht „Frauen sind so“ oder „Männer sind so“. Einzig, was diese Menschen unterscheidet, ist, dass ein Typus Nachwuchs austragen kann und ein anderer nicht. Natürlich hängt da einiges an damit zusammenwirkenden Faktoren wie z.B. ein unterschiedlich strukturierter Hormonhaushalt oder unterschiedliche Phänotypen mit dran, doch sollte dies in meinen Augen kein Hinderungsgrund für die freie Entfaltung eines Individuums sein. Als Menschen sollten wir alle gleich viel Wert sein.

In diesem Sinne vertrete ich einen Egalitätsanspruch im Sinne von Beauvoir. Beide/Alle Geschlechter sind gleich, wenn auch in anderen Ausprägungen. Darin fließt ein wenig der konstruktivistische Ansatz nach Butler ein. Wie eine Ausprägung einer Person zugeschrieben wird, ist von Menschen erdacht und diese Zuschreibungen werden gewertet. Nicht konform gehe ich mit Butler, dass eine Dekonstruktion die Lösung aller Probleme ist, eben aus dem Grund, dass es unterschiedliche Ausprägungen gibt.

Das Sternchen *

Im Laufe dieses Blogs stehen immer wieder mal * an oder innerhalb von Wörtern. Hauptsächlich an Wörtern, die mit Geschlecht zu tun haben. Sowas wie männlich*, weiblich* Mann*, Frau* aber auch Freund*innen, Arbeiter*innen, Schüler*innen, Leser*innen und so weiter.
Dieses Sternchen ist eine Variante des kreativen geschlechter-/diskriminierungssensiblen Schreibens. Ich versuche damit deutlich zu machen, dass es mehr gibt als die verbreitete Ansicht der Zweigeschlechtlichkeit (= es gibt männliche und weibliche Menschen, die sich im „Idealfall“ aufeinander beziehen). Die meisten mir bekannten Menschen neigen dazu, sich eher dem einen oder anderen zuzurechnen – warum sei erst mal dahin gestellt. Das dies jedoch in sich sehr breit gefächerte Bilder von Männlichkeit/Weiblichkeit beinhaltet und ich um die Vielfältigkeit weiß, versuche ich durch die * am Ende mancher Begriffe deutlich zu machen. Wörter ohne Sternchen sind entweder aus Blogeinträgen, die bereits älter sind und ich nich nachbearbeiten mag (ist schließlich auch mein Lernprozess, der sich dadurch zeigt) oder auf Selbstverortung von mir bekannten Menschen innerhalb der Zweigeschlechtlichkeit bezogen.

Du hast ein Hirn, du hast eine Stimme, du hast eine Meinung. Also habe niemals Angst, deinen Standpunkt klar zu machen. Trotzdem bitte ich darum, dass du dich vor deinem Kommentar mit den hier geltenden Regeln (unter "Grundsätzliches") vertraut machst. Zum Kommentieren ist mindestens eine gültige E-Mail-Adresse erforderlich.

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