Wir brauchen einen feministischen Kommentarsturm, Leute!

Wieder einmal das alte Muster.
Ein Mensch schreibt über Feminismus. Oder Frauen*. Oder Männer*. Oder über irgendwas, das mit Geschlecht oder Geschlechterverhältnissen zu tun hat.
Schon fallen sie ein.
Die(se) nicht immer unbekannten Persönlichkeiten. Mit dem nicht selten bekannten, beinahe als typisch zu bezeichnenden „Anmerkungen“, „Beiträgen“, „Fragen“, „Argumenten“. Die genau deshalb in Anführungszeichen stehen, weil es allzu oft eher Stellungnahmen als Anmerkungen, mehr Forderungen als Beiträge, mehr rhetorische als offene Fragen, mehr populärwissenschaftliches Geblubber als wirklich Argumente sind.
Es ist kein sachliches Anfangen und sich evtl. hinein steigern. Es ist kein Missverständnis. Es ist nicht ausdiskutierbar. Und vor allem ist es eins nicht: Zufall. Mehr

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Hängen geblieben, die Links der KW 35/12

Ihr wisst nicht, wie und womit ihr die neue Woche beginnen sollt? Ich hab da aus den letzten sieben Tagen mal ein paar sehr lesenswerte Texte für euch.

 

Heldin
Kym Worthy ist die Heldin der Woche im Kampf gegen r*pe (englisch)
via Twitter erdbeerfrosch

Sexualität(en)
Die Grafik der Woche: Was passiert, wenn Homosexuelle heiraten
via Twitter: Anie

Männer* erklären anderen Männern* die Welt
Auch diese Woche im Angebot: (wieder) ein Text eines feministisch interessierten Mannes* zum Thema Privilegien

Sven Broder schrieb da eine Replik zu Walter Hollsteins „Die ungestellte Männerfrage“

Selbstermächtigung
Übergriffige Polizei und die Idee einer Petition (Triggerwarnung, der sexistische Vorfall/Übergriff wird sehr genau beschrieben). Maike von Wegen hat mein absolutes Mitgefühl und meine Unterstützung! Seid ihr dabei?

Umwelt
Mal was anderes. Die Erderwärmung und ihre bisher spür- und sichtbaren Folgen.

Sexismus in der Wikipedia
Must read! Die FemGeeks haben sich die deutschsprachige Wikipedia mal genauer angesehen

Wissenschaft
Leben ohne Atmen? Neueste Forschungen scheinen das vielleicht möglich zu machen (englisch)
via Twitter: Marina Weisband

Fachjournale zwingen Autoren (sic!) zum Zitieren der von ihnen genannten Quellen
via Twitter: Katrin Rönicke

Wissenswert
Twitter kurz erklärt (und gut!)

(Partei)Politik
Österreich
Auf dem rechten Auge ist die Alpenrepublik blind, so scheint es. Auf jeden Fall bräuchte sie eine starke Brille. Der aktuelle Antiseminismus-Fail der „Freiheitlichen Partei Österreichs“ (die blau getarnten brauen) schlägt internationale Wellen. Hier gibt’s eine gute Analyse aus der ZEIT  (die zum Glück nicht nur antifeministischen Müll produziert). Bezeichnend auch dieser Artikel aus dem Standard  Etwas witziger gibt’s einen Kommentar zur Thematik von einem meiner Lieblings-Kabarettisten, Florian Scheuba.

Termine
Es wird ein feministischer Herbst in Wien. Folgende Sachen solltet ihr euch gleich in den Kalender schreiben:
In knapp 3 Wochen beginnt die FrauenSommerUniversität, das rampenfiber Musikfestival und die queer-feministische FußBALLade. Das rampenfiber sucht übrigens noch Menschen, die für sie schreiben und mithelfen.

Außerdem gibt es schon Termine für feministische Aktionstage im Oktober in Wien
via Twitter: Maoam

„Ich als Frau…

… finde dieses und jenes gut/schlecht/unangemessen/übertrieben.“

Ihr kennt das. Dieser Spruch, der vor allem fällt, wenn es um Diskriminierung und deren Bekämpfung geht. Allerdings nicht um auf sexistische Missstände hinzuweisen oder um Betroffenheit zu signalisieren. Sondern gerade andersrum, um sie zu entkräften. Weil eine* sich z.B. trotzdem vom sogenannten „generischen Maskulinum“ angesprochen fühlt. Oder vom Ansprechen/Rufen auf der Straße nicht belästigt. Oder die halbnackte Frauen*körper neben Autos/Gummistiefeln/Rasenmähern nicht stören.

Nur: Das ist kein Argument. Kein Beleg. Für gar nichts.

Welchen Gehalt hat denn diese Aussage?

Drehen wir das doch einmal um. Mehr

Hängen geblieben, die Links der Woche 34/12

Selbst kam ich diese Woche nur zum Entwerfen von Blogartikeln. Habe wohl zuviel Zeit mit lesen verbracht. Hier nun die Ausbeute, die ich schwesterlich mit euch teile.

Ausgegraben
Diese Links verstaubten in einem Entwurf noch aus dem Jahr 2011. In meinen Augen bleiben sie jedoch zeitlos.

Since when did it become en vouge to be politically incorrect? (english)

Warum Statistik wichtig ist und wie statistische Daten richtig gelesen werden

Feminismus
Keksfeminismus in der Emma: Vater trägt Rock um seinem Sohn ein Vorbild zu sein
Nette Idee aber ich weiß nicht. Mir sind Männer* lieber, die von sich aus auf die Idee kommen, Rock zu tragen. Und Kekse brauchts dafür auch nicht.
Den Rest erklärt die kaltmamsell

SOWAS VON WAHR: The Seven Stages of Feminist Grief (Todd Akin edition)
Anmerkung: Ich mag es nicht wiederholen, was besagter US-Republikaner von sich gegeben hat. Ihr habt Suchmaschinen. Nutzt sie. Ich gebe euch dafür eine Triggerwarnung für r*pe mit, was ihr findet, könnte nämlich echt unterirdisch werden.
(via Facebook)

Wie Feminist*innen eben so sind. Von sanczny.

Joachim aus der Quantenwelt stellt klar:Gender ist auch für Naturwissenschafter eine bedeutende Kategorie.

Das druckte ich mir aus und hängte es an meine Klo-Tür: feministisches Bildergut beim steinmädchen
(via Twitter: @piratenweib)

Filme
Bei mir gabs diese Woche nichts zu Filmen. Aber bei den femgeeks fand ich diesen schönen Post über Frauen* HINTER der Kamera

Neuer Lesestoff
Neue internationale Gender-Zeitschrift: Generos
(via Twitter: @Genderbib)

Wer sie nicht kennt, verpasst etwas. Es strotzt vor Sarkasmus und Realsatire – die Welt aus feministischer Sicht eben. In lesenswert. Und Zombies mag die Maren auch noch. Mensch muss sie einfach lieben! Daher an dieser Stelle eine besondere Empfehlung für ihr Blog mit neuer Adresse: Die komische Olle

Hängen geblieben, die Links der Woche 33/12

In meinem Teil des Internets war diese Woche wieder viel los. Und bei euch so?

Sexismus
Maike von Wegen erteilt Menschen eine Absage, die sie kleinreden wollen.

Einfach Hillary(ous)!
(via Twitter: re-empowerment)

(passt eigentlich zu allen Diskriminierungsformen)
Seit Welding meint „Kackscheiße“ zu sagen, würde konstruktive Diskussionen unterbinden, sage ich öfter Kackscheße. Eine muss die Dinge ja beim Namen nennen. Andere waren da übrigens ausführlicher: die Ruhrbarone oder Antje Schrupp oder dieser tolle Kommentar von Helga

Dann war da noch dieser Typ, der um Asyl ansuchte, weil er nicht zu den Vorwürfen der Vergewaltigung befragt werden will… und irgendwelche Menschen wieder dachten die Anklagen klein zu reden mit geplatzten Kondomen. Helga erklärt, warum das Kackscheiße ist und was es mit Vergewaltigungskultur auf sich hat.

Rassismus
Erinnert ihr euch an die zwei Polizisten, die Mitglieder im Ku-Klux-Klan sind? Und habt auch gehofft, dass da was passiert? Tja, zu früh gefreut. Die Mitgliedschaft bleibt folgenlos. Weil zu spät beschwert. Tschuldigung, aber Rassismus verjährt nicht!

Passend dazu, brachte die Amadeus-Antonio-Stiftung einen beängstigenden Report heraus: Das Kartell der Verharmloser – wie blind Behörden gegenüber Rechts sind

Feminismus
Antje Schrupp hat manchmal einfach keinen Bock mehr. Zu diesem Post gab es einiges an Kritik und auch bei mir liegt ein Entwurf dazu rum, der demnächst folgen wird.

Dass ich grundsätzlich erst mal positiv dazu stehe, dass Männer* ihre eigenen Standpunkte zu Feminismus finden, ist kein Geheimnis. Nun stieß ich auf diesen Blog und bin gespannt, was da noch kommt. Der erste Beitrag macht mir übrigens Bauchweh.

Brigitte von der Denkwerkstatt war am Montag im Radio.  Zum Nachhören hier entlang

Außerdem gabs (mal wieder) ein antifeministisches Gate in der Wikipedia, von dem Andreas Kemper berichtet
(via Twitter: feminist geeks)

Und wo wir schon bei der Wikipedia sind. Es geistert immer wieder der Begriff Equitiyfeminismus durch die Blogosphäre und ich dachte, ich wiki mal (heißt das so?), ob es dazu was gibt. Mir ist ja fast das Frühstück wieder hoch gekommen, als ich las, dass die Definition von einer Antifeministin stammt, die sich mal eben ein Feindbild namens Genderfeminismus gebastelt hat. Jede*r sieht auf den ersten Blick, was für ein Müll das ist. Für alle, die es gern ausführlicher hätten, danke ich sancny tausendfach für diesen tollen Artikel!

Und auch diese Woche gab es erhellende Worte von Anatol Stefanowitsch, diesmal zum Thema Diskriminierung und (Un)Verständnis

(Partei)Politik
Deutschland
Ein paar Gedanken zu Europa in der Schuldenkrise.

Eine Liberale ganz nach meinem Geschmack: Leutheusser-Schnarrenberger will Homo-Paaren volles Adoptionsrecht geben

(mehr so ein Netzding, sehe ich allerdings auch in einer politischen Dimension)
Katrin Rönicke gibt (imho gute) Tipps, wie eine*r sich verhalten kann, wenn ihm/ihr Kinderpornographie im Netz begegnet. Aufhänger des Ganzen war wohl ein Twitter-Account, der kinderpornographische Bilder verteilt hat.
(via Twitter: Netzfeminismus

Österreich
In Österreich soll es neue Zufluchtsstätten für Opfer von Zwangsheirat geben

In eigener Sache
Das Programm der FrauenSommerUniversität ist endlich online! Zur Anmeldung fürs Programm und für die Kinderbetreuung (alle Altersstufen). Und hier gehts zur Schlafplatzbörse in Kooperation mit rampenfiber.
An Dolmetscherinnen* (auch für Gebärdensprache) arbeiten wir noch. Stay tuned.

Morgen Abend gibt’s in Wien das erste Mal Netzfeminismus und Bier!

Die Illusion der gleichen Hausarbeitsverteilung: Ein Update

Es ist jetzt etwa 1,5 Jahre her und einer der meistgesuchtesten Begriffe in diesem Blog: Ein Putz- bzw. Haushaltsplan für Paare und WGs.
Nachdem erneut ein Bericht über die Fiktion der Gleichheit durch die Welt floss, dass selbst die (hetero)Paare, die viel Wert auf Gleichberechtigung in der Beziehung legen, es mit der Haushaltsaufteilung nicht wirklich hinbekommen – es aber dafür halten – erzähl ich mal was über meinen aktuellen Stand.
Derselbe Mensch an meiner Seite, wie damals. Seit Juni eine größere Wohnung. Noch keine Kinder. Noch keine Haustiere. Mittlerweile beide in der Abschlussphase des Masterstudiums und berufstätig. Mehr

Hängen geblieben, die Links der Woche 32/12

So, ab dieser Woche versuche ich mich auch mal darin, euch ein paar Texte zu empfehlen, die ich für lesens- und be_merkenswert halte. Die Auswahl ist notwendigerweise unvollständig und es eint sie lediglich, dass sie mir in dieser letzten Woche so über den Weg lief.
Der Übersicht halber habe ich versucht, die Links thematisch ein wenig zu ordnen. Nur weils GeschlechterCHAOS heißt, muss es ja nicht auch so aussehen, ne?

Sexismus
Kiturak über Sexismus oder Faulheit

Weil ich es auch nicht besser ausdrücken kann, warum diese rosa Überaschungsei-Sache so furchtbar unüberraschend beknackt und zum Kotzen ist wie Dr. Mutti

Geschlechtsbezogene Gewalt ist in der Türkei die häufigste Todesursache für Frauen* zwischen 15 und 44
(via Twitter: re-empowerment)

 

Beruf
Neue Studie: Frauen haben weniger Chancen auf Forschungsförderung 
(via Twitter en ha)

Joachim Schulz vom Blog Quantenwelt schaut sich Studien an, die erforscht haben ob Hormone die Berufswahl steuern

Schock: In Deutschland gibt es genau 1 Entbindungshelfer (pdf, das schreit nach Einzelfall!) . In Österreich nicht einmal das 

 

Rassismus
Student*innen berichten über rassistische Erfahrungen an ihrer Uni
(via Twitter: Naekubi)

 

Familie
Nele Tabler fragt sich, wie Familie definiert wird und ob die für Frauen mit den Wechseljahren aufhört

Umgangsrecht wiegt schwerer als nationalsozialistische Gefahr 
(via Twitter: Anne Roth)

 

(Partei)Politik
Deutschland
Junge Union will Studierendenvertretung abschaffen
(via Twitter:  Simon Kowalewski)

Österreich
Radfahrer*innenwahn in Wien? Polemik und wie es wirklich aussieht
(via Twitter: Armin Wolf)

Elfriede Hammerl über die Vorarlberger Männerpartei (die nächstes Jahr zur Nationalratswahl antreten will)

 

Wissenswertes
Im Mädchenblog würde ein neuer Reader zu den Gender Studies rezensiert. Klingt gut. Muss ich auch unbedingt mal lesen.

Corinna hat sich mal erkundigt: Wie viele transidente Personen gibt es eigentlich
(via Twitter: Helga)

Alles was hier so steht, ich kann mich ehrlich nicht entscheiden, welchen einzelnen Beitrag ich da verlinken soll

 

In eigener Sache
Für die FrauenSommerUni 2012 werden noch Übersetzerinnen*/Dolmetscherinnen* gesucht (facebook-Link, übersetzen lohnt sich nur, wenn auch vor Ort dolmentschen möglich ist, es werden auch Gebärdensprach-Dolmetscherinnen* gesucht)

Ich habe von HighonCliches einen tollen tumblr übernommen: No more time to waste Ich muss mich zwar noch etwas durchwursteln aber das Prinzip bleibt das Gleiche: Ein Haufen guter Nachrichten, die gesammelt werden wollen. Schlechte Nachrichten gibt es schon genug!

F³ – Tomboy

Die neue Familie im Wohnblock. Ein entfernt arbeitender und daher meist abwesender, liebevoller Vater. Eine hochschwangere, wortkarge Mutter. Jeanne, die am liebsten im rosa Tutu durch die Wohnung tanzt. Und ja – das den ersten Blick androgyn wirkende älteste Kind.

Es ist ein fröhliches Familienleben, das anfangs gezeigt wird. Das älteste Kind, wie es mit seiner Schwester spielt, mit dem Vater Auto fährt, kuschelt. Kind eben – Geschlecht egal.
Oder auch nicht.
Das Kind, das sich der neuen Nachbarin Lisa und der ansässigen Kindergruppe mit „Michael“ vorstellt, ist in seiner Familie nämlich als Laure bekannt…
(ab jetzt kommen Spoiler, wer davon nichts wissen will, der/die/das sollte besser nicht weiter lesen.) Mehr

Alles nicht so einfach. Oder: Gender matters

Vor kurzem wurde ein (englischer) Blogpost in meine Twitter-Timeline gespült. Den auch ich fleißig verbreitet habe, weil ich ihn spannend und gut und wichtig finde: Feminism for dudes (from a dude)
Wie der Name schon sagt, geht es darum, die Grundlagen von und Herangehensweise an Feminismus zu erklären – für Männer* und VON Männern*. Phantastisch soweit.
Heute nun schreibt der Online-Freitag über dieses Phänomen, den obigen Blogartikel und dieses ebenfalls englischsprachige Buch (The Guys Guide to Feminism). Unpassenderweise trägt der Artikel die Überschrift: Die Erklärbären. Die Verbreitung auf Twitter ist dann auch ähnlich missglückt:

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Ausgelesen: Das Orangenmädchen (von Jostein Gaarder)

Letzten Donnerstag hatte ich noch etwas Zeit zwischen zwei Terminen und diese verbrachte ich im Buchladen am Campus. Und weil so schönes Wetter war und das Konto noch relativ gut gefüllt, kam das dabei heraus:

Unter anderem im Bücherberg: Das Orangenmädchen von Jostein Gaarder. Mehr

Bloggen gegen die Zeit

Ich habe mich heute auf Twitter mal wieder darüber beschwert gejammert, dass ich nicht zum Bloggen komme. Beziehungsweise, dass ich zwar unzählige angefangene Postings und Themen in einer Liste auf meinem PC gesammelt habe, teilweise stehen auch schon Entwürfe, Einleitungen, Zwischenteile, Textstrukturen aber so gut wie nichts findet seinen Weg hier her.

Das liegt nicht, wie der Titel vielleicht vermuten lässt, an der fehlenden Zeit. Aber das Problem hat unter anderem auch mit Zeit zu tun.

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Ich und die Gender Studies, Teil I

Das Semester ist vorbei. Alle Prüfungen und Präsentationen habe ich hinter mir. Ich habe Urlaub. Ein paar Tage.
Also endlich wieder mehr Zeit zum bloggen – dachte ich mir. Und weil mir ja meine Leser*innen wichtig sind, die Liste der geplanten Blogeinträge sowieso lang genug, fragte ich auf Twitter rum, was andere gern mal von mir lesen würden. Aus dem, was dort zurück kam, entsteht dieser Blogeintrag. Und wohl auch die nächsten paar. Interessanterweise häuften sich die Vorschläge in einem Bereich, der in meiner „zu bloggen“-Liste noch gar nicht steht: mein Studium.

Wie unschwer herauszufinden, studiere ich derzeit im Master Gender Studies in Wien.
Strukturell gesehen heißt das, in zwei Jahren Einführungs-, Vertiefungs-, Schwerpunkt- und Reflexionsmodule belegen, am Ende eine wissenschaftliche Arbeit schreiben und somit den akademischen Titel „Master of Arts“ erhalten. So weit, so einfach. Da die Studienvoraussetzungen in Wien bewusst offen gehalten sind und nur mindestens ein Bachelorabschluss vorhanden sein muss, sind die Studierenden relativ heterogen von ihren „Ursprungsdisziplinen“ her. Es gibt gewisse Häufungen in den Kultur- und Sozialwissenschaften, Anthropologie, Soziologie und Sozialarbeit/-pädagogik. Aber allgemein ist von Jurist*innen, Sprachwissenschafter*innen, Literaturwissenschafter*innen, Physiker*innen oder Lehrkräften alles ein bisschen vertreten. Die Anzahl an Studenten ist vergleichsweise gering aber vorhanden. Die Lehrenden sind aus strukturellen Gründen zu 90% Externe und können daher aus den verschiedensten Bereichen ihr Wissen einbringen.

Die Gender Studies nutzen die Freiräume, die das Modulsystem ihnen bietet. So gibt es zwar Empfehlungen z.B. die Einführungsveranstaltungen zu Beginn und die Reflexionsmodule erst mit einem gewissen Vorwissen zu belegen aber grundsätzlich sind die Lehrveranstaltungen frei wähl- und kombinierbar. Eigene Schwerpunktsetzungen sind möglich, sind gewünscht.
Nun wurde ich gefragt, was ich denn so für Schwerpunkte für mein Studium gesetzt habe. Diese Frage kann ich gar nicht wirklich beantworten. Aus meinen bisherigen Lehrveranstaltungen ergibt sich kein Muster oder so etwas. Ich wählte jedes Semester aus, was für mich am spannendsten klang und wo momentan mein Interesse lag. Grundsätzlich sauge ich alles Wissen auf, was ich mitnehmen kann, belege dafür auch mal ein paar Sachen doppelt (also eine Lehrveranstaltung, für die ich die ECTS eigentlich schon habe aber in deren Rahmen in einem anderen Semester ein anderes Thema besprochen wird). Ich habe Seminare zu Ökonomie, Familienkonstruktionen, Intersektionalität, Legal Gender Studies (feministischen Rechtswissenschaft) und diverse Methodenseminare belegt. Was mich sonst noch reizt(e), ist/war die Verbindung zwischen Theorie und Praxis und die transdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Studienrichtungen, insbesondere die Verbindung zwischen den sogenannten „harten“ und den Sozial-/Gesellschaftswissenschaften. Außerdem noch verschiedene Theorieansätze der Geschlechterforschung, Karen Barad, Epigenetik oder bell hooks (nicht neu aber für mich neu entdeckt: I adore her!).
Mittlerweile bin ich, glaube ich, fertig mit dem „Pflicht“teil und mache mich auf die Suche nach einem Thema und Betreuer*innen für meine Masterthesis. Wird schwer genug. Denn mal ehrlich – zwei Jahre finde ich zu kurz. Ich kann in der Zeit so vieles nur anreißen, mal rein hören. Und muss mich mit diesem bisschen Wissen begnügen, bis ich die Zeit finde, es selbst zu vertiefen.

Tja und dann? Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung was ich nach meinem Abschluss kommendes Jahr machen soll. Liebend gern würde ich in die Wissenschaft und Forschung. Mein Doktorat machen. Es gibt doch noch so viel, dass ich nicht weiß, so viel spannendes, was es zu vertiefen gilt. Ich würde gerne mehr lesen, mehr schreiben, mehr diskutieren und denken. Denn das habe ich an diesem Studium besonders zu schätzen gelernt. Die (meisten) Lehrenden sind so viel besser und freier als noch im Bachelor, die Seminarplanung so viel freier, die Diskussionskultur rücksichtsvoller und zugleich qualitativ anspruchsvoll. Das möchte ich nicht missen, sondern mich in diesen Kreisen voller interessanter und spannender Menschen und Meinungen weiter bewegen.
Auf der anderen Seite möchte ich praktisch bei den Menschen sein. Nicht nur in Kursen und Seminaren, nicht in diesem akademischen „Elfenbeinturm“, sondern dort, wo die Probleme sind und sie mit bekämpfen. Ich möchte nicht nur über eine freiere Welt nachdenken, sondern sie mit gestalten. Will nicht nur sehen, was noch zu tun ist, sondern es mit tun. In meinen Augen sind die Gender Studies grundauf politisch. Ist es Wissenschaft im Allgemeinen, auch wenn einige der alteingesessenen Meinungen ihre sogenannte Objektivität als unpolitisch missverstehen. Es gibt keine Wissenschaft fern ab von gesellschaftlichen Verhältnissen!

Die Zukunft bringt, was sie eben bringt. Im schlechtesten Fall hat mir mein Masterstudium einfach ein persönliches Interesse befriedigt und ich bleibe feministische Sozialarbeiterin. Im besten Falle kann ich irgendwann „alles“ haben: Forschung, Praxis, Beratung, Lehre, Familie, Politik, Bücher, Musik, Filme, Freizeit. Ein Leben, ganz dem Feminismus und einer besseren Gesellschaft gewidmet. Wahrscheinlich wird es irgendwas dazwischen.

F³ – Moonrise Kingdom

Solange noch Freitag ist, hier eine kurze uneingeschränkte (feministische) Filmempfehlung aus dem Umzugskarton des Khaos.Kindes:

Moonrise Kingdom

Ich habe ihn mir gestern angesehen (OmU versteht sich) und finde auf die Schnelle nichts, was ich nicht toll fand. Besetzung,  Musik, Darstellung, Kamera, Schnitt… Jedenfalls war ich vollauf begeistert und bin natürlich gespannt, was ihr dazu sagt.  Seht ihr ihn euch an? Wenn ja, wie fandet ihr ihn? Wenn nein, warum nicht?

Als kleiner Vorgeschmack der offizielle Trailer:

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