Hängen geblieben, die Links der KW 36/12

Heute mal nicht am Sonntag aber deswegen sicher nicht weniger lesenswert!

Feminismus
Ein wichtiger Beitrag zur Debatte über Schwangerschaften. Auch in feministischen Kreisen trennen viele die Geschlechter nach ihrer Gebärfähigkeit. Und schließen dadurch inter- und transsexuelle und andere queere Menschen aus. Grantel wirft wichtiges Licht auf blinde Flecken.

Ein 3 1/2 Stunden langer CRE-Podcast mit Katrin Rönicke zu Feminismus.

Sexualität(en)
Aus der Reihe „Beiträge, die mich dazu verleiten das Internet ausdrucken zu wollen und es als Flugzettel auf der Straße zu verteilen“: Sanczny schrieb ein Consent Culture 101 für Dummies

Aus aller Welt
Mir ist bekannt, dass z.B. auch in der Verfolgung von Prostitution in Verbindung mit Menschenhandel in Österreich zwei unterschiedliche Messlatten angelegt werden. Unter anderem zeigt sich darin eine „rassifizierte“ Vorstellung von Autonomie und dem, was wohl ein „perfektes Opfer“ ausmacht. In diesem Text wird schön aufgezeigt, dass es so etwas wie ein „perfektes Opfer“ nicht gibt und diese Vorstellung einfach Müll ist.
via Twitter: @fasel

Beruf
Der aktuelle Arbeitsklimaindex der Arbeiterkammer Österreichs zeigt, dass Frauen* wesentlich unzufriedener mit ihrer Arbeit, den Aufstiegschancen und dem Arbeitsklima sind als Männer*. DieStandard berichtet.

Passend dazu ein direktes Beispiel aus der Bewerbungswelt und wie diese bei Frauen* lieber nach Familie als nach Qualifikation sortiert von glücklichscheitern.

(Partei/Netz)Politik
Deutschland
Kübra schrieb einen Artikel darüber, wie Polizei und Staat gegenüber Anonymus-Aktivist*innen vorgehen. Gern auch mal wahllos, rein zur Abschreckung.

Österreich
Am Wochenende fand der erste Kongress zu Datenschutz, Netzpolitik und freien Netzen in Wien statt. Ich wäre gern hin gegangen aber weil ich ja irgendwie meine Miete verdienen muss, blieb mir nur ein Abend zum quatschen und feiern. Es freut mich aber, dass im Portal von unwatched.org die meisten Vorträge und Workshops zum Nachlesen und später auch als Videomitschnitte zur Verfügung gestellt werden. Persönlich bin ich ja am Meisten auf den Beitrag zu Netzfeminismus gespannt. Da ist in Österreich einiges am werden und wachsen – und ich will Teil davon sein!

Termine
Am 11. September 2012 findet der erste Lesekreis zu einem Feminismus 101 in Wien statt. Es beginnt mit einer Übersetzung des „feminism for dudes“-Textes. Habe leider parallel ein Orga-Treffen aber ich finde die Idee super und werde sicher zu einem der Folgetreffen dazu stoßen.

Ende September findet das BiBerlin statt, ein Camp rund um das Thema Bisexualität

In eigener Sache
Bald bald bald geht die Frauen*SommerUniversität in Wien los. Vom 19.-22. September sind alle Frauen*InterLesbenTrans-Menschen herzlich eingeladen, ihre und andere Köpfe rauchen zu lassen. Die Anmeldung ist noch bis zum 14. September offen! Also los los!
Es gibt Kinderbetreuung und ziemlich wahrscheinlich Gebärdensprachdolmetscherinnen*. Das Dolmetschen in andere Sprachen fällt leider weg. Die Denkwerkstatt hat eine schöne Übersicht über Ablauf und Rahmensachen zusammen geschrieben, darum führe ich das nicht weiter aus.

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Hängen geblieben, die Links der Woche 32/12

So, ab dieser Woche versuche ich mich auch mal darin, euch ein paar Texte zu empfehlen, die ich für lesens- und be_merkenswert halte. Die Auswahl ist notwendigerweise unvollständig und es eint sie lediglich, dass sie mir in dieser letzten Woche so über den Weg lief.
Der Übersicht halber habe ich versucht, die Links thematisch ein wenig zu ordnen. Nur weils GeschlechterCHAOS heißt, muss es ja nicht auch so aussehen, ne?

Sexismus
Kiturak über Sexismus oder Faulheit

Weil ich es auch nicht besser ausdrücken kann, warum diese rosa Überaschungsei-Sache so furchtbar unüberraschend beknackt und zum Kotzen ist wie Dr. Mutti

Geschlechtsbezogene Gewalt ist in der Türkei die häufigste Todesursache für Frauen* zwischen 15 und 44
(via Twitter: re-empowerment)

 

Beruf
Neue Studie: Frauen haben weniger Chancen auf Forschungsförderung 
(via Twitter en ha)

Joachim Schulz vom Blog Quantenwelt schaut sich Studien an, die erforscht haben ob Hormone die Berufswahl steuern

Schock: In Deutschland gibt es genau 1 Entbindungshelfer (pdf, das schreit nach Einzelfall!) . In Österreich nicht einmal das 

 

Rassismus
Student*innen berichten über rassistische Erfahrungen an ihrer Uni
(via Twitter: Naekubi)

 

Familie
Nele Tabler fragt sich, wie Familie definiert wird und ob die für Frauen mit den Wechseljahren aufhört

Umgangsrecht wiegt schwerer als nationalsozialistische Gefahr 
(via Twitter: Anne Roth)

 

(Partei)Politik
Deutschland
Junge Union will Studierendenvertretung abschaffen
(via Twitter:  Simon Kowalewski)

Österreich
Radfahrer*innenwahn in Wien? Polemik und wie es wirklich aussieht
(via Twitter: Armin Wolf)

Elfriede Hammerl über die Vorarlberger Männerpartei (die nächstes Jahr zur Nationalratswahl antreten will)

 

Wissenswertes
Im Mädchenblog würde ein neuer Reader zu den Gender Studies rezensiert. Klingt gut. Muss ich auch unbedingt mal lesen.

Corinna hat sich mal erkundigt: Wie viele transidente Personen gibt es eigentlich
(via Twitter: Helga)

Alles was hier so steht, ich kann mich ehrlich nicht entscheiden, welchen einzelnen Beitrag ich da verlinken soll

 

In eigener Sache
Für die FrauenSommerUni 2012 werden noch Übersetzerinnen*/Dolmetscherinnen* gesucht (facebook-Link, übersetzen lohnt sich nur, wenn auch vor Ort dolmentschen möglich ist, es werden auch Gebärdensprach-Dolmetscherinnen* gesucht)

Ich habe von HighonCliches einen tollen tumblr übernommen: No more time to waste Ich muss mich zwar noch etwas durchwursteln aber das Prinzip bleibt das Gleiche: Ein Haufen guter Nachrichten, die gesammelt werden wollen. Schlechte Nachrichten gibt es schon genug!

Ich und die Gender Studies, Teil I

Das Semester ist vorbei. Alle Prüfungen und Präsentationen habe ich hinter mir. Ich habe Urlaub. Ein paar Tage.
Also endlich wieder mehr Zeit zum bloggen – dachte ich mir. Und weil mir ja meine Leser*innen wichtig sind, die Liste der geplanten Blogeinträge sowieso lang genug, fragte ich auf Twitter rum, was andere gern mal von mir lesen würden. Aus dem, was dort zurück kam, entsteht dieser Blogeintrag. Und wohl auch die nächsten paar. Interessanterweise häuften sich die Vorschläge in einem Bereich, der in meiner „zu bloggen“-Liste noch gar nicht steht: mein Studium.

Wie unschwer herauszufinden, studiere ich derzeit im Master Gender Studies in Wien.
Strukturell gesehen heißt das, in zwei Jahren Einführungs-, Vertiefungs-, Schwerpunkt- und Reflexionsmodule belegen, am Ende eine wissenschaftliche Arbeit schreiben und somit den akademischen Titel „Master of Arts“ erhalten. So weit, so einfach. Da die Studienvoraussetzungen in Wien bewusst offen gehalten sind und nur mindestens ein Bachelorabschluss vorhanden sein muss, sind die Studierenden relativ heterogen von ihren „Ursprungsdisziplinen“ her. Es gibt gewisse Häufungen in den Kultur- und Sozialwissenschaften, Anthropologie, Soziologie und Sozialarbeit/-pädagogik. Aber allgemein ist von Jurist*innen, Sprachwissenschafter*innen, Literaturwissenschafter*innen, Physiker*innen oder Lehrkräften alles ein bisschen vertreten. Die Anzahl an Studenten ist vergleichsweise gering aber vorhanden. Die Lehrenden sind aus strukturellen Gründen zu 90% Externe und können daher aus den verschiedensten Bereichen ihr Wissen einbringen.

Die Gender Studies nutzen die Freiräume, die das Modulsystem ihnen bietet. So gibt es zwar Empfehlungen z.B. die Einführungsveranstaltungen zu Beginn und die Reflexionsmodule erst mit einem gewissen Vorwissen zu belegen aber grundsätzlich sind die Lehrveranstaltungen frei wähl- und kombinierbar. Eigene Schwerpunktsetzungen sind möglich, sind gewünscht.
Nun wurde ich gefragt, was ich denn so für Schwerpunkte für mein Studium gesetzt habe. Diese Frage kann ich gar nicht wirklich beantworten. Aus meinen bisherigen Lehrveranstaltungen ergibt sich kein Muster oder so etwas. Ich wählte jedes Semester aus, was für mich am spannendsten klang und wo momentan mein Interesse lag. Grundsätzlich sauge ich alles Wissen auf, was ich mitnehmen kann, belege dafür auch mal ein paar Sachen doppelt (also eine Lehrveranstaltung, für die ich die ECTS eigentlich schon habe aber in deren Rahmen in einem anderen Semester ein anderes Thema besprochen wird). Ich habe Seminare zu Ökonomie, Familienkonstruktionen, Intersektionalität, Legal Gender Studies (feministischen Rechtswissenschaft) und diverse Methodenseminare belegt. Was mich sonst noch reizt(e), ist/war die Verbindung zwischen Theorie und Praxis und die transdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Studienrichtungen, insbesondere die Verbindung zwischen den sogenannten „harten“ und den Sozial-/Gesellschaftswissenschaften. Außerdem noch verschiedene Theorieansätze der Geschlechterforschung, Karen Barad, Epigenetik oder bell hooks (nicht neu aber für mich neu entdeckt: I adore her!).
Mittlerweile bin ich, glaube ich, fertig mit dem „Pflicht“teil und mache mich auf die Suche nach einem Thema und Betreuer*innen für meine Masterthesis. Wird schwer genug. Denn mal ehrlich – zwei Jahre finde ich zu kurz. Ich kann in der Zeit so vieles nur anreißen, mal rein hören. Und muss mich mit diesem bisschen Wissen begnügen, bis ich die Zeit finde, es selbst zu vertiefen.

Tja und dann? Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung was ich nach meinem Abschluss kommendes Jahr machen soll. Liebend gern würde ich in die Wissenschaft und Forschung. Mein Doktorat machen. Es gibt doch noch so viel, dass ich nicht weiß, so viel spannendes, was es zu vertiefen gilt. Ich würde gerne mehr lesen, mehr schreiben, mehr diskutieren und denken. Denn das habe ich an diesem Studium besonders zu schätzen gelernt. Die (meisten) Lehrenden sind so viel besser und freier als noch im Bachelor, die Seminarplanung so viel freier, die Diskussionskultur rücksichtsvoller und zugleich qualitativ anspruchsvoll. Das möchte ich nicht missen, sondern mich in diesen Kreisen voller interessanter und spannender Menschen und Meinungen weiter bewegen.
Auf der anderen Seite möchte ich praktisch bei den Menschen sein. Nicht nur in Kursen und Seminaren, nicht in diesem akademischen „Elfenbeinturm“, sondern dort, wo die Probleme sind und sie mit bekämpfen. Ich möchte nicht nur über eine freiere Welt nachdenken, sondern sie mit gestalten. Will nicht nur sehen, was noch zu tun ist, sondern es mit tun. In meinen Augen sind die Gender Studies grundauf politisch. Ist es Wissenschaft im Allgemeinen, auch wenn einige der alteingesessenen Meinungen ihre sogenannte Objektivität als unpolitisch missverstehen. Es gibt keine Wissenschaft fern ab von gesellschaftlichen Verhältnissen!

Die Zukunft bringt, was sie eben bringt. Im schlechtesten Fall hat mir mein Masterstudium einfach ein persönliches Interesse befriedigt und ich bleibe feministische Sozialarbeiterin. Im besten Falle kann ich irgendwann „alles“ haben: Forschung, Praxis, Beratung, Lehre, Familie, Politik, Bücher, Musik, Filme, Freizeit. Ein Leben, ganz dem Feminismus und einer besseren Gesellschaft gewidmet. Wahrscheinlich wird es irgendwas dazwischen.

Beruf: Geschlecht

Zwei Fragen begleitet mich seit Beginn des Bachelorstudiums: Und was bist du dann? Was kannst du damit machen?

Zumeist folgt darauf ein kurzes Schweigen. Ich überlege.

„Früher“ war ein/e TischlerIn eben TischlerIn und ein/e FriseurIn eben FriseurIn. Doch die Berufswelt hat sich in den letzten Jahrzehnten immer mehr ausdifferenziert und pluralisiert. Ein Lernweg eröffnet viele berufliche Möglichkeiten. Manche vorgegeben, manche selbst geschaffen.
Diese Uneindeutigkeit bedarf scheinbar einer Rechtfertigung. Zumindest einer Erklärung.

Nur, wie erklären?
Im ersten Semester des Bachelorstudiums durften wir diesen tollen Satz auswendig lernen:
Soziale Arbeit erforscht Soziale Probleme, trägt zu ihrer Prävention und Lösung bei.
Klang kurz und nett. Blöderweise war hinterher niemanden schlauer als vorher. Der tolle kurze Satz machte eine Ausführung des Begriffs „Soziales Problem“ notwendig, was das ist, was eins ausmacht etc. (= der Inhalt der anderen sechs Semester Studium). Und letztendlich lief es dann doch darauf hinaus einfach zu sagen, in welchen Bereichen ich später arbeiten könnte. Meist erhellte sich daraufhin das Gesicht meines Gegenübers und es sprach „Ach, du wirst so was wie Schulsozialpädagogin/Die Supernanny?“ Ja. Nee. Jein…

In den Gender Studies ist das leider nicht einfacher. Nicht mal einen simplen Satz darf ich auswendig lernen. Irgendwann im Laufe des Studiums wird sich schon herausstellen, was genau ich da eigentlich studiere und was ich später damit anfangen kann. Oder wie ich mich nenne. Seit letztem Sommer bin ich „Staatlich anerkannte Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin“. Voraussichtlich im Sommer 2012 bin ich dann… „Gender Studierte“? Das klingt ja furchtbar!
Mhm… Bin ich „Expertin für Geschechterfragen“? Trifft es auch nicht ganz.
Soll ich mich „Fachfrau für die sozialwissenschaftliche Analyse gesellschaftlicher Phänomene in Bezug zur Wirkung der Denkkategorie Geschlecht“ nennen? Das entspräche so in etwa dem, was ich mir an Fähig- und Fertigkeiten anzueignen gedenke. Aber das passt doch auf keine Visitenkarte! Mehr

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