Ausgelesen: Das Orangenmädchen (von Jostein Gaarder)

Letzten Donnerstag hatte ich noch etwas Zeit zwischen zwei Terminen und diese verbrachte ich im Buchladen am Campus. Und weil so schönes Wetter war und das Konto noch relativ gut gefüllt, kam das dabei heraus:

Unter anderem im Bücherberg: Das Orangenmädchen von Jostein Gaarder. Dessen Schreibstil ich sehr schätze, auch wenn ich Sofies Welt noch nie bis zum Ende geschafft habe. Dafür das wunderbare Durch einen Spiegel, in einem dunklen Wort.

Worum es geht:
Der 15-jährige Georg erhält einen Brief/eine Geschichte seines lange verstorbenen Vaters. Diesen soll er unbedingt allein lesen. Denn am Ende stellt der Vater ihm eine bedeutungsschwere, wichtige Frage.

Das Buch sagt von sich, dass es eine „gemeinsame“ Arbeit von Vater und Sohn Georg ist. Immer wieder finden sich Georgs Gedanken zwischen Stellen aus dem Brief. Das „Jetzt“ und das „Damals“ von vor 11/12 Jahren knüpfen aneinander an, vermischen sich. Alles dreht sich um Liebe, um Leben, Tod und Sehnsucht. Alles dreht sich um das Orangenmädchen.

Was es mit mir tat.
Als ich das Buch das erste Mal aufschlug, musste ich ziemlich schmunzeln. Über das große Schriftbild. Das war ich gar nicht mehr gewohnt und so verwundert es nicht, dass ich die 297 Seiten in zwei Tagen durch hatte.

Während dem Lesen empfehle ich Taschentücher bereit zu halten. Zumindest kamen mir immer wieder die Tränen ob der vielen wunderbaren Sätze. Dabei würde ich nicht mal sagen, dass die Geschichte besonders kitschig oder rührselig ist. Aber sie hat mich wirklich außergewöhnlich berührt. Darum möchte ich auch gar nicht groß weiter ausführen, sondern einfach ein paar der wunderbaren Satzperlen wiedergeben (weil mich die Urheberrechtsdebatte vor allem verwirrt hat, gibt’s die Satzperlen mit Seitenanzahl und die Quelldaten des Buches am Ende des Blogposts):

„Der Orangenpudding sollte nämlich auf einem großen Semesterfest des Faches BWL serviert werden und in dem Fach gab es nur sehr wenige Studentinnen.
Ich versuchte, diesen Gedanken zu verdrängen, es war unerträglich, zugleich fand ich es regelrecht skandalös, dass es in BWL noch immer keine Frauenquote gab.“
(Seite 52)

Als ich das las, musste ich erst einmal stocken. Im Buch ist dies aus dem Brief des Vaters. Im Buch wurde dieser Satz Anfang der 90er verfasst. So viel „warum gibt’s das nicht auch hier“ hatte ich selten im Kopf.

„Wir schauten einander noch immer in die Augen und ich sagte: ‚Du bist ein Eichhörnchen.’“
(Seite 66)

Einer der ersten Sätze des Vaters zum Orangenmädchen. Ich musste irgendwie an die transsexuellen Eichhörnchen der Piratenpartei (D) denken 😉

„’Ich habe einfach in dem Buch geblättert. Und gewartet.’ – ‚Auf mich?’ Ich wusste, dass das eine dumme Frage war. Sie antwortete fast gereizt: ‚Du glaubst doch wohl nicht, der Einzige zu sein, der sucht? Ich gehöre schließlich auch in diese Geschichte. Ich bin nicht nur ein Schmetterling, den du fangen sollst.’
(Seite 179f.)

Sprach das Orangenmädchen zum Vater. Ich mag das Frauenbild in diesem Buch wirklich!

Fazit: Kaufen, Lesen, Träumen, ein paar Tränchen verdrücken, Nachdenken, Freuen!

Quelle:
Gaarder, Jostein (2008): Das Orangenmädchen; München, Deutscher Taschenbuch Verlag

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2 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. lomoherz
    Aug 21, 2012 @ 14:58:45

    Ich kan dir in deiner Rezension nur zustimmen! Dieses Buch ist wirklich wunderbar, ohne kitschig zu sein. Die Geschichte berührt, so einfach ist das.
    Toller Blog!

    Antwort

  2. laska969
    Aug 30, 2012 @ 18:00:35

    Habe das Buch heute angefangen und schon ausgelesen. Hab es zufällig bei einer Freundin im Regal stehen sehen und musste an deine Rezension denken. Wundervolles Buch. Und ja, Taschentücher habe ich bereit gehalten und gebraucht. Danke für die schöne Buchempfehlung. Hach.

    Antwort

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